Neue Position

Regierung ernennt «Migrationsbotschafter» für Abschiebungen

14. Januar 2026 , 16:56 Uhr

Der Diplomat Ludwig Jung soll für die Regierung künftig Abschiebungen vorantreiben. In der SPD wird hinter die Entscheidung aber ein Fragezeichen gesetzt.

Die Bundesregierung hat einen Diplomaten zum «Migrationsbotschafter» ernannt, der sich vor allem um Abschiebungen und die Verlagerung von Asylverfahren in Drittstaaten kümmern soll. Ludwig Jung sei zuletzt beim Auswärtigen Amt tätig gewesen und werde seine neue Aufgabe im Bundesinnenministerium am kommenden Montag aufnehmen, sagte die Sprecherin des Ministeriums. Der Schwerpunkt seiner Arbeit werde darauf liegen, innovative Lösungen für die Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht in Nicht-EU-Staaten umzusetzen.

Die von der Ampel-Regierung Anfang 2023 geschaffene Position des Sonderbevollmächtigten für Migrationsabkommen war von der schwarz-roten Koalition gestrichen worden. Der Bevollmächtigte, Joachim Stamp, schied mit Ablauf seines Vertrags Ende 2025 aus. Der FDP-Politiker, dessen Aufgabe es war, die Rücknahmebereitschaft von Herkunftsländern zu erhöhen und gleichzeitig reguläre Arbeitsmigration zu fördern, zog eine positive Bilanz. In den zwei Jahren seien Migrationsabkommen mit fünf Ländern geschlossen worden: Marokko, Georgien, Usbekistan, Kenia und Kolumbien. Mit fünf weiteren seien die Gespräche weit vorangeschritten: Moldau, Kirgisistan, Irak, Philippinen und Ghana. 

Der SPD-Bundestagsabgeordnete, Hakan Demir, äußerte sich kritisch über die Aufgabenbeschreibung für den neuen Migrationsbotschafter. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur, Deutschland habe rund 22 Millionen Rentner, in den kommenden Jahren werde ihre Zahl weiter zunehmen. Da stelle sich die Frage: «Wer soll die Busse fahren? Wer arbeitet in den Krankenhäusern?» Migration bedeute auch Arbeitskräftemigration, Familienzusammenführung und Humanität. «Es erscheint nicht ganz sinnvoll, auf einen quasi Abschiebebotschafter zu setzen».

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

11.01.2026 Bund lehnt Länder-Vorstoß für Boarding-Ausweiskontrolle ab Während Ausweise von Fluggästen in Frankreich und Spanien beim Einsteigen kontrolliert werden, blockiert die Bundesregierung eine solche Verpflichtung bisher. Was dagegen spricht, verrät sie nicht. 04.01.2026 51 Prozent weniger Asylbewerber Weniger Asylbewerber, mehr Abschiebungen – bei der Migration zeigt sich zum Jahresstart die härtere Gangart der Regierung. In der Diskussion sind weitere Verschärfungen. 03.01.2026 Verstärkte Abschiebungen - Weitere Flüge nach Afghanistan Die Bundesregierung hatte Abschiebungen von Straftätern aus Afghanistan und Syrien angekündigt. Nun macht sie verstärkt ernst. 21.12.2025 Grenzkontrollen: Mehr als 1.500 Abgewiesene beantragten Asyl Nicht alle Ausländer, die an der Grenze zurückgewiesen werden, lassen sich entmutigen. Einige versuchen es noch einmal und ersuchen dann um Asyl.