Jugend und Social Media

SPD will Social-Media-Verbot für Kinder unter 14

15. Februar 2026 , 20:31 Uhr

Das kürzlich eingeführte australische Social-Media-Verbot für Jugendliche ruft Nachahmer rund um den Globus auf den Plan. Jetzt will auch die SPD in Deutschland strengere Regeln für die Jugend.

Die SPD hat in einem Impulspapier die Einführung eines Social-Media-Verbots für Kinder unter 14 Jahren gefordert. Die Partei schlägt vor, eine Altersverifikation mit Hilfe der App «EUDI-Wallet» verpflichtend zu machen.

Kern des Vorschlags ist eine nach drei Altersgruppen abgestufte Regelung: Für unter 14-Jährige solle fortan ein vollständiges Verbot der Nutzung von Social-Media-Plattformen bestehen. Die Anbieter sollen verpflichtet werden, «den Zugang technisch wirksam zu unterbinden». Verstöße durch die Plattformen müssten für diese schnelle und spürbare Konsequenzen haben: «von sofortigen Anordnungen und empfindlichen Sanktionen bis hin zu temporären Einschränkungen oder Netzsperren als Ultima Ratio».

«Jugendversion der Plattformen»

Für unter 16-Jährige solle hingegen eine verpflichtende «Jugendversion der Plattformen» gelten. Diese dürfe keine suchtverstärkenden Funktionen enthalten wie etwa Endlos-Scrollen, automatisches Abspielen von Inhalten oder Anreizsysteme, die intensive oder dauerhafte Nutzung belohnen. Zudem müsse eine Jugendversion ohne algorithmisch gesteuerte Feeds auskommen und dürfe Inhalte auch nicht mehr personalisiert ausspielen.

Jugendliche unter 16 sollen künftig ausschließlich über die «EUDI-Wallet»-App ihrer Erziehungsberechtigten Zugang zu Instagram und Co. haben. Bei der App (EU Digital Identity Wallet) handelt es sich um eine Art digitales Portemonnaie, in dem beispielsweise Personalausweis und Führerschein der Erziehungsberechtigten gespeichert sind.

«Rückkehr zum klassischen Social-Media-Prinzip»

Für alle Bürger ab 16 Jahren – also auch für Erwachsene – sollen künftig auf den digitalen Plattformen zudem algorithmische Empfehlungssysteme standardmäßig deaktiviert sein. Wollen Nutzer Inhalte durch Algorithmen vorgeschlagen bekommen, müssten sie sich also bewusst und aktiv dafür entscheiden. Auch diese Altersgruppe müsste sich dem Vorschlag entsprechend künftig vor der Nutzung mit «EUDI-Wallet» verifizieren.

Über die Altersbegrenzungen hinaus versteht die SPD ihren Vorschlag als eine größer angelegte «Rückkehr zum klassischen Social-Media-Prinzip». Nutzer Sozialer Medien sollten künftig wieder selbst entscheiden können, was sie sehen wollen und was nicht. Die Standardeinstellung auf Plattformen müsse wieder sein, dass Nutzer auf ihrer Seite ausschließlich Inhalte von Personen und Accounts zu sehen bekommen, denen sie aktiv folgen, anstatt Inhalte durch einen automatisch kuratierten Feed vorgeschlagen zu bekommen, der verdeckt priorisiere und einzelne Inhalte algorithmisch verstärke, so das Papier.

Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil hatte in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur betont, dass bei ihm momentan ein Umdenken stattfinde: «Vor ein paar Jahren haben wir alle die Freiheit des Netzes betont und gesagt, da darf es keinerlei Einschränkung geben. Aber jetzt sehen wir doch in den Debatten, dass gesellschaftlich etwas passiert, dass junge Leute zu mir kommen und sagen, wir brauchen klare Regeln, wie wir mit sozialen Netzwerken umgehen.»

Dem «Spiegel» sagte Klingbeil nun: «Der Schutz junger Menschen vor der Flut an Hass und Gewalt in sozialen Medien hat oberste Priorität.» Und: «Wir kommen an klaren Regeln und Einschränkungen – wie sie der SPD-Vorschlag unterbreitet – nicht mehr vorbei.»

Auch aus der CDU kommen befürwortende Stimmen

Im Ausland wollen gleich mehrere Länder wie Dänemark, Großbritannien, Frankreich und Spanien dem Vorbild Australiens folgen, das vor zwei Monaten als erstes Land der Welt ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat. Die Kinder dürfen dort keine eigenen Social-Media-Accounts mehr haben.

Auch aus der CDU kamen zuletzt befürwortende Stimmen, was eine strengere Regulierung von Sozialen Medien betrifft. Familienministerin Karin Prien (CDU) hatte erklärt, ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter könne sie sich persönlich vorstellen. Die CDU will auf ihrem Parteitag am kommenden Wochenende über das Thema diskutieren.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

10.02.2026 Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige? Parteien uneins Soziale Medien sind für Jugendliche auch in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Oder vielleicht doch? Manch einer in der Koalition liebäugelt mit der Idee eines Verbots, wie es Australien nun hat. 26.01.2026 Wie Jugendliche über ein Verbot von sozialen Medien denken «Ich googel jetzt nur noch auf Tiktok, ich googel nicht mehr auf Google», sagt ein Teenie. Soziale Medien spielen für Teenager eine enorme Rolle. Einige wurden nun zum richtigen Umgang befragt. 12.02.2026 90er-Zeitreise-Film mit den Elevator Boys Mit Auftritten im Fahrstuhl wurden sie im Netz berühmt: Den Social-Media-Stars Elevator Boys folgen auf Tiktok Millionen Menschen. Jetzt haben sie einen Film gedreht, der bald zu sehen sein soll. 11.02.2026 Prime Video verfilmt weiteren Fitzek-Bestseller Amazons Streamingdienst lässt den Bestseller «Der erste letzte Tag» verfilmen. Das sagt Sebastian Fitzek dazu, dass nun mal eine Komödie und kein Thriller von ihm gedreht wird.