Streit über Deutungshoheit

Trump will mit Warnschildern missliebiges Museum brandmarken

25. Juli 2026 , 03:50 Uhr

Einige Museen in Washington sind dem Präsidenten ein Dorn im Auge. Jetzt soll es sogar Warnschilder für Besucher geben. Kritiker sprechen von Geschichtsklitterung und einem ideologischen Kulturkampf.

US-Präsident Donald Trump will ein ihm missliebiges Museum zur amerikanischen Geschichte mit Warnschildern vor dem Eingang brandmarken. Entlang der Wege, die zum National Museum of American History in Washington führen, sollen die Hinweistafeln angebliche Falschinformationen in Ausstellungen korrigieren, wie aus einer vom Weißen Haus veröffentlichten Anordnung Trumps hervorgeht. Damit werde die «ideologische Vereinnahmung» des Museums gekontert, hieß es zur Begründung. 

Mit dem Dekret verschärft die US-Regierung ihr Vorgehen gegen berühmte Museen in der Hauptstadt. Kritiker werfen Trump vor, Geschichtsklitterung zu betreiben und mit der Unterdrückung unbequemer Wahrheiten über Sklaverei, Diskriminierung von Minderheiten und andere Missstände einen regelrechten Kulturkampf angezettelt zu haben. Dafür sei er auch bereit, die künstlerische Freiheit und freie Meinungsäußerung einzuschränken – ein Vorwurf, den umgekehrt auch die politische Rechte linksliberalen Kreisen in den USA macht.

Was auf den Warnschildern stehen soll

Das National Museum of American History gehört zur Smithsonian Institution, die zahlreiche berühmte Ausstellungshäuser im Herzen Washingtons betreibt. Sie ziehen Touristen aus aller Welt an. Die Warnschilder sollen nach Darstellung der Regierung verlässliche Auskünfte zur Geschichte Amerikas geben, die den Besuchern vorenthalten würden. Wann genau sie aufgestellt werden sollen, ging aus der Anordnung nicht hervor.

Die Trump-Regierung wirft der Leitung der Smithsonian-Institution schon länger vor, Ausstellungen zu zeigen, die ideologisch motiviert seien. Trump beruft sich in der neuen Anordnung auf einen von ihm angestoßenen Untersuchungsbericht, der zum Schluss komme, dass man der derzeitigen Leitung nicht vertrauen könne, die Geschichte Amerikas «ehrlich» zu vermitteln.

Trump will «unvergleichliches Erbe unserer Nation» gewürdigt sehen

Bereits vor einem Jahr hatte die Trump-Regierung Ausstellungen in berühmten Museen in Washington kontrollieren lassen. Im Kontext des 250. Gründungsjubiläums der USA sollten Ausstellungstexte, Wandbeschriftungen, Webseiten und Bildungsmaterialien auf Tonfall, historische Einordnung und «Übereinstimmung mit amerikanischen Idealen» untersucht werden.

Davor hatte Trump per Dekret verordnet, dass Museen auf Geschichtsdarstellungen im Sinne der Regierung hinzuarbeiten haben. Der Republikaner behauptet, im vergangenen Jahrzehnt habe es «konzertierte und weit verbreitete Versuche gegeben, die Geschichte unseres Landes umzuschreiben und Fakten durch ein verzerrtes Narrativ zu ersetzen, das eher von Ideologie als von Wahrheit bestimmt ist». Im Sinne des Patriotismus solle «das unvergleichliche Erbe unserer Nation» nicht länger als sexistisch, rassistisch oder unterdrückerisch dargestellt werden.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

25.07.2026 Trump zu Medien: «Wenn ich weg bin, seid ihr alle pleite» In seiner Rede bei einem traditionellen Gala-Dinner in der Hauptstadt versucht Trump sich in einem Spagat zwischen Lob und Tadel für die Presse. Dazwischen schweift er immer wieder ab. 22.07.2026 Prozess gegen Nicolás Maduro soll am 1. Juni 2027 beginnen Die spektakuläre Festnahme Maduros begründen die USA mit dessen mutmaßlicher Rolle im Kokainschmuggel. Ob die Vorwürfe Bestand haben, will ein Gericht in New York klären. 20.07.2026 JD und Usha Vance verkünden die Geburt ihres vierten Kindes Drei Kinder hatte das Ehepaar Vance schon, nun begrüßt die Familie ihr jüngstes Mitglied. 17.07.2026 Trump schürt vor «Midterms» Zweifel an Sicherheit von Wahlen US-Präsident Trump nutzt eine Rede zur besten TV-Sendezeit, um wenige Monate vor den «Midterms» die Integrität von US-Wahlen in Zweifel zu ziehen. Vor allem gegen ein Land erhebt er schwere Vorwürfe.