Gefährliche Altlasten

Tschechien: Aufregung um Giftfässer im grenznahen Böhmerwald

08. September 2026 , 13:48 Uhr

Dioxine, Quecksilber, Arsen: Im Böhmerwald schlummern toxische Altlasten aus sozialistischen Zeiten. Was passiert, wenn die Fässer nicht rechtzeitig geborgen werden?

Der Fund von Fässern mit gefährlichen Chemikalien auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz nahe der deutschen Grenze sorgt in Tschechien für Aufregung. Neue Untersuchungen hätten ergeben, dass sich dort rund 200 marode Fässer und 1.000 Tonnen kontaminiertes Erdreich befänden, sagte Umweltminister Igor Cerveny. Nachgewiesen wurden demnach unter anderem Dioxine und Furane, Quecksilber, Arsen und organische Lösemittel.

Betroffen ist der frühere Truppenübungsplatz «Dobra Voda» (übersetzt: Gutes Wasser), der von 1952 bis zu seiner Auflösung Ende 1991 bestand. Das weitläufige Gebiet befindet sich östlich von Zelezna Ruda (Markt Eisenstein) im Nationalpark Böhmerwald (Sumava) nahe der Grenze zu Bayern. Weite Teile des früheren militärischen Sperrgebiets dürfen wegen der Gefahr von Blindgängern und Altlasten bis heute nicht betreten werden. Der genaue Fundort der Fässer wurde nicht genannt – auch, um Schaulustige nicht anzulocken.

Minister warnt vor Katastrophe

«Es handelt sich um sehr gefährliche toxische Stoffe», betonte Cerveny. Falls es zu einem Waldbrand komme, drohe eine Katastrophe, so der Politiker der Autofahrerpartei Motoristen. Es könne dann zu unkontrollierten chemischen Reaktionen kommen. Die Sanierung beginne noch in diesem Monat und werde bis 2028 andauern. Die Kosten dafür bezifferte der Minister mit 192 Millionen Kronen, umgerechnet knapp acht Millionen Euro. Noch geprüft werden soll, ob das Grundwasser mit Chemikalien belastet ist.

Für Verwirrung hatten Äußerungen des Politikers Filip Turek im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesorgt. Er sprach von einer Verseuchung mit chemischen Kampfstoffen wie Senfgas oder Phosgen. Cerveny wies solche Spekulationen zurück. Dieser Verdacht habe sich bei den Sondierungen nicht bestätigt. Das Verteidigungsministerium sagte seine Zusammenarbeit bei der Entsorgung zu, da auch Granaten, Munition und Minen in dem Gebiet vermutet werden.

Jahrzehntelange militärische Nutzung

Begrenzt wurde der frühere Truppenübungsplatz Dobra Voda im Süden von der Grenze zu Deutschland, im Norden von der Landstraße zwischen Hartmanice und Zelezna Ruda. Mit einer Fläche von rund 17.000 Hektar zählte er zu den mittelgroßen Einrichtungen dieser Art in der damaligen Tschechoslowakei. Die ursprüngliche deutschsprachige Bevölkerung war nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden. Eine Panzerschießbahn befand sich bei Prasily im Bezirk Klatovy.

Quelle: dpa

 

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