Naturschützer und Betreiber haben sich im Streit um den Bau eines neuen Sessellifts im Allgäu geeinigt. Die Oberstdorf Kleinwalsertal (OK) Bergbahnen verpflichten sich durch den Vergleich zu weiteren Schutzmaßnahmen für bedrohte Tierarten im betroffenen Gebiet, teilten die OK Bergbahnen und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern mit. Dafür kann die Scheidtobelbahn am Fellhorn bei Oberstdorf noch in der laufenden Saison gebaut werden. Sie soll schon im kommenden Winter in Betrieb gehen.
Zuvor hatten die Naturschützer vor Gericht einen Teilsieg im Streit um die Seilbahn errungen: Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte in einem Eilverfahren den Neubau gestoppt. Der Liftbetreiber kündigte daraufhin an, zügig eine von den Naturschützern eingeforderte Umweltprüfung des Projekts nachholen zu wollen. Die Entscheidung in der Hauptsache stand aber noch aus. Mit dem Vergleich nehmen die Naturschützer ihre Klagen zurück.
«Die Einigung bedeutet nicht, dass der LBV nachträglich sämtlichen Eingriffen zustimmt», sagte Geschäftsführer Helmut Beran. «Unsere grundsätzlichen fachlichen Bedenken sind berechtigt.» Aber der Vergleich bringe mehr Schutz für Tiere wie Birkhuhn, Alpenmosaikjungfer, Zitronenzeisig und Waldbirkenmaus.
Unter anderem sieht der Vergleich demnach vor, dass als Rückzugsraum für das bedrohte Birkhuhn rund 2,4 Hektar Fläche für Wintersportler gesperrt werden. Für die Alpenmosaikjungfer, eine bedrohte Libellenart, soll ein Fünf-Jahresplan zum Schutz in dem Areal erarbeitet werden. Der Liftbetreiber soll zudem unter anderem Wasserstellen schaffen, um seltenen alpinen Arten zu helfen.
Der Geschäftsführer der OK Bergbahnen, Andreas Gapp, sagte, die Einigung bedeute für den Liftbetreiber zwar zusätzliche Kosten. «Andererseits beenden wir einen Streit, der den Abschluss der Bauarbeiten zumindest für diese Saison verhindert hätte», sagte Gapp. «In Summe ist mit dieser Lösung der Region und dem Naturschutz gedient.»
Die Scheidtobelbahn hatte schon vor dem Gerichtsstreit über die Region hinaus für Diskussionen gesorgt. Hintergrund ist, dass der Sessellift das erste Projekt ist, das nach dem umstrittenen dritten bayerischen Modernisierungsgesetz genehmigt wurde. Mit dem neuen Gesetz möchte die Staatsregierung Bürokratie abbauen. Dadurch sind aber bei gewissen Bauvorhaben keine Umweltverträglichkeitsprüfungen mehr vorgesehen. Entsprechend hatte das Landratsamt Oberallgäu bei dem Projekt auf die Prüfung verzichtet.
LBV-Geschäftsführer Beran betonte, auf dem Weg zu einem Vergleich seien für die Naturschützer konkrete Vorgaben wichtig gewesen: «Es gibt konkrete Flächen, ein belastbares Monitoring und eine Arbeitsgruppe, in der wir die Umsetzung ebenfalls kontinuierlich fachlich begleiten.»
Die Gespräche beider Seiten hatte der Oberallgäuer Landrat Christian Wilhelm begleitet. Es sei wichtig gewesen, «einen Weg zu finden, der dem Naturschutz nützt und gleichzeitig Planungssicherheit für ein Vorhaben schafft, an dem Hunderte Arbeitsplätze in der Region hängen», sagte der Freie-Wähler-Politiker. «Dass diese Einigung ohne Instanzenzug gelungen ist, ist ein gutes Signal für den Umgang miteinander im Oberallgäu – weit über dieses Verfahren hinaus.»
Quelle: dpa