FIFA-Krise

Rechtliche Schritte: Europa erhöht Druck auf Infantino

03. August 2026 , 12:33 Uhr

Das kleine Wales mag nicht mehr. Der erste Nationalverband entzieht FIFA-Boss Gianni Infantino öffentlich wieder seinen Beistand für eine Wiederwahl. Die UEFA baut eine Drohkulisse auf.

Nach dem krachend gescheiterten Investorendeal von Gianni Infantino hat Europa den Druck auf den angezählten FIFA-Boss erhöht und dem Weltverbandspräsidenten mit rechtlichen Schritten gedroht. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) erhebt in einem Schreiben an den Spitzenfunktionär den schweren Verdacht, der Schweizer sowie Geschäftspartner könnten Beweise vernichten wollen. Und die ersten Nationalverbände aus Europa entziehen Infantino wieder ihre Unterstützung für eine erneute FIFA-Kandidatur, die im kommenden Jahr in Marokko eigentlich ihre Krönung finden sollte.

Die UEFA weitet den Widerstand gegen den FIFA-Präsidenten aus. Das Ziel ist ziemlich deutlich: Infantino soll aus seinem mächtigen Amt verschwinden. Wie der «Telegraph» und die «Financial Times» berichten, hat der europäische Dachverband den Weltverbandspräsidenten aufgefordert, sämtliches Material im Zusammenhang mit dem zurückgezogenen Investorenvorhaben nicht zu vernichten. Entsprechende Appelle gingen demnach unter anderem auch an Technologieinvestor Joshua Kushner, der eine Schlüsselrolle bei dem Projekt hätte einnehmen sollen. Der Deutschen Presse-Agentur wurde bestätigt, dass ein Schreiben zur Sicherung von Beweismitteln versandt wurde.

Ein milliardenschwerer Deal wurde abgeblasen

«Die UEFA teilt hiermit förmlich mit, dass sie aktiv die Einleitung rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden (zusammen die ‚Verfahren‘) prüft. Diese beziehen sich auf den von der FIFA vorgeschlagenen FFE-Plan sowie auf alle damit in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten, die nachstehend näher erläutert werden», zitiert der «Telegraph» aus dem UEFA-Schreiben.

Infantino wollte Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes an private Investoren verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war.

Die FFE hätte die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma Thrive eine Schlüsselrolle übernehmen sollen.

Wales macht den ersten Schritt

Die UEFA, die als großer Gegenspieler der FIFA auftritt, wähnt bei dem am massiven Widerstand der Verbände und der Öffentlichkeit gescheiterten Hinterzimmerdeal Unregelmäßigkeiten. «Sie und die FIFA sind verpflichtet, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sämtliche in diesem Schreiben bezeichneten Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern, die sich in Ihrem oder im Besitz, Gewahrsam oder unter der Kontrolle der FIFA befinden», beschied die Europäische Fußball-Union energisch.

Die Absetzbewegungen von Infantino setzen sich fort – in Europa zumindest. Als erster Nationalverband entzog wieder Wales öffentlich seine Unterstützung für die vom FIFA-Boss beabsichtigte Wiederwahl 2027. «Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen», zitierte Sky News in England den Walisischen Fußball-Verband FAW.

Mehr als 200 Verbände stützten Infantino

Der Co-Gastgeber der EM 2028 im Vereinigten Königreich und in Irland habe dies der FIFA auch schriftlich mitgeteilt. «Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können.» Kurz danach arbeitete auch England Medienberichten zufolge an einem entsprechenden Brief an die FIFA-Spitze.

Diese Länder hatten allerdings auch zu jenen mehr als 200 Nationen gehört, die noch rund um die WM in den USA, Kanada und Mexiko Infantino schriftlich zugesichert hatten, ihn auf dem 77. FIFA-Kongress am 18. März 2027 in Rabat (Marokko) bei seiner Kandidatur unterstützen zu wollen. Deutschland, nur einer der 211 FIFA-Mitgliedsverbände, gehörte damals nicht dazu.

Quelle: dpa

 

Das könnte Dich auch interessieren

03.08.2026 Bericht: Wales will Infantinos Wiederwahl nicht unterstützen Nach dem Investoren-Fiasko von Gianni Infantino geht ein Verband in die Offensive. Wales sagt nein zu einer möglichen Wiederwahl des FIFA-Bosses. 03.08.2026 So könnte FIFA-Präsident Infantino stürzen Der Plan von Gianni Infantino, WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen, ist gescheitert. Die Kritik am FIFA-Boss wird immer lauter. Längst wird über Abschiedsszenarien gesprochen. 02.08.2026 Revolte gegen Infantino: «Weltfußball braucht neue Führung» Vor zwei Wochen durfte sich Gianni Infantino bei der WM noch auf dem Gipfel seiner Macht fühlen. Ein gescheiterter Investorendeal hat einen Aufstand gegen den FIFA-Boss entfacht. Kann er sich halten? 01.08.2026 Bayern-Chef Hainer erleichtert: «Aberwitzige Idee vom Tisch» Der «Spuk» ist vorbei: Bayern-Präsident Herbert Hainer begrüßt das Aus für die FIFA-Investorenpläne und fordert, dass solche Ideen künftig gar nicht mehr diskutiert werden.