Diplomatie

Seltene Zeremonie: Wadephul und die Pazifik-Insel Niue

03. Februar 2026 , 04:37 Uhr

Deutschland erkennt die kleine Südsee-Insel Niue als eigenen Staat an. Und der Außenminister persönlich nimmt die Beziehungen auf. Der diplomatische Akt soll ein Zeichen in die ganze Region sein.

1.700 Einwohner, rund 260 Quadratkilometer: Die kleine Südseeinsel Niue liegt rund 4.500 Kilometer östlich der australischen Küste, zwischen Fidschi und den Cookinseln. Und rund 2.400 Kilometer nordöstlich von Neuseeland. Am Dienstag hat Deutschland nun auch formal bilaterale Beziehungen mit dem Eiland im Pazifik aufgenommen.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) unterzeichnete bei seinem Besuch im neuseeländischen Auckland gemeinsam mit dem Regierungschef von Niue, Dalton Tagelagi, eine entsprechende Erklärung. Auf für den deutschen Minister hat solch eine Zeremonie Seltenheitswert.

«Das ist ein besonderes Erlebnis, dass ich heute diese Zeremonie begehen darf», sagte Wadephul schon kurz zuvor bei einem Treffen mit seinem neuseeländischen Amtskollegen Winston Peters. Peters hatte Wadephul in seinen Heimatbezirk Bay of Islands in der Nähe der Stadt Kerrikerri auf der neuseeländischen Nordinsel eingeladen.

Anerkennung ein Zeichen in die Region – und Richtung Peking

Die Anerkennung Niues «zeigt die Wertschätzung, die Deutschland diesem Land gegenüber bringt, die Bedeutung, die wir dem Selbstbestimmungsrecht der Völker beimessen und die Bedeutung, die wir den pazifischen Inseln beimessen», sagte Wadephul. Denn die pazifischen Inseln seien «besonders bedroht vom Klimawandel, sie sind in ihrer Existenz bedroht». 

Deutschland fühle sich dem Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet, «aber auch dem Kampf für Resilienz, also für Widerstandsfähigkeit dieser Inseln», fügte Wadephul hinzu. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Niue sei ein Zeichen der Kooperationsbereitschaft in die Region hinein. Dort versucht China, immer mehr Einfluss zu bekommen. Wadephul ergänzt: «Wenn Chinas Einfluss hier steigt, dann sinkt auch gleichzeitig unser Einfluss.»

Deutschlands Kandidatur für UN-Sicherheitsrat: Jede Stimme zählt

Das Bundeskabinett hatte das Pazifik-Eiland erst am 7. Januar als eigenen Staat anerkannt. Bis 1974 gehörte die Insel zu Neuseeland und ist heute immer noch enger Partner des Landes. Die Einwohner sind neuseeländische Staatsbürger. Eine eigene deutsche Botschaft auf der Insel ist nicht geplant – zuständig ist die deutsche Vertretung in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington. 

Mit dem persönlichen Termin zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen dürfte Wadephul auch einen ganz pragmatischen Hintergedanken gehabt haben: Im Juni kandidiert Deutschland für die Jahre 2027/2028 für einen der nichtständigen Sitze im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN). Auch wenn Niue noch gar nicht UN-Mitglied ist: Da zählt jede Stimme. Natürlich auch jene der kleinen Südseestaaten, die schon heute UN-Mitglied sind.

Quelle: dpa

 

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