Viele kleine Bäche in Bayern sind wegen teils erheblicher Verschmutzungen in einem schlechten Zustand. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Citizen Science Projekts «Flow» – das Projekt bringt seit 2019 Menschen an Bäche mit dem Ziel, diese zu erforschen, begleitet wird es unter anderem vom Bund Naturschutz (BN).
In der aktuellen Untersuchung wiesen drei von 16 untersuchten Bächen im Freistaat eine erhebliche Belastung durch Pestizide auf – sie lag nach dem sogenannten SPEAR-Index (Species At Risk), der die Pestizidbelastung von Gewässern ermittelt, bei Güteklasse 4. Nur acht Gewässer wiesen die besten Güteklassen 1 oder 2 auf.
Bei einem Bach war die Gewässerstruktur nicht verändert, bei drei weiteren wenig verändert, während die restlichen zwölf mäßig bis deutlich verändert waren.
«Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Bäche teils in einem schlechten Zustand sind», sagte Stefan Ossyssek, der das Projekt für den Bund Naturschutz (BN) begleitet. «Insbesondere die Pestizidbelastung lässt aufhorchen. Neben Nährstoffeinträgen und Veränderungen der Gewässerstruktur ist sie der Hauptfaktor für den Rückgang von Arten in Bächen.»
Mit dem Projekt «Flow» werden seit längerem Bäche erforscht. «Gerade kleine Fließgewässer sind nicht besonders gut erforscht, aber mit einer Länge von insgesamt 90.000 Kilometern ein sehr wichtiger Lebensraum in Bayern», betonte Ossyssek.
«Flow» wird vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle‐Jena‐Leipzig und dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung geleitet, unterstützt durch den Deutschen Angelfischerverband. In Bayern beteiligten sich den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 13 Gruppen mit insgesamt rund 130 Teilnehmenden, die 16 Bachabschnitte untersuchten.
Die Teilnehmenden untersuchten anhand der Kleintiere am Gewässergrund – etwa Köcherfliegen- oder Steinfliegenlarven, Schnecken, Muscheln, Egel und Käferlarven – welche ökologische Qualität das Gewässer besitzt und wie es mit Pestiziden belastet ist.
Daneben wurde die Gewässerstruktur kartiert – also ob Bäche unverbaute Ufer besitzen, frei fließen können und die Sohle natürlich ist. Außerdem gemessen wurden Temperatur, Leitfähigkeit, pH-Wert und Nährstoffgehalt.
Bayern hat sich das Ziel gesetzt, den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden im Vergleich zu 2018 bis 2028 zu halbieren. Bis 2022 wurde eine Reduktion um 19 Prozent verzeichnet.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist etwa auf befestigten Flächen, in bestimmten Naturschutzgebieten und an Gewässern verboten. «Dieses Ziel muss von allen Beteiligten konsequent verfolgt werden. Im privaten Bereich sollten Pestizide ganz verboten werden», sagte Ossyssek.
Um den Transport in Bäche, Flüsse und Seen zu verringern, müssten an allen Gewässern möglichst breite Uferrandstreifen von mindestens 10 Metern angelegt werden. Zudem brauche es strenge Kontrollen und keine vereinfachten Regeln werden, «wie aktuell vom Bundesagrarministerium geplant».
Quelle: dpa