Neu im Kino

Neuer Film von Schanelec: Poetisches von der Baustelle

11. Juni 2026 , 07:00 Uhr

Sie gehört zu den eigenwilligsten Regisseurinnen Deutschlands: Für Angela Schanelecs neuen Film muss man meditative Ruhe mitbringen. Der Dreh wäre ohne eine Sache kaum möglich gewesen.

Wer Filme von Angela Schanelec (64) sehen will, braucht Geduld – das merkt man schon in den ersten Minuten. Da sieht man also einen Mann mit einer Warnweste vor einer weißen Wand sitzen. Und die Kamera hält acht Minuten lang drauf. Rund vier Monate nach der Weltpremiere bei der Berlinale kommt der Film «Meine Frau weint» nun ins Kino.

Die Filmemacherin Schanelec («Der traumhafte Weg», «Music», «Ich war zuhause, aber…») ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der Berliner Schule. Die zeichnet sich durch spröde Erzählweisen, minimalistisches Schauspiel und den Verzicht auf Effekthascherei aus.

Ihr neuer Film beginnt auf einer Baustelle. Kranführer Thomas wird von seiner Frau angerufen, die nach einem Autounfall im Krankenhaus ist. Das klingt erst einmal handfest. Aber Schanelec macht daraus wie schon in früheren Filmen Szenen, die künstlich wirken und darüber zum Nachdenken anregen.

«Eine Baustelle bei mir um die Ecke am Ku’damm»

In klaren Bildern, meist mit starrer Kamera gefilmt, beobachtet die Autorin und Regisseurin den Alltag der Figuren. Dabei beleuchtet sie insbesondere die stockende, oft holprige, meist hilflose Kommunikation – beziehungsweise die Unfähigkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der streng komponierte Film wirkt rätselhaft, seine Ruhe teils erdrückend. Es gibt eine wunderschöne Tanzszene zu Leonard Cohens «Lover Lover Lover». Den Anstoß zum Film lieferte eine Alltagsbeobachtung, wie Schanelec bei der Berlinale erzählte. «Eine Baustelle bei mir um die Ecke am Ku’damm.»

Manche finden ihre Filme spröde und künstlich, andere besonders und poetisch. Schanelec hat bereits zwei Silberne Bären gewonnen und erzählte auf der Berlinale, dass die Finanzierung der Filme schwerer geworden sei. Sie habe keine Ahnung, wie sie ihr nächstes Projekt finanziert bekomme. Ohne die Bären, sagte sie, «hätte überhaupt nichts mehr funktioniert».

Quelle: dpa

 

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