Radsport

Solosieg und Sturzmitleid: Pogacar-Show in den Pyrenäen

09. Juli 2026 , 18:29 Uhr

Die erste echte Berg-Herausforderung bei der Tour hat es in sich. Ausnahmefahrer Pogacar zeigt mal wieder seine Klasse. Der Konkurrent im Gelben Trikot stürzt auf der Abfahrt vom legendären Tourmalet.

Nach seinem famosen Solo-Sieg und den Denkzetteln für die Konkurrenz dachte Rad-Superstar Tadej Pogacar an seinen Vorgänger im Gelben Trikot. «Ich habe gehört, dass Torstein gestürzt ist. Ich hoffe, dass es ihm gut geht. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte das Trikot behalten», sagte er.

So gönnerhaft gibt sich der langjährige Tour-Dominator freilich nur am Mikrofon. Auf dem Rad nahm Pogacar bei seiner atemberaubenden Pyrenäen-Show nicht nur dem Überraschungs-Führenden Torstein Traeen das gelbe Leibchen wieder ab. Er demoralisierte auch seine direkten Rivalen. Als diese noch haderten, wurde Pogacar bei der Siegerehrung vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron beklatscht. Die beiden Männer hielt einen kleinen Plausch.

Pogacar ist wieder der klare Spitzenreiter der 113. Tour de France – und das schon nach der sechsten Etappe. Der Weltmeister siegte bei der Bergankunft nach der ersten Hochgebirgsetappe und samt souveräner Überquerung des ikonischen Col du Tourmalet nach 186,2 Kilometern zwischen Pau und Gavarnie-Gédre mit 2:38 Minuten Vorsprung auf seinen Dauerrivalen Jonas Vingegaard. Teamkollege Isaac del Toro wurde Dritter. 

Pogacar: Einer der «süßesten» Siege

Nachdem Pogacar mit Blick auf das spektakuläre Bergpanorama den Schlussanstieg hochgeprescht war, riss er im Zielbereich beide Arme in die Höhe und verneigte sich. Der überraschend zwei Tage in Gelb fahrende Traeen konnte schon viel früher nicht mehr folgen. Zu allem Übel stürzte der Norweger bei einer Abfahrt und musste behandelt werden. Er konnte aber weiterfahren.

«Ein unglaublicher Sieg, einer der süßesten», sagte Pogacar nach dem Rennen. Er gehöre zu den Top fünf bei seinen Auftritten an der Frankreich-Rundfahrt. «Es ging mir nicht um Sekunden in den Gedanken», sagte er hinsichtlich des vergrößerten Abstands. «Ich wollte einfach voll durchfahren.»

Lipowitz Sechster

Der deutsche Star Florian Lipowitz wurde Tages-Sechster und konnte zeigen, dass er bei langen Anstiegen im Vergleich zu Teamkollege Remco Evenepoel stärker ist. Evenepoel schloss allerdings später auf und kam als Vierter vor Lipowitz ins Ziel. Die Zusammenarbeit mit dem belgischen Olympiasieger habe gut geklappt, sagte er. «Ich glaube, wir können zuversichtlich sein», meinte er. 

«Ich denke, ich kann ganz happy sein», sagte Lipowitz. Der Blick des 25-Jährigen richtet sich nicht in Richtung Pogacar. Dieser fahre einfach in einer anderen Liga. «Bei der Performance kann man nicht viel machen. Ich denke, wir müssen jetzt um Platz drei fahren. Jonas war halt auch super stark.» Der Kampf werde «super hart». 

Lipowitz musste beobachten, wie der 27 Jahre alte Pogacar alle seine direkten Konkurrenten mit einer explosiven Attacke knapp 45 Kilometer vor dem Ziel am Tourmalet und einer langen Solo-Fahrt abwatschte.

In der Gesamtwertung liegt Pogacar 2:42 Minuten vor dem Dänen Vingegaard. Auf dem dritten Rang steht nun der Mexikaner del Toro mit einem Abstand von 3:27 Minuten auf Pogacar. Lipowitz verbesserte sich vom elften auf den siebten Rang – genau vier Minuten hinter Pogacar. 

Sprinter am Freitag gefordert

Die Radprofis hatten mit dem Col d’Aspin auf 1489 Metern und dem Tourmalet – einem Anstieg der höchsten Kategorie mit durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung auf 17,1 Kilometern – zwei anspruchsvolle Herausforderungen zu meistern. «Mit über 4000 Höhenmeter ist die Etappe natürlich ein Brett», sagte Pogacar-Kollege Nils Politt der ARD. Sein Kapitän war offensichtlich nicht beeindruckt.

Am Freitag sind wieder die Sprinter unter den Tour-Profis gefragt. Von Hagetmau fährt das Fahrerfeld 175,1 Kilometer über die flache Strecke in die Weinmetropole Bordeaux. Es werden mit bis zu 40 Grad wieder extreme Temperaturen erwartet.

Quelle: dpa

 

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