Wissenschaftliche Analyse

Studie: CSU und Freie Wähler setzen auf Regionalpopulismus

22. Januar 2026 , 16:35 Uhr

In Reden und Parteiprogrammen von CSU und Freien Wählern ist gerne die Rede vom Schutz bayerischer Heimat und Kultur. Das ist nach einer neuen Analyse mehr als ein rhetorisches Stilmittel.

CSU und Freie Wähler kämpfen laut einer neuen wissenschaftlichen Analyse im Wahlkampf gezielt mit populistischen Aussagen zur Sonderrolle Bayerns um die Gunst der Wähler. «Kern des Regionalpopulismus in Bayern ist das Ausspielen ‚unserer bayerischen Heimat‘ gegen ‚Brüssel und Berlin‘ – das ist das, was CSU und Freie Wähler regelmäßig machen», sagte der Autor der Untersuchung, Parteienforscher Jan Philipp Thomeczek, von der Universität Potsdam. Der Regionalpopulismus von CSU und Freien Wählern unterscheide sich zudem vom Populismus der AfD. 

In seiner Untersuchung hat der Forscher die öffentliche Kommunikation der beiden Parteien und die Einstellung von Wahlberechtigten in Bayern nach der Landtagswahl 2023 auf Basis einer Umfrage ausgewertet. Die Ergebnisse seiner Analyse veröffentlichte Thomeczek in der Zeitschrift «German Politics».

Bayerischer Volkszentrismus im Mittelpunkt

«Beide Parteien nutzen die beiden Hauptstädte oft als rhetorische Figur, um die nationale oder europäische Politik abwertend zu bezeichnen, da diese angeblich der bayerischen Heimat schade», heißt es weiter in der Studie. «Zusammenfassend lässt sich sagen, dass CSU und Freie Wähler stark auf bayerischen Volkszentrismus setzen und häufig von der bayerischen Heimat, dem bayerischen Volk und der bayerischen Kultur sprechen.» Auch auf der Internetseite des bayerischen Agrarministeriums finde sich entsprechende populistische Rhetorik. 

Vergleiche zur Lega Nord und mit Katalonien

Diese erinnert laut Thomeczek an Slogans wie «Roma Ladrona» (frei übersetzt: «Rom des Diebes») der rechtspopulistischen Partei Lega Nord in Italien in den 1990er-Jahren oder an den Vorwurf katalanischer Regionalparteien gegen die spanische Zentralregierung, Katalonien «gestohlen» zu haben. Die Untersuchung kommt zudem zu dem Schluss, dass die Wähler der Linken, der SPD und der Grünen derartige populistische Aussagen eher ablehnen.

Unterschiede zum Populismus der AfD

«Wer regionalpopulistische Einstellungen hat, tendiert zur Wahl von CSU und Freien Wählern», sagte Thomeczek. Bei allgemeinen populistischen Einstellungen, die wiederum stark von AfD-Wählern in Bayern unterstützt würden, stehe hingegen der Gegensatz von «Volk gegen Establishment» im Vordergrund. Thomeczek warnt davor, dies als Strategie im Kampf gegen die AfD zu nutzen: «Regionalpopulismus macht CSU und Freie Wähler stark, aber schwächt nicht unbedingt die AfD. Bei der Bundestagswahl war die AfD in Bayern fast genauso stark wie im Bundesdurchschnitt.»

Quelle: dpa

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