Hermann Gmeiner

Missbrauch: 16 Verdachtsfälle um SOS-Kinderdorf-Gründer

26. Juni 2026 , 16:33 Uhr

Jahrelang lag ein Mantel des Schweigens über den Vorwürfen. Denn sie richteten sich gegen einen international geachteten Pädagogen. Nun sorgt eine Kommission für Klarheit.

Gegen den Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner (1919-1986), liegen laut einem Untersuchungsbericht bislang 16 Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt vor. Die männlichen mutmaßlichen Opfer seien zur Zeit der geschilderten Missbrauchshandlungen zwischen 6 und 20 Jahre alt gewesen, berichtete eine unabhängige Kommission, die Gewalt und Missbrauch für den österreichischen Zweig der internationalen Kinderhilfsorganisation aufgearbeitet hat.

Der Österreicher Gmeiner hatte SOS-Kinderdorf nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und wurde für seine Arbeit auch international ausgezeichnet. Die Anschuldigungen gegen ihn waren innerhalb der Organisation schon seit Jahren bekannt. Sie wurden aber erst im vergangenen Herbst nach Berichten der Wiener Zeitschrift «Falter» über mögliche Übergriffe von Kinderdorf-Mitarbeitern öffentlich gemacht. SOS-Kinderdorf Österreich hatte damals zunächst über acht mutmaßliche Opfer von Gmeiner berichtet. Seitdem haben sich acht weitere Personen gemeldet.

Fast alle der Missbrauchshandlungen sollen in SOS-Kinderdorf-Einrichtungen passiert sein. «Die Betroffenen schildern überwiegend schwere sexuelle Gewalt», hieß es in dem Bericht, der in Wien präsentiert wurde.

Vorwürfe reichen über mehrere Jahrzehnte

Die zahlreichen Verdachtsfälle aus den 1960er bis 80er Jahren bedürften «dringend einer ernsthaften Auseinandersetzung und transparenten Kommunikation – nach innen wie außen», forderte die Kommission. Das Gremium wird von der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs in Österreich, Irmgard Griss, geleitet. Acht mutmaßliche Opfer von Gmeiner haben bereits Entschädigungen erhalten, in fünf weiteren Fällen gebe es noch keine entsprechenden Entscheidungen, hieß es. 

Der Bericht befasste sich auch mit Gewalt und Übergriffen von Kinderdorf-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegen ihre Schützlinge in Österreich. Demnach hat SOS-Kinderdorf Österreich zwischen 2012 und April 2025 insgesamt 187 Entschädigungsverfahren durchgeführt.

Die Kommission empfahl verschiedene Maßnahmen, um etwa Kinderschutzkonzepte besser umzusetzen, die Fehlerkultur zu stärken und klare Management-Strukturen festzulegen. SOS-Kinderdorf Österreich hat bereits vor einigen Monaten mit Reformen begonnen.

Quelle: dpa

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