Der Zuschuss fürs Bamberger Stadtmarketing wird 2026 eingefroren – eine Entscheidung, die im Finanzsenat am Abend gefallen ist und nun weitreichende Folgen haben dürfte. Oberbürgermeister Andreas Starke betont zwar, „die Tür bleibt geöffnet“, macht jedoch deutlich, dass es in den vergangenen Monaten erhebliche Kritik an der Arbeit des Stadtmarketings gegeben habe. Diese sei nicht nur aus der Politik, sondern vor allem aus der Bürgerschaft und aus Bürgervereinen gekommen. Beanstandet worden sei, dass das Stadtmarketing „zu politisiert“ gehandelt habe und es „Verstöße gegen das Neutralitätsgebot“ gegeben habe. „Man geht immerhin mit öffentlichen Geldern um – und diese Kritik teile ich“, so Starke. Das Einfrieren des Zuschusses verstehe er daher als „Warnschuss“.
Bereits im Frühjahr habe man signalisiert, dass Veränderungen nötig seien, nun kündigt Starke Gespräche mit Vorstand und Geschäftsführung des Stadtmarketings an. Anfang 2026 sollen klare Zielvereinbarungen erarbeitet werden – erst dann könne der Zuschuss von 70.000 Euro wieder fließen. Starke fordert zudem eine Rückbesinnung auf den Kernauftrag der Institution: die Unterstützung des Einzelhandels und die Stärkung der Einkaufsstadt Bamberg. Großveranstaltungen wie „Bamberg Zaubert“ oder das Blues- & Jazz-Festival sollen weiter bestehen, betont er – jedoch nicht durch den städtischen Zuschuss, sondern durch Sponsoren und Spenden. Für den Faschingsumzug hat die Stadt zusätzlich 10.000 Euro gesichert.
Kritik aus der CSU: Sorge vor dem „Tod des Stadtmarketings“
Scharfe Kritik an der Entscheidung kommt von der CSU. Fraktionschef Gerhard Seitz hält das Aussetzen des Zuschusses für „einfach falsch“. Die wochenlange öffentliche Debatte habe allen die Möglichkeit gegeben, sich umfassend zu informieren – dennoch werde nun riskiert, „dass 2026 überhaupt nichts ist – dann ist es erstmal tot“. Ein späterer Wiederaufbau des Stadtmarketings sei „kontraproduktiv“ und führe zu erheblichen Verlusten an Strukturen, Wissen und regionaler Strahlkraft.
Seitz zeigt sich zudem enttäuscht, dass Oberbürgermeister Starke keinen Kompromiss angeboten habe. „Ich wollte nicht, dass man irgendwann sagt: Da war mal Starke – der hat das Stadtmarketing zugrunde gerichtet.“ Die Entscheidung werde aus seiner Sicht große Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger haben, denn es könnten zahlreiche Events wegfallen, die maßgeblich zur Attraktivität der Stadt beitrügen. Viele Besucherinnen und Besucher kämen wegen dieser Veranstaltungen nach Bamberg und ließen jährlich geschätzt über 30 Millionen Euro in der Stadt – in Übernachtungen, Gastronomie und Einzelhandel.
BuB: „Einschränkungen ohne Not – persönliche Ressentiments spielten Rolle“
Enttäuscht äußert sich auch die BuB-Fraktion. Deren Vorsitzende Daniela Reinfelder betont, man sei der Stadt bereits deutlich entgegengekommen und habe – wie bei anderen Institutionen – eine 30-prozentige Kürzung statt eines Totaleinfrierens vorgeschlagen, inklusive Deckungsvorschlag. „Es hätte eine Mehrheit geben können“, so Reinfelder.
Nun müsse das gesamte Budget des Stadtmarketings „auf den Prüfstand“. Da viele Posten zwingend notwendig seien und der finanzielle Spielraum gering sei, stehe nun im Raum, dass Veranstaltungen gestrichen werden müssten. Für die Stadt sei das weniger ein Problem, „aber für die Bürgerinnen und Bürger werden es Einschränkungen sein – und das völlig ohne wirkliche Not“. Aus ihrer Sicht hätten bei der Entscheidung „persönliche Ressentiments“ eine Rolle gespielt.
Stadtmarketing-Geschäftsführer Stieringer: „Bewährung ja – aber nicht ohne finanzielle Grundlage“
Citymanager Klaus Stieringer, Geschäftsführer des Stadtmarketings, weist darauf hin, dass seine Arbeit vor allem im operativen Bereich liege: Planung, Organisation und Umsetzung von Projekten und Veranstaltungen. Entscheidend sei für ihn nicht, „wer vor der Kamera steht“, sondern dass das Stadtmarketing seine Aufgabe erfüllen könne: die Innenstadt stärken, den Wirtschaftsraum attraktiver machen, Akteure vernetzen und Veranstaltungen ermöglichen.
Das Bamberger Stadtmarketing habe bundesweit Vorbildcharakter, betont Stieringer. Neben Großveranstaltungen gebe es intensive „Kümmererarbeit“: Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Unterstützung bei Herausforderungen der Innenstadt, Schulungen, Citychecks, Einkaufsgutscheine und Netzwerkangebote zwischen Wirtschaft, Kultur und Stadt. Großveranstaltungen seien kein Selbstzweck, sondern brächten nachweislich Hunderttausende Besucher und damit Frequenz, Umsatz und ein starkes Image.
Das von Starke angekündigte Gesprächsangebot begrüßt Stieringer ausdrücklich. Transparenz sei selbstverständlich – Zahlen, Projekte und Entscheidungen würden bereits jetzt offengelegt. „Stadtmarketing ist kein Parteiprojekt, sondern Infrastruktur für Handel, Gastronomie, Kultur und Bürgerschaft.“
Gleichzeitig warnt er: Bewährung sei unproblematisch, solange überprüft werde, welchen Mehrwert das Stadtmarketing erbringe – „davon sind wir überzeugt“. Problematisch werde es jedoch, wenn Bewährung zugleich bedeute, zentrale finanzielle Grundlagen zu entziehen. Ohne den städtischen Zuschuss in bisheriger Höhe seien große, eintrittsfreie Formate wie „Bamberg Zaubert“ kaum aufrechtzuerhalten. Man werde im Vorstand in den kommenden Wochen verschiedene Szenarien prüfen – von Anpassungen über Kooperationen bis hin zur Suche nach zusätzlichen Sponsoren. „Aber man muss ehrlich sein: Rein privatwirtschaftlich und ohne Beteiligung der Stadt werden viele Angebote so nicht mehr möglich sein.“
SPD fordert strukturelle Neuausrichtung
Von anderer Seite kommt weitergehende Kritik am Stadtmarketing selbst. SPD-OB-Kandidat Sebastian Niedermaier hält die Wirkung der Institution für die Innenstadt für „nicht transparent belegt“. Er fordert ein Stadtmarketing, das Handel und Gastronomie aktiver einbindet – und nicht vor allem eigene PR betreibt.
Wie es weitergeht
Damit bleibt offen, ob – und unter welchen Bedingungen – das Stadtmarketing ab 2026 wieder städtische Mittel erhält. Die kommenden Monate werden zur Bewährungsprobe für die Verantwortlichen – und für die Frage, welche Rolle das Stadtmarketing künftig in Bamberg spielt.