Furtwängler-Stiftung MaLisa

Studie: Soziale Medien prägen Weltbilder von Jugendlichen

13. Februar 2026 , 14:01 Uhr

Soziale Medien sind für viele Jugendliche der wichtigste Wertekompass. Eine von Maria und Elisabeth Furtwängler angestoßene Studie offenbart dabei bedenkliche Entwicklungen – vor allem bei Jungen.

Berlin (dpa) -Soziale Medien sind für Jugendliche zur zentralen Quelle für Information und Orientierung geworden: Neun von zehn nutzen sie, um sich über Themen zu informieren, die sie interessieren. Das zeigt eine Studienreihe des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), die von der von Maria und Elisabeth Furtwängler gegründeten MaLisa Stiftung initiiert wurde.

Laut der Analyse «Soziale Medien, Geschlechterbilder und Werte», an der auch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales beteiligt war, lesen 84 Prozent der 13- bis 18-Jährigen in sozialen Netzwerken Kommentare, um zu verfolgen, wie andere diskutieren. 66 Prozent informieren sich dort über Politik und Zeitgeschehen. Plattformen wie TikTok oder Instagram seien für viele Jugendliche inzwischen «zentrale Orte der Weltdeutung und Wertebildung», heißt es in der Studie.

Problematische Weltbilder bei Jungen

Auffällig sind laut Studie Unterschiede bei den Weltbildern von Jungen. Rund 26 Prozent der befragten Jungen würden den Forschenden zufolge ein «besorgniserregendes Weltbild» aufweisen. Dieses sei unter anderem geprägt von rechten politischen Einstellungen, Klimaskepsis, LGBTQ+-Ablehnung und traditionellen Männlichkeitsbildern. Klimaleugnung, rechte Orientierung und hierarchische Rollenbilder träten dabei häufig gemeinsam auf. Diese Bündelung sei «in dieser Form erstmals wissenschaftlich dokumentiert», hieß es.

Qualitative Analysen zeigen nach Angaben des Forschungsteams außerdem, dass der TikTok-Algorithmus Jungen, die sich etwa für Fitness oder Luxusautos interessieren, verstärkt Inhalte rechtsextremer Akteure oder der sogenannten «Manosphere» anzeigen kann. Diese knüpften gezielt an Gefühle wie Einsamkeit oder Frustration an.

Frauenverachtende «Manosphere» 

In einer weiteren Untersuchung testete das Forschungsteam kurze Gegenimpulse in Form von TikTok-Clips. In einem Beispiel sank die Zustimmung zur sogenannten «Red-Pill-Ideologie» bei rechtsorientierten Jungen von 50 auf 43 Prozent, nachdem sie ein zwölf Sekunden langes Video gesehen hatten. Aussagen über langfristige Effekte seien jedoch nicht möglich, betonen die Forschenden.

Zur «Manosphere» werden digitale Inhalte gezählt, die sich mit frauenverachtenden Aussagen besonders an junge Männer und Jugendliche wenden, um Bilder einer starken Männlichkeit zu verbreiten. Sie propagieren in sozialen Netzwerken stereotype Geschlechterrollen, stellen Männer als «Opfer» der Gleichberechtigung dar und verharmlosen oder rechtfertigen Gewalt gegen Frauen.

Die Studienreihe basiert auf einer repräsentativen Befragung von 705 Jugendlichen sowie weiteren qualitativen und medienanalytischen Untersuchungen zwischen Februar und September 2025.

Quelle: dpa

 

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