Weniger Gewalt gegen Polizisten in Oberfranken

26. Juni 2025 , 06:16 Uhr

In Oberfranken gab es 2024 einen deutlichen Rückgang bei Gewalt gegen Polizeibeamte, mit 592 gemeldeten Fällen – das sind 9,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders erfreulich, so das Polizeipräsidium Oberfranken: Die gefährlichen Körperverletzungen gingen um satte 55 Prozent zurück. Einen Wermutstropfen gibt es aber:

Im Juni letzten Jahres schleuderte während einer Verfolgungsfahrt in Bayreuth ein 20jähriger frontal in einen Streifenwagen. Beide Beamte erlitten schwere Verletzungen, der Tatverdächtige wurde lebensgefährlich verletzt. Hier werden Ermittlungen wegen versuchten Mordes geführt. Trotz der generell positiven Entwicklung betont Polizeivizepräsident Ulrich Rothdauscher, dass jeder Angriff auf Beamte einer zu viel ist. In den meisten Fällen waren die Täter männlich, über 18 Jahre alt und standen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

 

Hier die ausführliche Info der Polizei in Oberfranken:

Weniger Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten in Oberfranken

 

OBERFRANKEN. Am Mittwoch stellte Innenminister Herrmann das Landeslagebild Bayern 2024 zur Gewalt gegen Polizeibeamte vor. Auch das Polizeipräsidium Oberfranken gibt einen Einblick in Zahlen und Entwicklungen.

 

Entwicklung

Im Jahr 2024 wurden in Oberfranken 592 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte angezeigt. Das entspricht einem Rückgang um 61 Fälle oder 9,3 Prozent. Die Anzahl der Straftaten liegt damit fast wieder auf dem Niveau von vor zehn Jahren, bleibt aber dennoch hoch. Die Fallzahlen gehen bei nahezu allen Delikten zurück, am deutlichsten bei den gefährlichen Körperverletzungen: Hier gab es 15 Fälle insgesamt, das sind 55 Prozent weniger als im Vorjahr. Weiterhin war der Deliktbereich „Tätlicher Angriff“ mit minus 10,5 Prozent auf 188 Fälle deutlich rückläufig. Den geringsten Rückgang gab es mit zwei Fällen weniger bei den Beleidigungen – hier gab es insgesamt 209 Fälle.

Zu den hier dargestellten Straftaten werden unter anderem Tötungsdelikte, Körperverletzungsdelikte, Widerstände gegen Maßnahmen, Bedrohungen, Beleidigungen und sonstige tätliche Angriffe gezählt.

 

Den Ermittlern gelang es in 99,8 Prozent die Fälle aufzuklären.

 

Versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil von Polizeibeamten

Leider musste im Jahr 2024 ein versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil von Polizeibeamten verzeichnet werden. Im Jahr 2023 war kein derartiger Fall registriert worden.

Am 23. Juni 2024 flüchtete ein Autofahrer auf der A9 mit seinem Auto vor einer Polizeikontrolle. Obwohl sich die Polizisten bei der Verfolgung immer wieder zurückfallen ließen, um bei der Verfolgungsfahrt den Druck herauszunehmen, raste der 20-Jährige mit über 90 Stundenkilometer ins Stadtgebiet von Bayreuth und gefährdete dabei mehrere Personen. Dabei fuhr der Fahrzeugführer auf einen entgegenkommenden Streifenwagen zu, kam ins Schleudern und stieß frontal in den Streifenwagen. Beide Beamte erlitten schwere Verletzungen, der Tatverdächtige wurde lebensgefährlich verletzt. Durch die Staatsanwaltschaft werden Ermittlungen wegen versuchten Mordes geführt.

 

Tatort

Bei den Tatorten dominiert weiterhin der öffentliche Raum auf Straßen, Wegen und Plätzen mit einem Anteil von 42 Prozent. Wie im vergangenen Jahr erfolgten die Übergriffe am zweithäufigsten an privaten Örtlichkeiten, wie im häuslichen Bereich. An dritter Stelle folgen die Polizeidienststellen. Hier ist ein leichter Zuwachs von 2,1 Prozent auf 15,9 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt ereigneten sich 94 Fälle auf einer Polizeidienststelle. Im einstelligen Prozentbereich finden die Taten in anderen öffentlichen Gebäuden oder in Gaststätten statt.

 

Maßnahmen, bei denen es zur Gewalt gegen Polizisten kam

Gewalt gegen Polizeibeamte steht in der Regel im unmittelbaren Zusammenhang mit polizeilichen Maßnahmen wie beispielsweise Festnahmen oder Identitätsfeststellungen. Im Jahr 2024 ist die Anzahl der Fälle, welchen keine polizeiliche Maßnahme zugrunde lag, gestiegen, sie liegt bei 46 Fällen. Im Vorjahr 2023 lag sie noch bei 40 Fällen.

 

Tatmittel – Begehungsweisen

Bei den im Jahr 2024 registrierten Fällen wurde in zwei Fällen eine Schusswaffe mitgeführt. In elf Fällen verwendeten die Tatverdächtigen Hieb- oder Stichwaffen oder führten diese mit sich. Das Kraftfahrzeug als Tatmittel wurde in fünf Fällen eingesetzt (2023: Tatmittel Kfz acht Fälle). Dazu zählt das oben erwähnte versuchte Tötungsdelikt zum Nachteil von Polizeibeamten.

 

Tatverdächtige

Über 85 Prozent der 528 ermittelten Täter waren männlich und über 18 Jahre alt. Die Mehrzahl hatte die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Großteil der Täter, 341 Personen, stand bei den Taten unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten.

 

Ausblick

Nach einem sehr hohen Wert bei den Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte im Jahr 2020 und einem deutlichen Rückgang in 2021, stiegen zunächst die Fallzahlen bis zum Vorjahr stetig an. Ulrich Rothdauscher, Polizeivizepräsident der Polizei Oberfranken sagt zur neuesten Entwicklung: „Mit dem aktuellen Berichtsjahr 2024 wird der negative Trend gestoppt. Darauf gilt es nun aufzubauen und den eingeschlagenen Weg weiter fortzusetzen. Klar muss aber auch sein, dass jeder Angriff auf Polizistinnen und Polizisten einer zu viel ist. Gegen Gewaltdelikte – gleich welcher Form – werden wir immer konsequent vorgehen.“

 

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