Mit einem kuriosen Punkt im Doppel haben Deutschlands Tennisspieler auf dem angestrebten Weg zum ersten Davis-Cup-Triumph seit 33 Jahren die erste Pflichtaufgabe vorzeitig gemeistert. Außenseiter Peru war in Düsseldorf gut zwei Monate nach dem enttäuschenden Halbfinal-Aus kein ernsthafter Prüfstein für die routinierte DTB-Auswahl, die das Fehlen von Spitzenspieler Alexander Zverev locker verkraften konnte.
Kevin Krawietz und Tim Pütz sicherten mit dem 6:0, 2:6, 6:4 gegen die anfangs überforderten Ignacio Buse und Arklon Huertas del Pino den notwendigen dritten Sieg zum Einzug in die zweite Qualifikationsrunde.
Damit spielt die Truppe des Deutschen Tennis Bunds Mitte September gegen Kroatien um die erneute Teilnahme an der Finalrunde. Das deutsche Team wird erneut Heimrecht haben, über den Austragungsort ist noch nicht entschieden. Erst zum Saisonabschluss im November steht dann für die besten acht Nationen in Bologna die Trophäe auf dem Spiel.
Angesichts der Demontage zu Beginn kam im Doppel mit dem überraschenden Satzverlust vor rund 3.000 Zuschauern in ausverkaufter Halle plötzlich Spannung auf. «Ich glaube, die Peruaner haben angetäuscht im ersten Satz und haben dann ordentlich gespielt. Dann war es hinten raus angespannt, eng. Gut, dass wir es hinten raus gewonnen haben», bilanzierte Pütz.
Mit nur drei abgegebenen Punkten hatten die US-Open-Finalisten von 2024 im ersten Abschnitt ihre Gegner überrollt. Selbst bei einer Höchststrafe ist eine solche Dominanz eine Seltenheit. «So einen ersten Satz hatten wir noch nie glaub ich. Es lief alles butterweich», meinte Krawietz. Aus dem Nichts verlor das Duo gegen die stärker werden Außenseiter jedoch die Kontrolle. Auch im dritten Satz mussten Krawietz/Pütz nach dem Break im ersten Spiel enge Situationen überstehen, ehe der vierte Matchball die Entscheidung brachte.
Jan-Lennard Struff und Yannick Hanfmann hatten am Freitag ihre Einzel souverän für sich entschieden. So steuerte jeder der vier Ü30-Spieler im Team einen Punkt zum Gesamtsieg bei. Hanfmann (34), Struff (35), Krawietz (34) und Pütz (38) haben die 30 Jahre allesamt deutlich überschritten.
Allein Justin Engel sprengte den Altersschnitt. Der Teenager profitierte von den Erfolgen seiner Teamkollegen und durfte als Ersatzmann die für den Gesamterfolg bedeutungslose vierte Partie bestreiten. Mit dem 6:3, 6:7 (4:7), 10:6 gegen Gonzalo Bueno setzte der 18-Jährige den Schlusspunkt zum 4:0-Endstand. Auch bei seinem Davis-Cup-Debüt im vergangenen September in Japan hatte die Nachwuchshoffnung einen Sieg geholt.
«Natürlich, keine Frage, um den Davis Cup zu gewinnen, brauchen wir wahrscheinlich Sascha Zverev», hatte Hanfmann nach seinem ungefährdeten Zweisatzsieg gesagt. «Aber trotzdem haben wir echt immer gezeigt, dass wir den Davis Cup gut spielen, dass der Ü30-Verein auch funktioniert.» Der bisher letzte von drei deutschen Davis-Cup-Siegen gelang 1993 – in Düsseldorf gegen Australien.
Engel sticht aus einer Gruppe hoffnungsvoller Teenager-Talente hervor und bringt frischen Wind in die Einheit. Talente gebe es genügend, meinte Teamchef Michael Kohlmann und dachte an Spieler wie Max Schönhaus (18), Niels McDonald (18) und Diego Dedura (17).
«Die müssen halt auch die nächsten Schritte machen. Am Ende des Tages geht es für uns immer an erster Stelle um den Sieg, deswegen muss ich die Besten aufstellen», sagte der einstige Profi. «Klar würde ich mir wünschen, dass ich hier mit einem Durchschnittsalter von 19 auftrete, aber so weit sind sie noch nicht.» Doch die Routiniers erfüllten die Pflicht.
Quelle: dpa