Erst reckte George Russell noch recht verhalten die Siegerfaust nach oben, aber etwas später konnte er sich wirklich über den ersten Startplatz freuen. Der britische Mercedes-Fahrer profitierte in der Qualifikation zum Großen Preis von Österreich von einem Unfall von Max Verstappen, behielt nach etwas Verwirrung aber die Pole Position. Russell setzte sich in Spielberg bei großer Hitze mit Temperaturen von mehr als 33 Grad in 1:06,113 Minuten vor den beiden Ferrari-Stars Charles Leclerc und Lewis Hamilton durch.
In einem dramatischen Finale fiel die Entscheidung nach einem seltenen Unfall von Verstappen. Der viermalige Formel-1-Weltmeister flog auf seiner letzten schnellen Runde heftig von der Strecke ab und krachte in seinem Red Bull in die Begrenzung. In der Folge konnte unter Gelber Flagge vom großen Teil der Konkurrenz nicht mehr voll gefahren werden. Russell kam auf seiner schnellsten Runde aber noch regelkonform durch und war danach nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Sein Verhalten wurde von den Regelhütern untersucht, er hatte sich jedoch korrekt verhalten und blieb an der Spitze.
«Morgen wird es ein großer Kampf», sagte Russell mit Blick auf den achten Saisonlauf am Sonntag (15.00 Uhr/Sky). «Ich freue mich sehr über den ersten Platz, aber im Rennen wird es sehr heiß. Die Ferraris sehen extrem schnell aus, sie sind das schnellste Team aktuell.»
Verstappen wurde im Red Bull immerhin noch Fünfter und kam mit dem Schrecken davon, Nico Hülkenberg steuerte seinen Audi auf Rang 14. In der WM-Gesamtwertung führt der 19-jährige Kimi Antonelli im Mercedes mit 41 Punkten Vorsprung vor Hamilton, weitere neun Zähler dahinter folgt Russell. Verstappen hat als Siebter bereits 101 Punkte Rückstand auf Antonelli, der in der Qualifikation nur Vierter wurde.
Zuvor hatte sich vor allem Antonelli in Spielberg stark gezeigt. Nach Bestzeiten in den ersten beiden Trainings und Rang zwei bei der finalen Übungsfahrt distanzierte er die Konkurrenz im ersten K.-o.-Abschnitt noch klar. Im zweiten Durchgang lag er ebenfalls an der Spitze, während Hülkenberg die Qualifikation für das Finale der Top Ten verpasste.
Verstappen hatte zunächst Glück, dass er es überhaupt noch unter die besten Zehn schaffte. Der Red Bull des Ex-Champions macht weiter Probleme, obwohl sein Rennstall mit technischen Verbesserungen angetreten war. Verstappen hatte auf dem Red-Bull-Ring schon fünfmal gewonnen und fünfmal auf der Pole Position gestanden. Der Grund für seinen Abflug war zunächst unklar. «Wir müssen das jetzt analysieren. Das ist alles komisch», sagte Verstappen bei Sky.
Hochsommerliche Temperaturen von mehr als 30 Grad stellen die Rennställe und ihrer Fahrer in der Steiermark vor große Herausforderungen. Der Automobil-Weltverband Fia gab eine Hitzewarnung für den Grand Prix heraus, es wird das heißeste Formel-1-Rennen in der Geschichte Österreichs erwartet.
Weil es draußen erneut mehr als 31 Grad heiß werden soll, ist der Einsatz von Kühlwesten erlaubt. Viele Fahrer werden trotz Temperaturen von 50 Grad und mehr im Auto aber auf den Einsatz verzichten. Ein Teil der Piloten stört sich an zusätzlichen Objekten im engen Cockpit, zudem wurde bemängelt, dass das System nicht ausgereift sei und nur zu kurz für gute Kühlung sorgt.
Spannend wird im Grand Prix, wer bei den Extrembedingungen – der Asphalt wird weit über 50 Grad heiß werden – über eine Renndistanz am besten zurechtkommt. Es wird neben viel Motorleistung vor allem auf das richtige Reifenmanagement mit möglichst wenig Verschleiß ankommen.
Quelle: dpa