Brauchtum

Nur alle sieben Jahre: Schäfflertanz in München

07. Februar 2026 , 13:48 Uhr

Ein seltenes Spektakel ist in dieser Faschingssaison in München und Umgebung zu erleben: Die Schäffler zeigen ihren berühmten Tanz. Was hat es damit auf sich?

In Zeiten der Pest ist der Schäfflertanz in München als Aufheiterung für die Bevölkerung gedacht gewesen. Nun, die Pest wütet aktuell nicht, eine künstlerische Aufheiterung angesichts schwieriger Zeiten kam dennoch gut an: Die Schäffler führten am Mittag auf dem Münchner Marienplatz ihren berühmten Tanz auf, bei schönem Wetter und vor vielen Schaulustigen. Ein besonderes Ereignis, denn Schäfflertanz-Saison ist nur alle sieben Jahre.

Warum nicht öfter? Hierzu gibt es nach Angaben der Stadt eine Vielzahl an Vermutungen, etwa, dass die Pest alle sieben Jahre wiederkehrte, dass die Sieben als Glückszahl galt, dass die Zünfte einen bestimmten Zeitplan für ihre Bräuche hatten oder auch schlichtweg, weil Herzog Wilhelm IV. dies so anordnete. Die mehr als 500 Jahre alte Tradition wird seit 1871 vom Fachverein der Schäffler am Leben erhalten.

Die Schäffler – Fassmacher – tragen bei ihren Auftritten rote Jacken, grüne Kappen, schwarze Kniebundhosen sowie schwarze Lederschuhe. Bereits seit dem Dreikönigstag ziehen sie in diesem Jahr durch München und das Umland, sie treten in Schulen, bei Firmenfesten und Faschingsbällen auf. Dabei bringen sie es nach städtischen Angaben auf rund 450 Auftritte pro Saison. Mit den Faschingstagen beginnt die heiße Phase.

Einst ein Privileg der Fassmacher

Ursprünglich durften nur Fassmacher tanzen. Weil das Handwerk jedoch abnimmt und es nicht mehr genügend Fassmacher gibt, dürfen inzwischen auch Handwerker anderer Fachrichtungen mitmachen.

Der Tanz beginnt und endet mit dem Bayrischen Defiliermarsch. Der Mittelteil besteht aus einer Vielzahl an Figuren, zu denen sich die Schäffler im Kreis drehen und Formationen wie Laube, Kreuz, Schlange und Krone präsentieren. Chargen und Kasperl unterhalten die Gäste mit Einlagen. Ein Auftritt einer Gruppe von 25 Schäfflern und zehn Musikanten dauert 25 bis 30 Minuten.

Ursprung im Jahr 1517

Der Ursprung reicht in das Jahr 1517 zurück. Damals soll ein Schäffler angesichts eines erneuten Pest-Ausbruches beschlossen haben, die überlebenden Menschen mit einem Tanz zu erheitern. Der erste Beleg für die daraus entstandene Tradition datiert aus dem Jahr 1702.

Eine Ausnahme des siebenjährigen Turnus gab es im Mai 2022. Weil damals die Corona-Pandemie das öffentliche Leben lahmlegte, entschieden die Schäffler der Stadt zufolge, mit 20 Tanzdarbietungen ein positives Zeichen zu setzen.

Der letzte Tanz 2026

Wer die Darbietungen bisher verpasst hat, hat bis zum 17. Februar noch mehrmals die Chance, die Schäffler tanzen zu sehen. Aufführungen sind zum Beispiel am Montag, 9. Februar, auf dem Viktualienmarkt (16.00 Uhr) und dem Königsplatz (17.00 Uhr) in München vorgesehen, am Mittwoch, 11. Februar, auf dem Odeonsplatz (17.00 Uhr) oder am Sonntag, 15. Februar, auf dem Viktualienmarkt (16.00 Uhr). Der letzte Tanz der Saison ist am Faschingsdienstag, an der Neuhauser Straße 27 vorgesehen (21.00 Uhr).

Quelle: dpa

 

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