Drittes Reich

Neue Schau zu NS-Reichsparteitagen als Antwort auf KI-Fakes

21. Mai 2026 , 14:30 Uhr

Die Ausstellung macht NS-Geschichte greifbar – und zeigt, wie man Fakten von Fälschungen unterscheidet. Warum das gerade jetzt wichtig ist.

Hunderte Exponate, interaktive Elemente und eine Antwort auf historische Fälschungen durch KI im Internet – nach fünf Jahren Umbau öffnet das Nürnberger Dokumentationszentrum seine neue Ausstellung zum ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände. Diese ist mit 1.600 Quadratmetern nicht nur deutlich größer, sondern schlägt auch ein neues Kapitel auf. 

Am Freitag startet die Schau deshalb zunächst im Probebetrieb, offizielle Eröffnung ist im November. Bis dahin will das Team die Technik und die neuen – auch inklusiven – Vermittlungsformate zusammen mit den Besucherinnen und Besuchern testen. 

Bezug zu heute

Anhand von 500 Original-Dokumenten, 250 Objekten und visuellen Elementen erzähle die Ausstellung die Geschichte und Bedeutung des Reichsparteitagsgeländes – und fordere die Besucherinnen und Besucher immer wieder auf, einen thematischen Bezug zu heute herzustellen, sagte Leiter Imanuel Baumann. Ein großes Kapitel widme sich erstmals der Rolle des Geländes während des Zweiten Weltkriegs mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Zwangsarbeit und Deportation. 

Ein Spaten vom Reichsarbeitsdienst, ein hölzerner Reichsadler, Scheinwerfer von der Zeppelintribüne und NS-Fahnen machen greifbar, wie die Nationalsozialisten das riesige Areal im Südosten der Stadt für ihre Machtdemonstration benutzten. Es ist das erste Mal, dass das Dokzentrum Baumann zufolge mit Objekten arbeitet. 

Den Kuratorinnen war dabei besonders wichtig, diese so zur Schau zu stellen, dass sie nicht wie NS-Devotionalien wirken. Die Fahnen etwa sind gefaltet, der Adler in Einzelteilen in die Vitrine gezwängt. 

Schau zeigt Umgang mit Quellen

Neu sei, dass die Ausstellung ihre historischen Quellen und den Umgang damit offenlege, sagte Kuratorin Melanie Wager. Bei jedem Foto oder Dokument fänden die Besucherinnen und Besucher einen Hinweis, wo das Original herkomme. Mit Hilfe von Markierungen und Lupen werde veranschaulicht, welche Informationen sich etwa aus Fotos zur Machtübernahme der Nazis in Nürnberg oder der Deportation von Juden gewinnen ließen. 

«Dadurch wollen wir zeigen: Museen sind Orte des Vertrauens», sagte Baumann. Im Gegensatz zum Internet, wo viele gefälschte historische Dokumente, Bilder oder Videos im Umlauf seien. «Dadurch entsteht eine enorme Verunsicherung der Menschen, die das entweder glauben oder grundsätzlich an geschichtlichen Erzählungen zweifeln.»

Reichsparteitagsgelände wirkt noch heute

Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ihre mehrtägigen Parteitage in Nürnberg. Etwa eine Million Menschen kamen dafür laut Wager in die Stadt – als Zuschauer oder Teilnehmer der Aufmärsche, Paraden und Appelle. Als Kulisse diente das elf Quadratkilometer große Areal, das aber eine Großbaustelle blieb. Das Zeppelinfeld und die Haupttribüne sind die einzigen Bauten, die fertiggestellt wurden und noch heute erhalten sind.

Rund 300.000 Menschen aus aller Welt kommen nach Angaben der Stadt jährlich, um sich dort über die NS-Vergangenheit zu informieren. Da kaum noch Zeitzeugen leben, gewinnen die steinernen Zeugnisse des Größenwahns der Nazis an Bedeutung. 

Deshalb möchte die Stadt das Gelände bis Ende 2030 zu einem Lernort ausbauen und die maroden Bauten instand setzen. Im Inneren der Zeppelintribüne soll unter anderem eine Ausstellung und im von den Nazis genutzten Bahnhof Dutzendteich ein Besucherzentrum entstehen. 

Mit insgesamt 127,5 Millionen Euro werden Bund und Land das Vorhaben auf dem Zeppelinfeld und an der Kongresshalle fördern, die zu einem Kulturort mit Ateliers, Ausstellungsräumen und einer Ersatzspielstätte für Staatstheater werden soll. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und Bayerns Ministerpräsident werden die Förderbescheide am Freitag symbolisch übergeben.

Quelle: dpa

 

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