Verlegungen von Wettkämpfen, abgesagte Reitturniere und Lauf-Events: Der Spitzen- und Breitensport in Deutschland blickt auf ein Wochenende mit Temperaturen um die 40 Grad voraus. Das hat Konsequenzen: Wegen der Hitze wurde der Halbmarathon in Hamburg vier Tage vor dem Startschuss abgesagt. Auch Reitturniere, etwa beim Galopp in Krefeld, finden zum Wohl der Tiere nicht statt. Gleiches gilt laut einer Mitteilung des Württembergischen Fußballverbandes für «sämtliche Meisterschaftsspiele aller Spielklassen und Jahrgänge». Sie sollen am kommenden Wochenende abgesetzt werden. Tennisverbände erlauben Anpassungen des Spielplans.
Auch viele ambitionierte Hobbysportler treffen auf die große Hitze, wollen aber nicht auf Bewegung verzichten. Fest steht: Hohe Temperaturen belasten den Körper – und machen auch Tieren zu schaffen. Worauf Freizeitsportler jetzt achten sollten: Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Grundsätzlich steht sportlichen Aktivitäten im Hochsommer nichts im Wege, meint Hausarzt Martin Schmitt aus Oftersheim. «Ich würde Sport immer empfehlen, weil ich davon überzeugt bin, dass es einen großen Nutzen hat», sagt der Mediziner und Sportliche Leiter eines Handball-Viertligisten der dpa. Sport im Freien sollte jedoch möglichst in den frühen Morgenstunden stattfinden, etwa zwischen 6.00 und 9.00 Uhr. Später empfiehlt sich Sport eher in klimatisierten Innenräumen. Hohe Temperaturen bedeuten für den Körper zusätzlichen Stress, da er mehr Energie aufwenden muss, um sich zu kühlen.
Ja, sagt Schmitt. Ausdauersportarten sollten nicht mit Maximalbelastung ausgeübt werden. Das gilt vor allem für Personen mit Vorerkrankungen. Generell gilt: Bei Hitze sinkt die Leistungsfähigkeit häufig von selbst. Die Jagd nach persönlichen Bestzeiten ist daher bei Temperaturen von mehr als 30 Grad nicht sinnvoll. Wer langsamer trainiert oder die Einheit verkürzt, kann den Kreislauf entlasten.
Gefährlich wird es vor allem dann, wenn trotz großer Hitze mit hoher Intensität trainiert, zu wenig getrunken oder Warnsignale des Körpers ignoriert werden. Wer trainiert, sollte seinen Puls im Blick behalten. Besonders riskant wird es, wenn hohe Temperaturen mit direkter Sonneneinstrahlung oder hoher Luftfeuchtigkeit zusammenkommen.
Warnzeichen können Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, ungewöhnliche Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme sein. Treten solche Beschwerden auf, sollte die Belastung reduziert oder das Training beendet werden. Halten die Beschwerden an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Mineralreiches Wasser kann sinnvoll sein, da der Körper über den Schweiß Mineralstoffe verliert. Zudem sollte auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr geachtet werden. Generell empfiehlt es sich, über den Tag verteilt regelmäßig zu trinken und die Flüssigkeitsspeicher nach dem Sport wieder aufzufüllen. Schwere Mahlzeiten können unmittelbar vor intensiven Einheiten zusätzlich belasten.
Aus medizinischer Sicht sind Kühlwesten sinnvoll, sagt Schmitt. Bei großer Hitze steigt die Herzfrequenz, weil der Körper verstärkt versucht, sich zu kühlen. Die zusätzliche Kühlung durch Kühlwesten kann dazu beitragen, die Herzfrequenz niedriger zu halten. Sie sollten jedoch vorrangig im Profisport und unter ärztlicher Beobachtung eingesetzt werden.
Pferde vertragen trockene Hitze in der Regel besser als Menschen. Hohe Temperaturen in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit können aber auch für die Tiere belastend werden. Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sollten überhitzte Pferde möglichst schnell gekühlt werden. Empfohlen wird, wiederholt große Mengen kalten Wassers über den gesamten Körper zu gießen. «Die effektivste Methode, ein überhitztes Pferd schnell zu kühlen, ist, das Pferd von beiden Seiten mit Eimern abzukühlen», sagt Henrike Lagershausen, Leiterin Veterinärmedizin und Tierschutz von Pferdesport Deutschland. Beim Transport sei zudem auf eine ausreichende Belüftung des Anhängers zu achten.
Früh trainieren, Tempo drosseln, ausreichend trinken und auf Warnsignale achten – das sind die wichtigsten Grundregeln für Sport bei großer Hitze. Wer sich unwohl fühlt, sollte die Belastung reduzieren oder ganz auf das Training verzichten. Langstrecken-Ass Samuel Fitwi rät Läufern zudem: «Keinesfalls beim Anfangstempo überziehen.»
Quelle: dpa