Hollywood-Regisseur Roland Emmerich hat den von US-Präsident Donald Trump veranlassten Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses scharf kritisiert. «Bei den Bildern musste ich beinahe weinen», sagte Emmerich der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Der 70-Jährige, der in seinen Filmen selbst dreimal das Weiße Haus zerstörte, nannte den Abriss zugunsten eines geplanten Ballsaals einen schweren Verlust: «Im Grunde ist gerade das die wahre Katastrophe. Es war ja eine Katastrophe – eine politische.»
Auch die Größe des Bauvorhabens kritisierte er: «Und zu allem Überfluss ist der Ballsaal dann auch noch viel zu groß. Warum muss dieses Ding so groß sein? Wie heißt das deutsche Wort noch mal? Gigantomanisch.»
Hinter dem Umbau vermutet Emmerich weniger ein politisches Signal als eine private Entscheidung. «Melania hätte Nein sagen müssen», sagte er der Zeitung. «Der Ostflügel war das Reich der First Lady. Da hatten sie und ihr Stab alle ihre Büros. Wo sind die jetzt? Im Ostflügel war sogar der kleine Kinosaal des Weißen Hauses.» Auf die Frage, ob der Abriss eine Geste innerhalb der Ehe des Präsidentenpaars gewesen sei, antwortete Emmerich: «Wahrscheinlich war das eine absolut persönliche Angelegenheit. Und sie hat dazu wahrscheinlich nur gesagt: „Was soll’s. Mir ist es egal.“»
Gefragt nach seiner liebsten Zerstörungsszene nannte Emmerich nicht seinen Klassiker «Independence Day» von 1996, sondern den Katastrophenfilm «2012» aus dem Jahr 2009. «Die beste Szene ist die aus „2012“, weil sie am komplexesten ist», sagte er. «In „Independence Day“ ist es, ehrlich gesagt, ja so: Die Aliens kommen, brennen alles nieder und verschwinden wieder. Der Tsunami in „2012“ war eine viel raffiniertere Szene.» In dem Film wird das Weiße Haus von einer gewaltigen Flut überspült und von einem Flugzeugträger zermalmt.
Quelle: dpa