Deutsch-israelische Projekte

Mehr Kulturkooperation mit Israel angestrebt

18. Februar 2026 , 12:26 Uhr

Brauchen wir wieder «Eis am Stiel»-Filme aus Israel? Oder einfach differenzierteren Stoff aus dem Land, das meist nur noch mit Krieg assoziiert wird? Ein Verein will für mehr Koproduktionen sorgen.

Vorbei die Zeiten, als Israel als Filmland vor allem für die Komödienreihe «Eis am Stiel» stand. Israel scheint in der Kulturwelt fast nur noch als ein kriegführendes Land vorzukommen, als Adressat von Genozid-Vorwürfen in Gaza, von manchen Aktivisten gar als teuflisches Isra-«hell» bezeichnet – dieser Entwicklung möchte ein neuer Verein entgegenwirken, indem er deutsch-israelische Film-, TV- und Theaterprojekte ermöglicht.

«Wenn wir wollen, dass die Welt von morgen von Verständnis geprägt ist, müssen wir heute die Geschichten erzählen, die Empathie schaffen», sagt die Theater- und Filmregisseurin Sharon On, die in Tel Aviv Regie studiert hat und seit etwa 20 Jahren in Berlin lebt. «Kultur ist kein Nebenschauplatz – sie ist ein zentraler Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung.»

Sharon On gründete 2025 den Verein Future Narrative Fund zusammen mit der Filmwissenschaftlerin Lihi Nagler und dem Produzenten und Komponisten Mark Pinhasov. Der Verein möchte dem Namen nach das Narrativ – also die Struktur, wie über den jüdischen Staat und seine Einwohnerinnen und Einwohner hierzulande gesprochen wird – verbessern.

«Geschichten gegen Stereotype und Vorurteile»

Pinhasov betonte bei einer Vorstellung des Vereins nun im Rahmen der Berlinale: «Wir bauen keine symbolischen Brücken, sondern konkrete Arbeitsbeziehungen.» Nagler sagte: «Wenn Narrative verzerrt werden, dürfen wir nicht schweigen. Wir brauchen professionelle Strukturen, die sicherstellen, dass unsere Perspektiven sichtbar gemacht werden.»

Der Future Narrative Fund möchte etablierte Branchengrößen, aber auch Nachwuchstalente dabei unterstützen, «hochwertige Koproduktionen zu entwickeln, die Brücken bauen, Empathie schaffen und authentische Geschichten gegen Stereotype und Vorurteile erzählen». Geld dafür soll von privaten Investoren, Sponsoren und öffentlichen Fördertöpfen kommen.

Israels Kreativbranche zu boykottieren oder auch nur zu meiden, treffe meist die Falschen, betonten die Macher des neuen Vereins. Viele Künstler und Filmemacher seien Gegner der aktuellen israelischen Regierung.

Zu den Gästen des Launch-Events am Dienstag zählten etwa die Präsidentin der Filmförderungsanstalt FFA, Kirsten Niehuus, die Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg, Sarah Duve-Schmid, sowie Produzentinnen und Produzenten unter anderen von der Ufa, Disney, Studio Hamburg oder Arte.

Quelle: dpa

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