Diplomatie

Nicaragua bricht diplomatische Beziehungen zu Italien ab

17. Juli 2026 , 00:58 Uhr

Rom fordert die Auslieferung eines verurteilten Ex-Mitglieds der Roten Brigaden. Der Mann soll 1978 an der Ermordung von Aldo Moro beteiligt gewesen sein. Nicaragua reagiert empört.

Nicaraguas autoritäre Regierung hat die diplomatischen Beziehungen zu Italien abgebrochen, nachdem der italienische Außenminister Antonio Tajani ihr vorgeworfen hatte, ein ehemaliges Mitglied der Terrorgruppe Rote Brigaden zu schützen. Die Entscheidung Nicaraguas sei die Folge der «ungerechtfertigten, aggressiven und unverantwortlichen Äußerungen» Tajanis, erklärte das Außenministerium des mittelamerikanischen Landes.

Bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei in Madrid hatte Tajani Nicaragua zur Auslieferung von Alessio Casimirri aufgefordert. Als Mitglied der Brigate Rosse soll er 1978 an der Ermordung des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro beteiligt gewesen sein. Seit 1983 lebt Casimirri in Nicaragua, wo er die nicaraguanische Staatsbürgerschaft erhalten hat. In Italien wurde er zu sechs lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Rom äußert sich: Opfer des Terrorismus werden nicht vergessen

Italiens Außenministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass Nicaragua Rom über seine Absicht informiert habe, die diplomatischen Beziehungen zu beenden. Dazu erklärte Rom: «Die italienische Regierung hat die Opfer des Terrorismus nicht vergessen und fordert weiterhin, dass die Verantwortlichen für die schwersten Verbrechen gegen den Staat und die italienischen Bürger zur Rechenschaft gezogen werden.» Dies gelte auch für Casimirri.

Moro, damaliger Vorsitzender der italienischen Christdemokraten, wurde im März 1978 von einem Kommando der Roten Brigaden in Rom verschleppt. Dabei wurden fünf seiner Leibwächter erschossen. 55 Tage später fand man seine Leiche in einem Auto in Rom. Viele zogen damals Parallelen zu den Taten der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) in Deutschland.

Quelle: dpa

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