Parteien

Kretschmer: «Wir müssen mit jedem reden, der reden will»

22. Juli 2026 , 00:01 Uhr

Die AfD im Aufwind, die CDU in Minderheitsregierungen: Vor diesem Hintergrund formuliert Sachsens Ministerpräsident Kretschmer eine Forderung - wohl auch an die eigene Partei.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse im Osten Deutschlands eine Bereitschaft zu Gesprächen mit allen anderen Parteien. Er sagte dem «Handelsblatt»: «Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will.» 

Der Begriff der Brandmauer steht für die Positionierung der Parteien, nicht mit der AfD zu kooperieren. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor einer Woche bei seiner Sommerpressekonferenz bekräftigt, die CDU werde nicht mit AfD und Linke zusammenarbeiten. «Wir haben hier klare Parteitagsbeschlüsse, und ich habe keinen Anlass daran zu zweifeln, dass wir die einhalten», sagte er. Die Frage, was geschieht, wenn es ohne die Linke nicht reicht für eine Mehrheit jenseits der AfD, beantwortet er nicht. Ein solches Szenario ist in Sachsen-Anhalt und auch in Mecklenburg-Vorpommern sehr wahrscheinlich.

Dort stehen im September Landtagswahlen an. Kretschmer, der auch stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender ist, regiert in Sachsen mit einer Minderheitsregierung – ebenso wie Mario Voigt (CDU) in Thüringen. Kretschmer hat im Landtag in Dresden einen «Konsultationsmechanismus» etabliert, der allen Fraktionen offensteht. «Die AfD ist die einzige Fraktion, die von vornherein gesagt hat: Wir beteiligen uns nicht», sagte er. Sie setze darauf, dass die Regierung scheitere. «Eine Partei wie die AfD schadet dem Land.»

Kretschmer hält schwarz-rotes Reformpaket für unzureichend 

Kretschmer forderte die Bundesregierung auf, mehr gegen die Wirtschaftskrise zu tun. «Das Land geht einen katastrophalen Weg», erklärte der Ministerpräsident. Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition sei gut, reiche aber nicht. «Durch Kürzungen im Sozialbereich bringen wir Deutschland nicht auf Wachstumskurs.» Derzeit passe man die Ausgaben den Einnahmen an. «Aber eine passive Sanierung führt nicht zu Wachstum», sagte Kretschmer.

Wachstum entstehe durch Freiheit. Kretschmer forderte weniger Regulierung. «Handwerker und Selbstständige sind unglaublich frustriert, weil Bürokratie und Abgaben sie erdrücken», sagte er. Bis heute gebe es keine nennenswerte Verbesserung beim Bürokratieabbau. Die Menschen müssten endlich erleben, dass sich etwas ändere. «Die Bundesregierung muss endlich Tempo machen. Ansonsten sehe ich bei der nächsten Bundestagswahl schwarz.»

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

21.07.2026 Söder: Geeinter Vorschlag für Fraktionschef und andere Ämter CSU-Chef Markus Söder will zusammen mit dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz einen Nachfolger für Jens Spahn an der Fraktionsspitze küren. Er blickt aber auch schon auf den Herbst – nicht ohne Grund. 21.07.2026 Merz und Söder binden bei Spahn-Nachfolge Fraktion eng ein Acht Tage noch – dann soll die CDU/CSU-Bundestagsfraktion einen neuen Vorsitzenden wählen. Die Verantwortlichen für einen Personalvorschlag lassen sich vorerst nicht in die Karten schauen. 20.07.2026 AfD-Bundesspitze schaltet Kommission im NRW-Machtkampf ein Finanzen, Mitglieder, Kandidatenlisten – die AfD-Bundesspitze rückt dem größten Landesverband mit einer Untersuchungskommission auf die Pelle. Der Streit mit Landeschef Vincentz schwelt weiter. 20.07.2026 Union entscheidet nächste Woche über Spahn-Nachfolge Der Kanzler hatte angekündigt, dass die Nachfolge Spahns an der Spitze der Unionsfraktion schnell geklärt werden soll. Jetzt gibt es einen Termin. Die Personalspekulationen laufen auf Hochtouren.