Im Hamburger Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat eine Äußerung des Nebenklage-Vertreters über einen Kinderpsychologen für Aufregung gesorgt. «Ich bestreite, dass der Zeuge irgendeinen Sachverstand hat», rief Philip von der Meden, der Blocks Ex-Mann Stephan Hensel vertritt, während der Befragung des 54-Jährigen vor dem Landgericht.
Der Zeuge aus Bremen hatte früher die angeklagte Mutter Christina Block beraten, nachdem der Vater die beiden jüngsten Kinder des Paares im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch in Dänemark nicht mehr nach Hamburg zurückgebracht hatte und ein jahrelanger Sorgerechtsstreit gefolgt war.
Die Bemerkung von der Medens sorgte für Verärgerung bei mehreren Verteidigern, einer bezeichnete eine solche Aussage in Anwesenheit des Zeugen als «unverschämt». Die Vorsitzende Richterin ließ den Zwischenruf des Nebenklage-Vertreters auf Antrag von Verteidigern im Protokoll festhalten.
Der Kinderpsychologe hatte zuvor über Gespräche mit der Mutter berichtet. Er habe ihr erklären sollen, wie es sein könne, dass die Kinder sagen, sie habe sie geschlagen, obwohl das nicht stattgefunden habe, sagte der Zeuge am 32. Prozesstag. Er habe ein Gespräch mit der zweitältesten Tochter geführt, die noch bei der Mutter lebt. Aussagen der anderen drei Block-Kinder, die beim Vater in Dänemark wohnen, habe er sich in den Akten angeschaut.
Nur wenige Wochen bevor die beiden jüngsten Kinder 2021 beim Vater blieben, war die älteste Tochter freiwillig zu ihrem Vater gezogen. Christina Block hatte jahrelang so gut wie keinen Kontakt zu diesen drei Kindern.
Er habe ein Konzept für die Unternehmerin erarbeitet, wie sie sich verhalten solle, wenn die beiden jüngsten Kinder einmal wieder zurück zu ihr kommen sollten, sagte der Kinderpsychologe. Eine Aktion, wie sie dann in der Silvesternacht 2023/24 stattgefunden habe, sei in Gesprächen mit ihm aber nie Thema gewesen. Für seine Einschätzungen und Beratungen habe er auf Honorarbasis weit mehr als 100 Arbeitsstunden in den Fall investiert.
Christina Block, Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, soll die Entführung ihres damals zehn Jahre alten Sohns und der 13-jährigen Tochter aus Dänemark in Auftrag gegeben haben. Sie bestreitet das. Eine israelische Sicherheitsfirma, die die Kinder gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll, habe auf eigene Faust gehandelt, hatte sie erklärt. Es gibt noch sechs weitere Angeklagte.
Bekannt wurde nun: Auch die einzige Tochter, die noch bei der angeklagten Mutter lebt, will nicht als Zeugin im Prozess aussagen. Sie mache von Ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sei daraufhin abgeladen worden, sagte eine Gerichtssprecherin. Auch die beiden jüngsten Kinder hatten bereits angekündigt, nicht aussagen zu wollen.
Quelle: dpa