Streit um Führung

Machtkampf im Sozialverband VdK Bayern

24. Mai 2026 , 17:03 Uhr

In dem Verband mit 850.000 Mitgliedern im Freistaat brodelt es gewaltig. Worum es bei dem Konflikt geht.

Im Sozialverband VdK Bayern ist ein Machtkampf entbrannt – der Stuhl der Vorsitzenden Verena Bentele wackelt. Der übrige Landesvorstand habe den Landesausschuss gebeten, ein Verfahren zur Abberufung Benteles und des Schatzmeisters Konrad Gritschneder aus dem Landesvorstand einzuleiten, bestätigte der stellvertretende Landesvorsitzende Hermann Imhof der Deutschen Presse-Agentur. Zuerst hatte die «Frankenpost» über die Zuspitzung des offenbar schon länger schwelenden Konflikts berichtet. 

Der Landesausschuss als Beschluss- und Kontrollgremium soll nach dem Willen von acht der zehn Vorstandsmitglieder nun ein Abberufungsverfahren einleiten. «Anlass hierfür sind die bestehenden Entwicklungen und Differenzen, die nach dem ergebnislosen Verlauf intensiver Gespräche über alternativen Lösungsansätze eine Fortsetzung der Zusammenarbeit im bisherigen Rahmen nicht mehr zulassen», erläuterte Imhof. Es gehe um die Art und Weise, wie das Amt eines Vorstands zu führen sei und wie der Landesverband in Zukunft aufgestellt sein solle. 

Bentele weist Vorwürfe zurück

In einem internen Schreiben, das der «Frankenpost» vorliegt, wird Bentele demnach vorgeworfen, den VdK zu einem Zentralverband unter ihrer Führung umstrukturieren zu wollen. Als Reaktion auf die öffentlich gemachten Vorwürfe meldete sich auch Bentele zu Wort, die bereits seit 2018 Präsidentin des VdK Deutschlands ist – dessen größter Landesverband wiederum der VdK Bayern mit seinen rund 850.000 Mitgliedern ist. 

Sie habe 2023 auf ausdrücklichen Wunsch des Vorstands für den Vorsitz in Bayern kandidiert, erläuterte Bentele. Ihr Ziel sei es von Beginn an gewesen, den Verband stärker in der Öffentlichkeit zu positionieren und seine sozialpolitische Wirkung für die Vertretung der Interessen der Mitglieder auszubauen. Dabei habe für sie ein moderner Führungsansatz im Mittelpunkt gestanden, der der Größe und Verantwortung des Verbandes gerecht werde. 

«Die Führung eines Verbands dieser Größenordnung kann nicht nebenbei ehrenamtlich erfolgen», betonte Bentele. Sie wies zugleich Vorwürfe zu Personalentscheidungen, angeblichem Druck auf Mitarbeitende sowie einer eigenmächtigen Umgestaltung von Zuständigkeiten zurück: Entscheidungen seien stets im Rahmen der satzungsgemäßen Gremienstrukturen erfolgt und gemeinsam abgestimmt worden. 

Lobby für sozial benachteiligte Menschen

Bentele bedauerte, dass der Konflikt nun an die Öffentlichkeit getragen worden sei. Zugleich wies sie die Zuständigkeit des Landesausschusses für eine etwaige Abberufung zurück. «Ich wurde von den Delegierten des Landesverbandstages gewählt. Deshalb können auch nur diese darüber entscheiden, ob sie mir weiterhin ihr Vertrauen schenken», betonte Bentele.

Der Sozialverband VdK versteht sich als Anwalt sozial benachteiligter Menschen und kämpft für soziale Gerechtigkeit. Er sieht sich als Lobby für Rentner, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke und Pflegebedürftige sowie Familien, ältere Arbeitnehmer und Arbeitslose. Mit bundesweit über 2,3 Millionen Mitgliedern ist der VdK der größte Sozialverband Deutschlands.

Quelle: dpa

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