Ukraine-Krieg

Schwere russische Angriffe: 18 Tote, mehr als 100 Verletzte

16. April 2026 , 12:37 Uhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj dankt bei einer Europa-Reise für neue Militärhilfen für sein Land. Russland kritisiert die Waffenlieferungen immer wieder - und antwortet mit Härte.

Bei massiven russischen Angriffen in der Ukraine sind in der Nacht mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Eine weitere Nacht habe bewiesen, dass Russland keine Lockerung der globalen Politik oder die Aufhebung von Sanktionen verdiene, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien. Er hatte zuvor bei einer Europa-Reise neue Zusagen für militärische Hilfen der westlichen Staaten erhalten und dafür gedankt. 

Russland kritisiert die westlichen Waffenlieferungen hingegen als Eskalation in dem Krieg, den Moskau seit mehr als vier Jahren führt. Die Militärführung in Moskau überzog als Antwort auf die in dieser Woche bekanntgewordenen Rüstungshilfen die Ukraine erneut mit schweren Luftschlägen.

Russland attackierte in Wellen mehrere Regionen des Nachbarlandes. Selenskyj sprach unter Berufung auf die Luftwaffe von fast 700 Drohnen sowie von Raketen und Marschflugkörpern, die Russland seit dem Vortag eingesetzt habe. Die meisten ballistischen Raketen zielten demnach auf die Hauptstadt Kiew.

Selenskyj forderte Druck auf den Angreifer Russland. Zugleich forderte er einmal mehr, dass jedes Versprechen zur Unterstützung der Ukraine rechtzeitig erfüllt werde. 

 

EU-Ratspräsident António Costa sprach den Verwundeten und den Familien der Opfer der «ungeheuerlichen Angriffe» sein Mitgefühl aus. «Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist gescheitert, und deshalb greift es nun bewusst zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung», schrieb er auf der Plattform X. «Russland muss diesen Terrorkrieg beenden.» Die EU werde den Druck auf Russland weiter erhöhen, so der Portugiese. «Und wir werden unsere standhafte Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten, während sie sich gegen die russische Aggression verteidigt.»

Neun Tote allein in der Hafenstadt Odessa

In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer kamen mindestens neun Menschen ums Leben, wie Gouverneur Oleh Kiper mitteilte. Verletzt wurden demnach 23 weitere Personen. Russland habe in mehreren Wellen mit Raketen und Drohnen angegriffen. Unter anderem Objekte der kritischen Infrastruktur, des Hafens und Wohngebäude seien beschädigt worden. 

In der Hauptstadt Kiew wurden vier Menschen getötet, darunter ein zwölfjähriger Junge, wie die städtische Staatsanwaltschaft mitteilte. Es gab demnach auch mindestens 54 Verletzte. Es seien Mehrfamilienhäuser, Privathäuser, ein Hotel, ein Bürokomplex, ein Autohaus, eine Tankstelle und ein Einkaufszentrum beschädigt worden.

In der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk kamen bei russischen Angriffen mit Drohnen, Artillerie und Raketen nach Angaben von Gouverneur Olexander Hanscha vier Menschen ums Leben, 34 seien verletzt worden. Russland habe Drohnen, Artillerie und Raketen eingesetzt. In der ostukrainischen Region Charkiw berichtete Gouverneur Oleh Synjehubow von einer Toten und sechs Verletzten in der Stadt Merefa durch Drohnenbeschuss.

Tote auch in Russland

In der russischen Region Krasnodar am Schwarzen Meer sprach Gouverneur Weniamin Kondratjew von zwei Toten, darunter eine 14-Jährige, und sieben Verletzten nach ukrainischen Drohnenangriffen. Im Landkreis Tuapse sei ein Notstand ausgerufen worden. Drohnentrümmer beschädigten demnach Wohngebäude, zwei Bildungseinrichtungen und eine Musikschule. Trümmer seien auch auf das Gelände einer Fabrik im Hafengebiet gefallen. In Noworossisjk sei auf einem zivilen Schiff ein Feuer durch Drohnentrümmer entstanden, aber schnell gelöscht worden, schrieb Kondratjew. 

Am Schwarzen Meer sind Noworossijsk und Tuapse die wichtigsten Häfen für den russischen Ölexport. In Tuapse gibt es eine auch eine große Raffinerie. 

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass mehr als 200 ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele abgewehrt worden seien. Die eigenen Angriffe auf die Ukraine bezeichnete das Ministerium als Antwort auf die «terroristischen Attacken» Kiews. Den Krieg begonnen hat allerdings Russland, die Ukraine wehrt sich mit den Gegenschlägen. 

Das russische Ministerium behauptete zudem, mit seinen neuen Raketen- und Drohnenangriffen einen ukrainischen Container-Terminal, Depots für Panzertechnik und unterirdische Komplexe zur Erprobung von Robotertechnik ins Visier genommen zu haben. Von unabhängiger Seite sind die Angaben nicht überprüfbar.

Kein Frieden in Sicht

Unterstützerstaaten Kiews hatten am Vortag bei einer Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin ihren weiteren Bestand zugesagt. An dem Treffen der sogenannten Ukraine Defence Contact Group (UDCG) nahmen auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow persönlich teil. Die Ukraine könne sich auf Deutschland verlassen, versicherte Pistorius. Großbritannien sagte der Ukraine Lieferung von 120.000 Drohnen für den Kampf gegen Russland zu.

Das Moskauer Verteidigungsministerium reagierte mit scharfer Kritik an Europa und veröffentliche die Adressen dortiger Rüstungsfirmen.

Quelle: dpa

 

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