Olympische Winterspiele

Rodel-König Langenhan: Aus Gold-Mann wird «Voice of Germany»

09. Februar 2026 , 12:22 Uhr

Nach dem nervenaufreibenden Rennen mit steifem Hals fließen Tränen, Max Langenhan denkt zuerst an seinen verstorbenen Trainer. Doch dann lässt es der Olympiasieger trotz Schmerzen krachen.

Erst leerte Max Langenhan beim großen Empfang im Deutschen Haus ein fremdes Bier, dann schmetterte der Rodel-Olympiasieger textsicher das Rennsteiglied. «Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land, den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand», sang Langenhan. Einige aus der Heimat des Rodlers angereiste Fans stimmten mit ein – und selbst der frühere IOC-Chef Thomas Bach klatschte in allererster Reihe rhythmisch mit.

So sorgte der Gold-Mann aus Thüringen plötzlich als «The Voice of Germany» für die erste deutsche Gold-Party in Cortina d’Ampezzo. «Es ist der Wahnsinn. Gestern hatte ich noch eine Träne im Auge, weil ich nicht wusste, ob es mit meinem Hals geht. Doch wir haben ja die besten Ärzte der Welt», lobte der 26-Jährige, der mit Geschwindigkeiten von rund 130 Stundenkilometern in vier Läufen vier Bahnrekorde ins Eis zauberte.

Loch-Geste beeindruckt früheren IOC-Chef Bach 

Als erster Gratulant empfing ihn im Ziel ausgerechnet der dreimalige Olympiasieger Felix Loch, der selbst nach einem enttäuschenden Auftritt nur Sechster wurde. Eine Geste, die auch Sportfunktionär Bach als Augenzeuge der Rodelwettbewerbe beeindruckte. Das sei «besonders emotional» gewesen, sagte Bach. «Das ist Olympia.»

Gut drei Stunden später hatte Langenhan einen anderen Fokus. «Ich wurde jetzt nur hin und her geschubst. Ich habe einfach nur Hunger. Doch egal, heute wird sich eh nur noch flüssig ernährt», meinte er.

Langenhan widmet Gold seinem verstorbenen Trainer

Zuvor war der erste deutsche Olympiasieger der diesjährigen Spiele emotional geworden, als er die Goldmedaille seinem einstigen Trainer widmete. «Uwe, der freut sich einfach an einer anderen Stelle. Uwe Lehmann, das war mein erster Sportgymnasium-Trainer. Er ist leider beim Klettern viel zu früh verstorben», sagte Langenhan mit Tränen erstickter Stimme. «Es ist halt schade, dass Leute diesen Erfolg nicht miterleben können, die so viel Anteil daran haben.»

Im Ziel, auf der Tribüne und auf dem Weg zur Siegerehrung traf er so viele Weggefährten, Freunde und Förderer. «Ich bin dankbar für jede Person, die ich auf dem Weg kennenlernen durfte. Die haben das gemacht. Am Ende darf ich mir die Medaille umhängen, aber eigentlich müssten 300 Leute so eine Medaille bekommen, weil die alle Teil des großen Ganzen sind», sagte der Weltmeister, der den Österreicher Jonas Müller mit 0,596 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei verwiesen hatte. Dritter wurde wie schon 2022 in Peking der Italiener Dominik Fischnaller.

Party-Marathon mit 100 Fans

Und dann gab es im Ziel noch ein Siegerküsschen von Freundin Susanne, die mit Langenhans Familie, den vier Geschwistern des Olympiasiegers und insgesamt 100 Fans nach Cortina gefahren war. Dafür wurde extra noch ein großer Reisebus angemietet. Ihr Basislager ist im rund 40 Kilometer von Cortina entfernten Welsberg-Taistend, wo nach der Siegesfeier im Deutschen Haus noch weitergefeiert wird.

Langenhan konzentriert sich derweil auf seine nächste Aufgabe: Als Einzelsieger darf der Rodler auch in der Teamstaffel starten. Dafür nahm er am Abend sogar seine Goldmedaille recht schnell wieder ab.

«Ich musste sie in die Tasche packen, weil es echt noch ein wenig schmerzt, nachdem der Adrenalinspiegel jetzt sinkt. Ich will ja am Donnerstag mit den anderen für Deutschland noch was erreichen», meinte Langenhan, der am vorletzten Olympia-Tag am 21. Februar auch noch seinen 27. Geburtstag feiert. Anlässe für weitere Feste gibt es also genug.

Quelle: dpa

 

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