„Wir haben den Auftrag vom Stadtrat, das Projekt Tiefensammler umzusetzen. Daran halten wir uns“, stellt Oberbürgermeister Andreas Starke klar. Er verweist auf die Entscheidung des Bau- und Werksenats vom 8. Mai 2024. In der Sitzung hat dieser einstimmig den Grundsatzbeschluss getroffen, zur Sanierung der Mischwasserbehandlung Bamberg-Ost die technische Lösung eines Tiefensammlers zugrunde zu legen. Nach umfangreichen Detailplanungen hat der Stadtrat am 10. Dezember 2025 mit dem Beschluss des Wirtschaftsplans 2026 von Bamberg Service auch die finanzielle Grundlage für die Umsetzung des ersten Bauabschnitts gelegt. Die nun anstehenden Schritte erfolgen auf Grundlage dieser bestehenden Beschlüsse.
OB Starke betont die Notwendigkeit der Maßnahme: „Der Tiefensammler ist zwingend erforderlich, um die gesetzlichen Vorgaben zum Gewässer- und Hochwasserschutz einzuhalten. Wir handeln hier nicht aus freien Stücken, sondern erfüllen eine rechtliche Verpflichtung.“ Sowohl das Wasserwirtschaftsamt als auch die zuständige Umweltschutzbehörde haben der Stadt Fristen gesetzt, um die bestehenden Defizite im Entwässerungssystem zu beseitigen und die gesetzlichen Vorgaben zum Gewässerschutz umzusetzen.
Aus fachlichen Gründen wird die Ausschreibung des Projekts angepasst und zeitlich verschoben. Hintergrund ist die Entscheidung, den Bau in drei Bauabschnitte zu gliedern. Bauabschnitt 1 umfasst die Baufeldfreimachung und den unterirdischen Kanalbau in den Bereichen Margaretendamm bis Erlöserkirche und Geisfelderstraße bis Moosstraße. Im zweiten Bauabschnitt wird der Abschnitt Erlöserkirche/Bleichanger/Geisfelderstraße umgesetzt. Im dritten und letzten Bauabschnitt erfolgen die Wiederherstellung der Freiflächen und die Erstellung der zur Wartung erforderlichen Hochbauten. Für diese Phase ist eine intensive Bürgerbeteiligung vorgesehen.
Zudem bestand bei der ursprünglichen Planung bei möglichen Verzögerungen im Vergabeverfahren die Gefahr, dass notwendige Baumfällungen in die Vegetationsperiode fallen würden. Dies wäre aus naturschutzfachlicher Sicht problematisch, da Fällungen während der Brutzeit nicht mit dem Schutz brütender Vögel vereinbar sind. Die Anpassung des Zeitplans dient daher auch dem Natur- und Artenschutz.
Die geringfügige Verschiebung der Ausschreibung war möglich, ohne das Projekt zu gefährden. Die Aufteilung in drei Bauabschnitte wirkt sich zudem für die Stadt und die Betroffenen positiv aus: Die Stadt Bamberg nutzt die gewonnene Zeit, um in der Vollsitzung des Stadtrats am 25. März 2026 offene Fragen der Fraktionen sowie der Bürgerschaft zu beantworten. OB Starke betont: „Die grundsätzliche Entscheidung für den Bau des Tiefensammlers steht nicht zur Diskussion.“ Die Ausschreibung erfolgt nach dieser Sitzung.
Weiterhin findet ein intensiver Austausch mit Betroffenen, darunter Anwohnende, Verkehrsverbände und weitere Interessensgruppen statt, um die Einschränkungen im Alltag zu minimieren und Anregungen aufzunehmen. Zusätzlich werden die Informationen zum Projekt auf der städtischen Homepage erweitert und laufend aktualisiert.
Ein weiterer Vorteil der neuen Bauabschnittsplanung: Der südliche Bereich am Adenauer-Ufer wird erst im Jahr 2027 umgesetzt. In diesem Jahr kommt es dort nur zu kleinen vorbereitenden Maßnahmen und keiner Sperrung des Geh- und Radwegs am Adenauerufer. Für den „Kiosk Kunni“ bedeutet dies, dass er im Jahr 2026 uneingeschränkt erreichbar ist. Eine gute Nachricht für den Betreiber und seine Gäste.
Das Umweltamt der Stadt Bamberg stimmt dem gewählten Vorgehen zu. Die Frist für die fertige Genehmigungsplanung wird eingehalten, ebenso soll die Vergabe wesentlicher Bauleistungen bis dahin erfolgen. „Besonders sensibel sind wir mit der Frage der Baumfällungen umgegangen. So ist es uns allein im vergangenen Jahr gelungen, die Zahl der zu fällenden Bäume durch eine Feinplanung von 127 auf 45 zu reduzieren“, erklärt Oberbürgermeister Starke.
Tobias Schenk, Leiter des Klima- und Umweltamts, stellt klar: „Als Umweltschutzbehörde liegt uns nichts ferner, als dass Bäume gefällt werden. Nach Abwägung umweltfachlicher und rechtlicher Belange hat hier der Gewässerschutz Priorität.“ Baureferentin Annegret Michler ergänzt: „Die Fällungen werden unter Beachtung eines baumfachlichen Gutachtens vorgenommen und entsprechende Ersatzpflanzungen vorgenommen.“
Im Vergleich zu den im Dezember genannten Kostenumfang liegen zwischenzeitlich für den Bauabschnitt 1 und 2 die verpreisten Leistungsverzeichnisse vor. Das Kostenvolumen für diese beiden Abschnitte beläuft sich auf 92 Millionen Euro. Der Bauabschnitt 3 kann aufgrund des Planungsstandes derzeit noch nicht genau beziffert werden. Diese Investition ist notwendig, um den gesetzlichen Anforderungen an den Gewässer- und Hochwasserschutz dauerhaft gerecht zu werden und die Entwässerungsinfrastruktur der Stadt zukunftssicher aufzustellen. Auch Überflutungen von Bahnunterführungen sollen dadurch künftig vermieden werden.
Der Tiefensammler Bamberg Ost wird auf einer Länge von rund 3,6 Kilometern in einer Tiefe von 8 bis 20 Metern unter der Erdoberfläche gebaut. Der unterirdische Kanal erhält einen Innendurchmesser von 2,4 Metern und ein Stauraumvolumen von rund 15.000 Kubikmetern. Der Bau erfolgt überwiegend im grabenlosen Rohrvortrieb und verbindet mehrere bestehende Abwasserkanäle miteinander. Das gesammelte Mischwasser wird kontrolliert zu einem neuen Pumpwerk am Margaretendamm und von dort zur Kläranlage geleitet.