Streit am Morgen

Nach Messerangriff in Würzburg keine Hinweise auf Psychose

28. Februar 2026 , 10:10 Uhr

Nach einem Messerangriff am Würzburger Hauptbahnhof gibt es keine Hinweise auf dauerhaften Drogenkonsum beim Verdächtigen. Er selbst trägt bisher nichts dazu bei, die Tat aufzuklären.

Nach dem Messerangriff auf drei Männer an einem Stand der Zeugen Jehovas in Würzburg gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass der Verdächtige bei der Tat berauscht war oder im Wahn gehandelt hat. «Es liegen bislang keine Erkenntnisse dahingehend vor, dass der Beschuldigte drogenabhängig wäre oder dass eine drogeninduzierte Psychose vorgelegen haben könnte», teilte die Staatsanwaltschaft Würzburg mit. 

Eine drogeninduzierte Psychose ist eine psychische Störung, bei der jemand durch den Konsum von Drogen vorübergehend den Bezug zur Realität verliert. Halluzinationen und Wahnvorstellungen sind typische Symptome.

Ob der 35-Jährige psychisch krank ist, sei unklar. Vorbestraft sei er nicht, allerdings läge ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung gegen den Mann vor. Warum er die Menschen attackierte, ist bisher unbekannt. «Der Beschuldigte hat sich bislang nicht zur Sache eingelassen», so die Staatsanwaltschaft.

Passanten stoppten Angreifer

Der Flüchtling hatte am Montagmorgen im Würzburger Hauptbahnhof drei ihm offensichtlich unbekannte Männer mit einem Messer angegriffen. Die Opfer im Alter von 51, 55 und 68 Jahren wurden in dem Gerangel leicht verletzt. Sie erlitten jedoch keine Stich- oder Schnittverletzungen, wie die Polizei mitteilte. Passanten, darunter ein Polizist in Zivil, hatten den Angreifer überwältigt. Er wurde festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes und versuchter gefährlicher Körperverletzung. 

Verdächtiger seit 2023 in Deutschland

Der Afghane lebt laut Staatsanwaltschaft seit 2023 in Deutschland. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden. Der 35-Jährige verfüge jedoch über eine Duldung.

Der Ausländer- und Integrationsbeirat der Stadt zeigte sich nach der Tat schockiert. Die Vorsitzende Colette Steder bedauerte einer Mitteilung zufolge, dass das Leben der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen nun erschüttert sei und das Sicherheitsgefühl an Orten wie dem Hauptbahnhof einschränkt. 

Der Hauptbahnhof gilt seit langem als Kriminalitätshotspot in der Mainstadt. Seit etwa zweieinhalb Jahren gibt es deswegen eine dauerhafte Videoanlage am Vorplatz und am nahen Barbarossaplatz, wo im Juni 2021 ein psychisch kranker Somalier drei Menschen tötete und neun verletzte. Im Vergleich zum Rest des Stadtgebiets gibt es an beiden Orten laut Polizei überproportional viele Delikte.

Gezielte Attacke auf Zeugen Jehovas?

Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Gemeinschaft mit eigener Bibel-Auslegung. Die Anhänger glauben an Jehova als «allmächtigen Gott und Schöpfer» und sollen sich strengen Vorschriften unterwerfen. Sie sind davon überzeugt, dass eine neue Welt bevorsteht und sie als auserwählte Gemeinde gerettet werden.

Die streng organisierte Gruppe wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Geschäftsmann Charles Taze Russell (1852-1916) in den USA gegründet und finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unter dem Nazi-Regime war die Glaubensgemeinschaft verboten und wurde verfolgt. Weltweit haben die Zeugen Jehovas etwa acht Millionen Mitglieder. Ob die Männer am Stand der Gemeinschaft in Würzburg gezielt attackiert wurden, muss noch ermittelt werden.

Amoklauf bei Zeugen Jehovas in Hamburg

Am 9. März 2023 hatte ein Mann nach einer Gemeindeversammlung der Zeugen Jehovas in Hamburg-Alsterdorf mit einer halbautomatischen Pistole sieben Menschen und schließlich auch sich selbst getötet. Der Amoktäter war ein ehemaliges Mitglied der Gemeinde. Der aus Memmingen stammende 35-Jährige war nach Angaben seines Vaters 2019 psychisch erkrankt. Die Motive des Schützen konnten nicht abschließend geklärt werden.

Quelle: dpa

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