Kriegswaffen

Prozess um geheimes Waffenarsenal in Remscheid beginnt

06. Juli 2026 , 04:00 Uhr

Nach dem Auffliegen eines der größten illegalen Waffenlager Deutschlands in Remscheid beginnt nun der Prozess in Wuppertal. Angeklagt sind drei Männer.

Es geht um Hunderte Schusswaffen samt 100.000 Schuss Munition: In Wuppertal beginnt heute der Prozess um ein enormes illegales Waffenlager im nordrhein-westfälischen Remscheid. Die Staatsanwaltschaft wirft drei Männern Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor.

Angeklagt sind ein 60-Jähriger sowie zwei Mitangeklagte im Alter von 38 und 35 Jahren. Laut Anklage hatte der 60-Jährige zahlreiche Kriegswaffen, Schusswaffen und Munition zum Verkauf gelagert.

Riesiges Waffenarsenal

Nach früheren Angaben wurden bei Durchsuchungen rund 300 scharfe Schusswaffen – darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, 11 Revolver und 13 Panzerabwehrwaffen – sowie fast 100.000 Schuss Munition entdeckt. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei um einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. 

Der 60-Jährige soll dem 38 Jahre alten Mitangeklagten insgesamt sechs Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft haben. Dieser habe die Waffen den Ermittlungen zufolge teilweise gemeinsam mit dem 35-Jährigen weiterverkauft. 

Waffen wurden verdeckten Ermittlern angeboten

Als verdeckt ermittelnden Polizisten Waffen zum Kauf angeboten wurden, kamen die Ermittlungen ins Rollen. Bei mehrtägigen Durchsuchungen ab dem 26. Oktober 2025 fanden Ermittler in einem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt zunächst eine umfangreiche Sammlung von Militaria und legalen Deko-Waffen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs in einer Art Privatmuseum. 

Doch dann stießen sie auf versteckte Nebenräume, die laut Staatsanwaltschaft durch Zwischenwände, verborgene Schließmechanismen und getarnte Türen abgeschirmt waren. «Dahinter waren dann die illegalen Sachen», sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. 

Teilgeständnis

Während die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Hauptangeklagte mit den Kriegswaffen in großem Stil gehandelt hat, bestritt der 60-Jährige dies gegenüber den Ermittlern: Ein Großteil der Waffen sei Teil seiner Privatsammlung, die er nicht verkaufen wollte. Er habe lediglich einzelne Exemplare weiterverkauft.

Auf der Autobahn 1 bei Remscheid erfolgte im vergangenen Jahr letztlich der Zugriff: Spezialkräfte stoppten den Wagen des 60-Jährigen. Bei mehrtägigen Durchsuchungen waren 200 Kräfte im Einsatz, die in seinem Haus auf immer mehr Waffen stießen.

Kriegswaffen hinter Geheimtüren, Munition im Türrahmen

Ein weiterer Geheimraum mit 29 Maschinengewehren und drei Panzerbüchsen wurde hinter einer weiteren Vitrine im Keller entdeckt, nachdem der Hauptbeschuldigte dessen Existenz verraten hatte. Zusätzlich fanden die Ermittler Munition im Hohlraum eines Türrahmens versteckt. 

Der Hauptangeklagte ist ein gelernter Kfz-Mechaniker mit Kenntnissen als Büchsenmacher. In einem Raum fanden die Ermittler eine Art Werkbank und Werkzeug, mit dem alte, entmilitarisierte Waffen eventuell wieder schussfähig gemacht worden sein könnten. 

Seine Verteidiger, der Remscheider Rechtsanwalt Bernhard Meiski und die Wuppertaler Anwältin Esther Kunz, wollten sich vor dem Prozess nicht zu den Anklagevorwürfen äußern. Bislang sind zehn Verhandlungstage bis Ende September vorgesehen. Für die Angeklagten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.

Quelle: dpa

 

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