Festspielstadt Bayreuth

Richard-Wagner-Straße jetzt mit Hinweis auf Antisemitismus

22. Juli 2026 , 12:45 Uhr

Bayreuth ist dank Richard Wagner international bekannt. Das Problem: Wagner war Antisemit. Wie geht die Stadt damit um?

Die Stadt Bayreuth verdankt dem Komponisten Richard Wagner die Festspiele und damit internationale Bekanntheit. Doch es gibt eine dunkle Seite – nämlich Wagners Antisemitismus. An den Schildern der Richard-Wagner-Straße wird deshalb künftig darauf aufmerksam gemacht: «Umstrittene Persönlichkeit aufgrund seiner antisemitischen Haltung», ist dort zu lesen. 

Ebenso wurde dieser Hinweis an den Straßenschildern angebracht, die an Wagners Witwe Cosima erinnern. Auch sie positionierte sich klar judenfeindlich und verfolgte eine antisemitische Besetzungspolitik bei den Festspielen.

Der Stadtrat hatte die entsprechenden Ergänzungsschilder beschlossen. Man sei zum Ergebnis gekommen, die Straßennamen nicht einfach zu tilgen, sondern zusätzliche Informationen zur Einordnung zur Verfügung stellen, sagte Bayreuths Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD).

Zusatzschilder auch für Hindenburg und Bismarck

Natürlich sei Wagner ein wichtiger Komponist, seine Musik begeistere heute noch weltweit, betonte der frühere Landtagsabgeordnete und langjährige Bayreuther Stadtrat Christoph Rabenstein (SPD). Auf der anderen Seite sei eben auch bekannt, dass Wagner Antisemit gewesen sei. 

Es geht bei den Ergänzungsschildern nicht nur um die Wagners – in Bayreuth gibt es beispielsweise noch eine Hindenburgstraße. Paul von Hindenburg (1847-1934), Reichspräsident in der Weimarer Republik, gilt vielen als «Steigbügelhalter» Adolf Hitlers. An seinem Straßenschild ist nun zu lesen: «Umstrittene Persönlichkeit, da er entscheidend den Aufstieg der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit zu verantworten hat.» 

Am Schild der Bismarckstraße wird künftig zu lesen sein: «Fürst Otto von Bismarck (1815-1898), Jurist, Botschafter in St. Petersburg und Paris, preußischer Ministerpräsident, Reichskanzler. Umstrittene Persönlichkeit aufgrund seiner problematischen Außen- und Kolonialpolitik.»

Richard Wagner (1813-1883) ließ in Bayreuth eigens ein Opernhaus errichten – vor 150 Jahren fanden dort die ersten Festspiele statt. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Cosima die Leitung des Festivals.

Quelle: dpa

 

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