Eichstätt

Finanzskandal im Bistum: Angeklagter zu krank für Prozess?

08. Januar 2026 , 11:07 Uhr

Die Ermittlungen um riskante Investments des Bistums Eichstätt dauerten Jahre, jetzt sollte der Skandal vor Gericht aufgearbeitet werden. Doch ein Angeklagter fehlt.

Weil einer der beiden Angeklagten im Prozess um den millionenschweren Finanzskandal im Bistum Eichstätt nicht zum ersten Verhandlungstag erschienen ist, hat der Staatsanwalt den Erlass eines Haftbefehls beantragt. Die Kammer des Landgerichts München II will aber vor einer Entscheidung zunächst prüfen, ob der Angeklagte tatsächlich wie vorgebracht aus gesundheitlichen Gründen verhandlungsunfähig ist. Sollte dies auch aus Sicht der Kammer nicht der Fall sein, könnte eine Zwangsvorführung angeordnet oder ein Haftbefehl erlassen werden. 

Auf diese Weise könnte sichergestellt werden, dass der Immobilienentwickler beim zweiten Verhandlungstermin in der kommenden Woche anwesend ist und das komplexe Verfahren nach mehrjährigen Ermittlungen beginnen kann. Im Mittelpunkt stehen spekulative Immobilieninvestitionen in den USA in Höhe von rund 60 Millionen US-Dollar (rund 51,3 Millionen Euro), die nicht wie geplant an das Bistum Eichstätt zurückgeflossen waren. 

Darlehen nicht ausreichend abgesichert 

Angeklagt sind der frühere stellvertretende Finanzdirektor des katholischen Bistums sowie ein in den USA tätiger Immobilienentwickler aus Deutschland. Dem Ex-Kirchenmitarbeiter werden Untreue und Bestechlichkeit vorgeworfen, weil er nicht oder nur unzureichend gesicherte Darlehen vergeben und dafür Beteiligungen und Bestechungsgelder angenommen haben soll. Dem Immobilienentwickler werden Untreue und Bestechung vorgeworfen, letzteres größtenteils kombiniert mit Anstiftung zur Untreue. 

Die Finanzaffäre war Anfang 2018 bekanntgeworden, nachdem Wirtschaftsprüfern im Auftrag des Bistums dubiose Darlehen an US-amerikanische Projektgesellschaften aufgefallen waren. Der zuständige Mitarbeiter wurde daraufhin entlassen; als ein fälliger Kredit nicht zurückgezahlt wurde, erstattete die Diözese Eichstätt Anzeige. Der Verteidiger des Mannes wies die Untreuevorwürfe bereits zurück und betonte, die Bistumsleitung selbst habe riskante Geldanlagen gefordert, um hohe Renditen zu erzielen. 

Das Gericht hat vorerst bis in den August hinein rund 60 Verhandlungstermine angesetzt. Die Diözese geht derweil davon aus, dass der Schaden für das Bistum mit weniger als 30 Millionen Dollar niedriger ausfallen wird als zunächst angenommen.

Quelle: dpa

 

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