Angriff in Wohnhaus

Moskau meldet Festnahmen nach Attentat auf General

08. Februar 2026 , 11:16 Uhr

Ein hochrangiger Militär wird in der russischen Hauptstadt angeschossen. Moskau macht Kiew schwere Vorwürfe. Nun machen Ermittler Festnahmen öffentlich - und eine Flucht.

Zwei Tage nach dem Attentat auf den stellvertretenden Chef des russischen Militärgeheimdienstes präsentieren die Ermittler zwei Festnahmen. Aus Moskauer Sicht ist klar: Hinter den Schüssen auf Wladimir Alexejew steckt Kiew. Die Rede ist von einem «Terrorakt». Dabei ist es nicht der erste Angriff auf einen ranghohen russischen Militär in der jüngeren Vergangenheit. 

Der 64-jährige Alexejew war am Freitag in einem Wohnhaus im Nordosten der russischen Hauptstadt Moskau angeschossen und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Inzwischen ist er wieder bei Bewusstsein, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete. 

Nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB wurde der Täter in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten festgenommen und nach Russland überstellt. Ein Komplize sei in Moskau festgenommen worden, eine weitere Komplizin sei in die Ukraine geflohen. In der Mitteilung hieß es, die Suche nach den Organisatoren dauere an. 

Ermittlungskomitee: Auftrag ukrainischer Geheimdienste

Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits am Freitag die Ukraine beschuldigt, an der Tat beteiligt zu sein. «Dieser Terrorakt hat erneut die Ausrichtung des Selenskyj-Regimes auf ständige Provokationen bestätigt, die wiederum darauf zielen, den Verhandlungsprozess zu untergraben», sagte er. Russland führt seit knapp vier Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Russische Ermittler konkretisierten die Vorwürfe nun. Der in Dubai festgenommene Verdächtige sei Ende Dezember 2025 im Auftrag ukrainischer Geheimdienste nach Moskau gekommen, um einen Terrorakt zu verüben, teilte das russische Ermittlungskomitee mit. Der Mann soll demnach zu Zeiten der Sowjetunion in Ternopil in der heutigen Ukraine geboren worden sein. Es sei russischer Staatsbürger.

Der Anschlag kam einen Tag nach einer neuen Gesprächsrunde über ein Ende des Ukraine-Kriegs in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort leitete Alexejews unmittelbarer Vorgesetzter, Igor Kostjukow, für die russische Seite die Verhandlungen. 

Westen verhängte Sanktionen gegen Alexejew

Alexejew steht seit Jahren auf westlichen Sanktionslisten, unter anderem, weil er Cyberkriminalität organisiert und im Zuge der Affäre um die versuchte Tötung des übergelaufenen Geheimdienstagenten Sergej Skripal in Großbritannien den Nervenkampfstoff Nowitschok verbreitet haben soll.

Öffentlich zugänglichen Angaben nach wurde Alexejew im Gebiet Winnyzja in der heutigen Ukraine geboren. Seine gesamte noch in Sowjetzeiten beginnende militärische Karriere hat er aber in Russland verbracht. Dort war er zuletzt Vizechef des Militärgeheimdienstes GRU. Während des Syrien-Kriegs leitete er die Geheimdienstaktionen des russischen Militärs in dem Nahoststaat. 

Nach Medienberichten war er nach Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs in der Ukraine auch für die Aufstellung und Organisation von sogenannten Freiwilligenbataillonen mitverantwortlich. In Kiew wird er zudem wegen der Bereitstellung von Daten für Luftschläge gesucht, bei denen mehrfach zivile Objekte zerstört wurden und Zivilisten ums Leben kamen.

Russischen Medien zufolge war Alexejew 2023 an den Verhandlungen mit Jewgeni Prigoschin beteiligt, der damals mit seiner Söldnertruppe aus Südrussland einen Marsch auf Moskau begonnen hatte, weil er mit der Kriegsführung des russischen Generalstabs nicht einverstanden war. Er blies diesen Putschversuch jedoch wieder ab. Drei Monate später starben er und einige Getreue bei einem Flugzeugabsturz, der mutmaßlich ein Anschlag war.

Nicht das erste Attentat auf Militärangehörigen

Ranghohe Militärs in Moskau und auch Propagandisten sind seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder Ziele von Anschlägen. Im April 2025 kam beispielsweise Generalleutnant Jaroslaw Moskalik durch die Explosion einer Autobombe ums Leben. Im Dezember 2024 war mit Igor Kirillow der Chef der russischen ABC-Abwehrtruppen ebenfalls durch einen Bombenanschlag getötet worden. Der ukrainische Geheimdienst bekannte sich zu der Tat. 

Russland verurteilt das – wie auch in diesem Fall – stets als Terrorismus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den verheerenden russischen Angriffen auf die Energieversorgung des Landes seinerseits von Terrorismus gesprochen. Zeitweise waren in der Ukraine Millionen Menschen von der Strom- und Wärmeversorgung abgeschnitten – bei teilweise zweistelligen Minusgraden.

Quelle: dpa

 

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