Der Skandal um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei den Fallschirmjägern soll bis Anfang April weitgehend aufgearbeitet sein. Internes Ziel sei dafür in etwa Ostern, Beginn des zweiten Quartals, sagte der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne im bayerischen Altenstadt. Da derzeit noch Mobiltelefone und andere mobile Endgeräte forensisch untersucht würden, könne er schwer abzuschätzen, «wie lange der endgültige Abschluss dauern wird und ob es noch weitere Konsequenzen geben wird».
Im Zuge der Aufarbeitung des Skandals im Fallschirmjägerregiment 26 im rheinland-pfälzischen Zweibrücken seien inzwischen zehn Entlassungen umgesetzt worden, betonte Freuding. Bei 19 Soldaten habe es schon relativ zu Beginn der Ermittlungen ein so klares Bild gegeben, dass man die Entlassung beantragt habe. Systemische Ursachen sehe er nicht. «Das sind individuelle Verfehlungen, die individuell auch geahndet werden.» Auch einen generellen Imageschaden für die Bundeswehr sehe er nicht. Aber jeder einzelne Vorfall sei auch für ihn persönlich «wirklich schmerzlich».
Als Konsequenz aus dem Skandal in der Luftlandestruppe gilt ab sofort ein Aktionsplan für die Stärkung von Führungskultur und Dienstaufsicht. Das Maßnahmenpaket umfasst vier Handlungsfelder, darunter Beobachtungsbesuche, strukturelle Maßnahmen, verstärkte Prävention und Resilienz sowie Änderungen bei den militärischen Werdegängen.
Zu engmaschigen Kontrollen gegen Drogenmissbrauch sagte Freuding: «Wir werden sicherlich nach der Vielzahl von Vorgängen da ein besonderes Augenmerk darauf legen und auch hier wieder: Prävention muss im Vordergrund stehen.»
In der Luftlandebrigade 1 sei im Jahr 2025 eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Verstößen gegen Grundsätze der Inneren Führung bekanntgeworden, darunter teils schwerwiegende Dienstvergehen und Wehrstraftaten, heißt es in dem Aktionsplan, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Taten seien durch Angehörige verschiedener Laufbahnen begangen wurden.
«Sexualisiertes Fehlverhalten, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, extremistische Verhaltensweisen sowie eine in Teilen toxische militärische Gemeinschaft haben keinen Platz in der Bundeswehr und in unserem Heer», schreibt Freuding in seinem Papier. Auf Nachfrage erklärte er, solche Vorfälle beschädigten die Kameradschaft, die Einsatzbereitschaft, den inneren Zusammenhalt und die Wertebindung.
Das Heer brauche Fallschirmjäger, «die bereit sind, als Erstes zu gehen, die bereit sind zum Kampf, die ins Gefecht springen, die sich durchsetzen und die gewinnen». Nur so könnten sie ihren Beitrag dazu leisten, «dass wir erfolgreich abschrecken, um Frieden und Freiheit zu wahren».
Ende des Jahres soll es eine umfassende Überprüfung der Maßnahmen geben. Bis dahin soll es mindestens quartalsweise ein «Jour Fixe Luftlandetruppe» der militärischen Führung geben.
Die Vorfälle bei den Fallschirmjägern waren durch Eingaben bei der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) bekannt geworden. Nach dem Stand der Untersuchung werde von 55 Beschuldigten im Fallschirmjägerregiment 26 ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Soldaten.
In seinem Aktionsplan weist der Heeresinspekteur auch auf die Bedeutung der Luftlandebrigade 1 hin. «Sie ist der am schnellsten verfügbare Großverband der Bundeswehr für krisenhafte Entwicklungen im Ausland. Mögliche Einsatzszenarien sind vielfältig und reichen von einer schnellen Anfangsoperation oder einer Operation gegen irreguläre Kräfte über militärische Evakuierungsoperationen bis hin zu einer Operation in der Tiefe», heißt es.
Gleichzeitig stehe die Brigade für humanitäre Einsätze nach Naturkatastrophen, für Stabilisierungsoperationen oder Operationen hoher Intensität im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung bereit.
Quelle: dpa