Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat der mutmaßliche Anführer der Kidnapper die Reaktionen des Jungen und des Mädchens geschildert. «Die Kinder haben geweint, sie waren geschockt und sehr unglücklich», sagte der Zeuge aus Israel, David Barkay, bei der Fortsetzung seiner Befragung vor dem Landgericht Hamburg. «Es tat mir sehr leid für sie.» Seine Sicherheitsfirma Cyber Cupula soll laut Anklage für die Entführung der Kinder verantwortlich sein.
Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen waren in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark in ein Auto gezerrt worden. Er habe seinem Team vor der Tat die Anweisung gegeben, «jegliche Gewalt zu minimieren», es so «menschlich» wie möglich auszuführen, betonte Barkay. Auf die Frage der Nebenklage, ob die Männer Waffen getragen hätten, antwortete der Zeuge: «Niemals.»
Der 68-Jährige hatte für seine Aussage in Deutschland sicheres Geleit bekommen. Er muss zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.
Der angeklagten Unternehmerin Christina Block wird vorgeworfen, der israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die 53-Jährige bestreitet das. Es gibt sechs weitere Angeklagte, darunter der Lebensgefährte von Christina Block, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Der 67-Jährige betont, nichts Unrechtes getan zu haben. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter (heute 20) war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Blocks Ex-Mann hatte die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 in Dänemark nicht zurück nach Hamburg gebracht. Er erhob Gewaltvorwürfe gegen die Mutter, die diese zurückweist. Zu den drei Kindern, die beim Vater in Dänemark leben, hat die Mutter keinen Kontakt.
Blocks Anwalt Ingo Bott merkte zu Beginn des 56. Prozesstages an: «Meine Mandantin ist sehr angeschlagen heute.» Sie habe am Wochenende erfahren, dass ihre inzwischen 15-jährige Tochter in Hamburg sei und mit einer Tante Kontakt hatte. Das habe sie sehr mitgenommen.
Es war bereits der achte Prozesstag, an dem Barkay Fragen beantwortete. Er hatte vor einigen Monaten ausgesagt, die angeklagte Mutter habe von der geplanten Rückholaktion gewusst. Sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée mit Christina Block getroffen. Die Männer seien maskiert gewesen.
Die Verteidigung von Block bestreitet, dass es so ein Treffen gab und hatte moniert, dass die mutmaßlichen Entführer alle unterschiedliche Zeitpunkte für ein angebliches Treffen genannt hätten. Er verstehe nicht, warum der Zeitpunkt so wichtig sei, sagte Barkay nun. «Es ändert nichts daran, dass sich das Meeting so abgespielt hat.» Er habe Christina Block gebeten, dorthin zu kommen, und das habe sie getan.
Ob Christina Block zum Zeitpunkt der Rückholaktion das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre Kinder hatte, ist zwischen den Parteien strittig. Der Verteidiger des angeklagten Familienanwalts Andreas Costard hatte dazu einen langen Beweisantrag gestellt, dessen Argumentation die Nebenklage widersprach.
Die Verteidiger forderten das Gericht auf, seine eigene Ansicht zu dieser Frage zu äußern. Die beiden Kinder waren nach der Entführung aus Dänemark zunächst nach Süddeutschland gebracht worden und waren anschließend bis zum 5. Januar 2024 bei ihrer Mutter in Hamburg. An jenem Tag hatte das Hanseatische Oberlandesgericht entschieden, dass sie zu ihrem Vater nach Dänemark zurückkehren müssen.
Die Verteidiger der deutschen Angeklagten argumentieren, dass keine Entziehung Minderjähriger vorliegen könne, weil die Mutter zu jenem Zeitpunkt das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht hatte.
Barkay erklärte auf Fragen von Anwalt Bott, dass seine Firma Cyber Cupula im Jahr 2023 nach Europa und Deutschland expandieren wollte. Nach Niederlassungen in den USA und Großbritannien habe er eine Holding in Stuttgart und eine Firma in Hamburg registriert. Über einen israelischen Kontaktmann habe er Verbindung zur Familie Block bekommen.
Quelle: dpa