Infrastruktur

Milliardenschwere europäische Verkehrsprojekte später fertig

19. Januar 2026 , 17:00 Uhr

Menschen und Waren sollen schneller von einem europäischen Land ins andere kommen. Das kostet viel Geld - mehr als erwartet. Und die Megaprojekte länger.

Bis Menschen und Waren schneller durch die EU fahren, wird einem Bericht zufolge mehr Zeit vergehen als geplant. Es sei unmöglich, das sogenannte TEN-V-Hochgeschwindigkeitsnetz bis 2030 fertigzustellen, stellt der Europäische Rechnungshof in einem Sonderbericht fest. Dabei geht es auch um den Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark und den Brenner-Basistunnel. 

Hintergrund der Schwierigkeiten bei den insgesamt acht Megaprojekten sind unter anderem die Corona-Pandemie und der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, wie die Prüfer festhalten. Kosten seien gestiegen und die Arbeiten dauern länger. Einzig bei der Autobahn A1 in Rumänien werde nun mit einer früheren Eröffnung gerechnet. 

Brenner-Basistunnel viel später fertig

Die jüngste Schätzung der Gesamtkosten für die acht Projekte sei fast doppelt so hoch wie die ursprüngliche. Hauptsächlich gehe der starke Anstieg auf zwei Eisenbahnverbindungen zurück: die Rail Baltica (plus 291 Prozent Kosten), die von Tallinn über Riga und Kaunas nach Warschau führen soll, und die Verbindung Lyon–Turin (plus 127 Prozent Kosten). 

Der Brenner-Basistunnel wird dem Bericht zufolge 40 Prozent teurer als ursprünglich geschätzt und voraussichtlich erst 2032 statt wie ursprünglich erwartet 2016 eröffnet. Die Brenner-Route ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Die neue Verbindung soll Fahrten von München nach Norditalien deutlich beschleunigen und vor allem Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Der Rechnungshof hatte bereits im Vorgängerbericht 2020 festgehalten, dass es vor allem bei der Anbindung an den Tunnel mit dem Zulauf in Deutschland und Italien Probleme gibt. 

Fehmarnbelt-Querung viel teurer

Die Fehmarnbelt-Querung verteuerte sich der Schätzung zufolge um 52 Prozent. Im Sonderbericht, der den Stand bis November 2025 wiedergibt, wird hier mit einer Eröffnung 2029 statt ursprünglich 2018 gerechnet. Am Freitag wurde bekannt, dass sich die Fertigstellung voraussichtlich sogar auf 2031 verzögert.

Die Prüfer hoffen, dass künftig die nationalen Verkehrspläne besser mit den Prioritäten auf europäischer Ebene abgestimmt werden. Die Staaten sind dazu mittlerweile verpflichtet. Dies werde sich voraussichtlich aber erst bei neuen Megaprojekten auswirken.

Quelle: dpa

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