Lesung in Magdeburg

Politik-Aktivist Semsrott in Magdeburg: «Bock zu kämpfen»

06. Juni 2026 , 13:51 Uhr

Nach Streit um Veranstaltungsort: Zwei ausverkaufte Lesungen von Arne Semsrott in Magdeburg, klare Worte und ein Appell für offene Räume und eine starke Zivilgesellschaft.

Der Autor und Politik-Aktivist Arne Semsrott hat die Sachsen-Anhalter mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl im September und dem Umfragehoch der AfD zur Offensive gegen «extreme Rechte» ermutigt. «Ich merke, dass die Leute on fire sind und das sie Bock haben, zu kämpfen», sagte er anlässlich einer Lesung in der Magdeburger Stadtbibliothek. «Die Zivilgesellschaft wird angegriffen, weil sie extremen Rechten im Weg ist. Es geht darum, sich nicht einschüchtern zu lassen.» 

150 Menschen hören Semsrott zu

In seinem neuen Buch «Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück» beschreibt er nach Verlagsangaben, wie sich Menschen zivilgesellschaftlich etwa mit strategischen Rechtskämpfen oder Volksentscheiden demokratisch engagieren können. Um die mit etwa 150 Zuschauerinnen und Zuschauern ausverkauften Lesung in der Zentralbibliothek war zuvor ein Streit entbrannt.

Nach der Absage vor mehr als zwei Wochen warf der gebürtige Hamburger der Stadt vor, dies aus Angst vor politischem Druck durch die AfD getan zu haben. Deutschlandfunk Kultur hatte er gesagt, er gehe «sehr stark davon aus», dass die Diskussion mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung zusammenhänge. Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) wies dies zurück und lud Semsrott zu einem Gespräch ein. An der daraufhin neu angesetzten Matinee in der Zentralbibliothek der Landeshauptstadt nahm Borris als Gast teil.

Aufruf zum Offenhalten von «Räumen»

«Es gab erst ein Einknicken und dann ein Einlenken», sagte der Politikwissenschaftler vor Beginn der Lesung. Er habe das alles ganz bewusst öffentlich gemacht. Das Gespräch mit Borris habe er «als Entschuldigung verstanden, auch wenn das Wort nicht gefallen ist». Semsrott hatte bereits am Freitagabend in einem Kulturzentrum gelesen, das als Ausweichort für die abgesagte Bibliotheksveranstaltung eingesprungen war. Auch diese Veranstaltung war den Angaben nach ausverkauft. Proteste gab es keine. 

«Wir sollten nicht still, sondern laut sein. Offene Räume müssen offen gehalten werden», sagte Sarah Thäger, Leiterin des Literaturhauses Magdeburg, das die Lesung gemeinsam mit der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und dem Verein Miteinander im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Und nu?!» organisiert hat. «Kultureinrichtungen vernetzen sich aktuell nicht nur, um sich Räume, sondern auch Begrifflichkeiten zurückzuholen», so Thäger.

Semsrott zufolge stehen in den kommenden Wochen weitere Lesetermine in Sachsen-Anhalt an, etwa in Stendal, Zerbst und Halberstadt.

Quelle: dpa

 

Das könnte Dich auch interessieren

19.05.2026 Fehler an vielen Stellen – Was folgt aus Magdeburg-Anschlag? Betonblöcke am falschen Platz, Warnungen ignoriert: Wie Behördenversagen und Fehler den Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt begünstigten – und welche Schritte nun eingeleitet werden könnten. 05.06.2026 Literatur und KI - schreibt die Maschine jetzt schon besser? Nobelpreisträgerin Tokarczuk hat gesagt, dass ihr KI beim Schreiben hilft - es hagelte Proteste. Dabei ist die Denkmaschine aus der Literatur schon nicht mehr wegzudenken. Sie kann sogar dichten. 02.06.2026 Länder wollen Gesetz zur Selbstbestimmung nachschärfen Nach dem Fall Liebich fordern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schärfere Regeln, um einen Missbrauch des Selbstbestimmungsrechts zu verhindern. Welche Änderungen stehen im Raum? 01.06.2026 Gericht ordnet Auslieferung von Neonazi Liebich an Liebich soll in nächster Zeit an die deutschen Behörden übergeben werden. Wie die Rechtsextremistin das nach der Entscheidung des Landgerichts Pilsen noch verhindern könnte.