Im Archiv einer Klosterapotheke in der Toskana sind Unterlagen für eine Rezeptmischung entdeckt worden, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts eine Art Vorläufer von Coca-Cola gewesen sein könnte. Bei Aufräumarbeiten im Kloster San Marco der toskanischen Hauptstadt Florenz fand Rektor Manuel Russo nach eigenen Angaben einen Werbezettel für ein «stärkendes Wein-Elixier» aus Kokablättern und Colanüssen. Dem Dominikanermönch zufolge war das Getränk zu jener Zeit in der Apotheke eines der meistverkauften Produkte.
Kokablätter und Colanüsse waren auch Bestandteil einer Mixtur, die der Apotheker John Pemberton wenige Jahrzehnte später in den USA zusammenmischte. Aus «Pemberton’s French Wine Coca» («Pembertons französischer Kokawein») wurde dann Coca-Cola. 1886 erschien die erste Anzeige dafür. Weil in den USA Alkohol verboten wurde, ersetzte ihn Pemberton durch Wasser und Zuckersirup. Das genaue Rezept für die braune Limonade wird von dem US-Konzern seit jeher geheim gehalten.
Russo berichtete der katholischen Wochenzeitung «Toscana Oggi»: «Ich bin bei der Durchsicht unseres Archivs auf die alte Werbung für dieses Elixier gestoßen.» Danach habe er begonnen, die im Kloster aufbewahrten Dokumente genauer zu untersuchen, und herausgefunden, «dass es eines der am meisten nachgefragten Produkte der klösterlichen Apotheke war». Der Mönch verwies darauf, dass es keine Hinweise auf einen unmittelbaren Zusammenhang mit Pembertons Erfindung gebe.
Auf dem vergilbten Blatt Papier wird das «stärkende Wein-Elixier» (Elixir vinoso ricostituente) als ein Tonikum beschrieben, das körperliche und geistige Erschöpfung, Kopfschmerzen sowie Schwächen lindern könne, die auf Alter oder «außergewöhnliche Anstrengungen» zurückzuführen sind. Die Zusammensetzung: 30 Gramm Colanüsse und zehn Gramm bolivianische Kokablätter, aufgegossen mit einem Liter Alkoholmischung. Blätter und Nüsse sollen von Missionaren aus Südamerika in die Toskana gebracht worden sein.
Um die genaue Rezeptur von Coca-Cola wird seit jeher ein großes Geheimnis gemacht. Alle paar Jahre gibt es Behauptungen, dass jemand das Geheimnis gelüftet habe – bislang stimmte das allerdings nie. Nach Angaben des US-Konzerns kennt nur eine Handvoll Menschen innerhalb des Unternehmens die genaue Formel. Pemberton hatte die Formel angeblich selbst nie aufgeschrieben, sondern nur mündlich weitergegeben. Dem Konzern zufolge wurde sie 1919 erstmals zu Papier gebracht. Heute liegt sie in einem Tresor.
Das Kloster San Marco gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Florenz. Die dazu gehörende Apotheke Antica Farmacia di San Marco wurde bereits 1436 gegründet. Dort versorgten die Dominikanermönche die Bevölkerung über Jahrhunderte hinweg mit Heilkräutern, Essenzen, Elixieren und parfümierten Wässern. Heute gibt es sie ihrer ursprünglichen Form nicht mehr.
Quelle: dpa