Handynetz-Betreiber

Verdi warnt vor Folgen des Jobabbaus beim Mobilfunker O2

23. Juli 2026 , 05:46 Uhr

Was Vodafone hinter sich hat, hat Konkurrent O2 nun vor sich: einen schmerzhaften Personalabbau. Aber ist das wirklich der Weg zurück zu guten Zahlen? Ein O2-Aufsichtsratsmitglied hat seine Zweifel.

Wegen drastischer Einsparungen geht die Gewerkschaft Verdi mit dem Telekommunikationsanbieter O2 Telefónica hart ins Gericht. «Es sollen viele Shops geschlossen werden, Callcenter könnten dichtgemacht werden oder ihre Jobs werden deutlich reduziert – darunter könnte die Qualität des Kundenservice leiden», sagte der Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Heil der dpa in München. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat von Telefónica Deutschland. Die Firma möchte in Deutschland noch in diesem Jahr jede sechste Stelle abbauen und die Anzahl der Shops deutlich reduzieren. 

In einer alternden Gesellschaft steige der Beratungsbedarf für digitale Services und moderne Endgeräte, sagt der Gewerkschafter. «Die Kostensenkungen kommen zur Unzeit: Persönliche Beratung in Shops und am Telefon sind wichtiger denn je – anstatt den Kundenservice zu stärken und 02 durch Beratungsqualität von den Wettbewerbern zu differenzieren, schwächt man mit den geplanten Einsparungen die ausgezeichnete Arbeit der Mitarbeiter.» Dadurch könnte O2 es bei Bestandskunden und potenziellen Neukunden schwerer haben, warnt Heil.

Der Gewerkschafter sieht den spanischen Mutterkonzern Telefónica in der Pflicht, um in die Deutschlandtochter zu investieren und fit zu machen für den Wettbewerb. Doch statt zu investieren, diktiere Madrid einfach Kostensenkungen. «Ich erkenne da bislang keine nachhaltige Strategie für eine bessere Zukunft von O2 Deutschland.»

Was O2 für Kürzungen plant

O2 Telefónica hatte im Januar 6820 Vollzeitstellen, bis Ende 2026 sollen bis zu 1100 wegfallen und etwa 60 der rund 800 Shops wegfallen. Für die Beschäftigten liegen Abfindungen und andere Angebote bereit, damit sie freiwillig gehen. Nächstes Jahr soll es eine zweite Phase der Kostensenkungen geben, dann sollen weitere Jobs wegfallen und der Vertrieb könnte erneut betroffen sein. Die Firma begründet den Schritt mit einer notwendigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

O2 Telefónica ist unter Druck, die Firma hat in den Jahren 2024 und 2025 seinen größten Kunden 1&1 verloren – rund 12 Millionen 1&1-Kunden hatten das O2-Netz mitgenutzt, dafür bekam die Deutschlandtochter von Telefónica viel Geld. Dann aber wechselte 1&1 zu Vodafone, was O2 Löcher in die Kasse riss. Während die Wettbewerber Deutsche Telekom und Vodafone im Aufwind sind, hat O2 einen schweren Stand am deutschen Telekommunikationsmarkt. Konkurrent Vodafone hat die schwere Zeit eines Jobabbaus bereits hinter sich, in drei Jahren baute Vodafone in Deutschland rund 3.000 Stellen ab und liegt inzwischen bei gut 13.000.

Quelle: dpa

 

Das könnte Dich auch interessieren

22.07.2026 Mobilfunker O2 beschließt Abbau von jeder sechsten Stelle Deutschlands Telekommunikationsmarkt ist ein schwieriges Pflaster: Vodafone hat in den vergangenen Jahren rund 3000 Stellen abgebaut, nun ist mit O2 der nächste Handynetz-Betreiber an der Reihe. 12.07.2026 Jobabbau bei O2: Gewerkschaft wirft Firma Planlosigkeit vor Der Mobilfunker O2 steht unter Druck, die Geschäftszahlen trüben sich ein. Nun setzt das Management den Rotstift an, etwa jede sechste Stelle soll wegfallen. Gewerkschafter sind empört. 09.07.2026 O2 Telefónica plant Streichung von mehr als 1.000 Stellen Was Vodafone hinter sich hat, hat Konkurrent O2 Telefónica nun vor sich: Die Firma möchte Kosten senken und spart deshalb beim Personal. Das sei unumgänglich, betont das Management. 14.07.2026 Deutschland darf Millionen für Halbleiterfabriken geben Die EU will die europäische Halbleiter-Industrie stärken. Deutschland darf vier Anlagen in NRW, Schleswig-Holstein, Hessen und Bayern fördern. Was dort geplant ist.