Verkehr

Tempo 30 am Mittleren Ring in München soll wieder weg

07. Januar 2026 , 17:03 Uhr

Die Luft ist sauber genug. Der Oberbürgermeister will deshalb das Tempolimit an der Landshuter Allee kippen. Es könnte - kurz vor der Kommunalwahl - das letzte Kapitel in einem jahrelangen Zwist sein.

Der nach viel Zoff eingeführte Abschnitt mit Tempo 30 auf dem Mittleren Ring in München dürfte bald wieder passé sein. Nachdem die Luftverschmutzung an der vielbefahrenen Landshuter Allee im vergangenen Jahr erneut unter dem vorgeschriebenen Grenzwert lag, will Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das Tempolimit auf dem Teilstück «so schnell wie möglich» wieder aufheben. 

«Die gute Nachricht ist: Die Luft an der Landshuter Allee ist spürbar sauberer geworden», sagte Reiter laut Mitteilung der Stadt. «Damit sind die Voraussetzungen erfüllt, um Tempo 30 an der Landshuter Allee wieder aufzuheben, zu Tempo 50 zurückzukehren und damit zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses beizutragen.» Die Maßnahme war nach langem, auch vor Gericht ausgetragenem Streit zusätzlich zu den Dieselfahrverboten in der Innenstadt eingeführt worden, um die Werte von gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid an der besonders stark belasteten Straße zu senken.

Schilder werden spätestens in ein paar Wochen abmontiert

Wann die Geschwindigkeitsbegrenzung am Ende konkret abgeschafft und die Schilder abmontiert werden, blieb zunächst offen. Doch es könnte schnell gehen: Die Maßnahme werde auf Anordnung des Oberbürgermeisters «zeitnah» zurückgenommen, «bereits in den nächsten Tagen, maximal nächsten Wochen» gelte wieder Tempo 50, erläuterte das Referat für Klima- und Umweltschutz auf Nachfrage.

Reiter hatte zudem das Referat beauftragt, den Stadtrat mit einer entsprechenden Fortschreibung des Luftreinhalteplans zu befassen. «Die Änderung des Luftreinhalteplans erfolgt in mehreren Schritten und wird inklusive Öffentlichkeitsbeteiligung ungefähr ein halbes Jahr in Anspruch nehmen», ergänzte die Sprecherin des Referats.

Weiterer Rückgang in diesem Jahr erwartet

An der Landshuter Allee lag der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid 2025 im vergangenen Jahr mit 38 Mikrogramm pro Kubikmeter 2 Mikrogramm unter dem Grenzwert. Die Unterschreitung der Marke war 2024 erstmals nach 14 Jahren geglückt. Auch für den Fall einer Rückkehr zu Tempo 50 lasse eine von der Stadt bei einem Gutachter in Auftrag gegebene Prognose «eine deutliche Einhaltung des Grenzwerts» erwarten, erläuterte Reiter nun. Demnach wird mit einem Jahresdurchschnitt von 35 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahr 2026 gerechnet. 

Stickstoffdioxid entsteht in Großstädten vor allem durch die Dieselmotoren von Fahrzeugen und kann Atemwegsbeschwerden sowie eine Vielzahl von Erkrankungen der Lunge und des Herz-Kreislaufsystems auslösen.

Umweltschützer hatten deshalb in einem jahrelangen Streit um die Luftqualität am Mittleren Ring auch vor Gericht für die Einhaltung der Grenzwerte gekämpft und dabei höchstinstanzlich Recht bekommen. Die Stadt hatte im Zuge der auch politischen Auseinandersetzungen zunächst ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge ausgesprochen. Um eine Ausweitung auch auf Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5 zu vermeiden, wurde in einem nächsten Schritt auf dem rund 2,5 Kilometer langen Abschnitt an der Landshuter Allee Tempo 30 statt zuvor Tempo 50 angeordnet. 

Tempolimit auch Wahlkampfthema

«Mir war von Anfang an wichtig, dass wir bei derartigen Maßnahmen mit Augenmaß vorgehen und Einschränkungen nicht länger aufrechterhalten als nötig», betonte Reiter nun. Allerdings ist das Tempolimit am Mittleren Ring auch ein Thema vor der Kommunalwahl Anfang März – die CSU etwa fordert eine Rückkehr zu Tempo 50. Auch die Freien Wähler sprechen sich für die Abschaffung der Maßnahme aus und begrüßten entsprechend Reiters Schritt, fragten aber zugleich, was passiere, sollten die Werte wieder schlechter werden.

Quelle: dpa

 

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