Ermittlungen

Korruptions-Razzia wegen Tickets für Fußball-EM 2024

01. Juli 2026 , 11:33 Uhr

Ermittler durchsuchen bundesweit Stadtverwaltungen und die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main wegen Korruptionsverdachts bei der Fußball-EM 2024. Es geht um tausende vergünstigte Tickets.

Wegen Korruptionsverdachts im Zusammenhang mit der Fußball-EM 2024 in Deutschland haben Ermittler bundesweit zahlreiche Stadtverwaltungen und die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main durchsucht. Das haben eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) NRW sowie ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bunds bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Bochum und das LKA NRW ermitteln wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung.

Stadtverwaltungen sollen tausende EM-Tickets zu Vorzugspreisen erhalten haben. Diese seien von einigen Städten genutzt und unterschiedlich verwendet worden, teilten Staatsanwaltschaft und LKA mit.

Innenminister Reul kündigt konsequente Aufklärung an

«Ein Fußball-Ticket ist kein Gehaltsbestandteil. Wer im öffentlichen Dienst die Hand aufhält, bekommt von uns Besuch», teilte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) mit. Großveranstaltungen wie die Fußball-Europameisterschaft lebten vom Vertrauen der Menschen in den Sport und in die Behörden, die ihn möglich machen. 

«Dieses Vertrauen lassen wir nicht durch ein paar Einladungen und Eintrittskarten beschädigen. Der Verdacht wiegt schwer, und genau deshalb wird er konsequent aufgeklärt», sagte Reul. Die Ermittler des LKA arbeiteten «gründlich, sachlich und ohne Ansehen der Person».

Die Maßnahmen dauerten noch an. Die Beschuldigten hätten bislang keine Gelegenheit gehabt, sich zu den Vorwürfen zu äußern, hieß es. Es gelte die Unschuldsvermutung.

66-Jähriger aus Gelsenkirchen im Fokus

Aus Sicherheitskreisen hieß es, ermittelt werde gegen einen 66-jährigen Deutschen und einen 46-jährigen Franzosen. Zur Ausrichtung des Turniers sei die Euro 2024 GmbH als Tochtergesellschaft der UEFA Events SA und der DFB EURO GmbH gegründet worden. Deren früherer Sitz war die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Der DFB wollte sich angesichts der laufenden Ermittlungen zunächst nicht weiter äußern. Ein Sprecher stellte aber klar, dass sich die Ermittlungen nicht gegen den Verband richten.

Der 66-Jährige soll als ehemaliger Beschäftigter der Stadt Gelsenkirchen zum EM-Halbfinale Spanien gegen Frankreich nach München eingeladen worden sein. Er habe dadurch im Rahmen seiner Amtsausübung einen finanziellen Vorteil von rund 2.400 Euro erlangt. 

Er sei bereits wegen Betrugsverdachts sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt polizeilich in Erscheinung getreten und inzwischen nicht mehr für die Stadt Gelsenkirchen tätig. Nach den Ermittlungen sei davon auszugehen, dass vergleichbare Einladungen auch an EM-Projektleitungen weiterer Gastgeberstädte ausgesprochen wurden, teilten die Kreise mit. 

Ferner habe sich der Verdacht einer strukturierten Vorteilsgewährung durch die Euro 2024 GmbH ergeben. Diese soll mehrere tausend Eintrittskarten zur internen Verwendung an die zehn Austragungsstädte vergeben haben. Ob und in welchem Umfang diese Karten und Einladungen zu Spielbegegnungen angenommen wurden, sei ebenfalls Gegenstand des Verfahrens.

Durchsuchungen in neun Austragungsstädten

Durchsuchungen sollte es entsprechend bei den Stadtverwaltungen Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart und München geben. Bei der Stadtverwaltung Leipzig werde ein sogenanntes Herausgabe-Ersuchen vollstreckt. 

Durchsucht werden sollten zudem zwei Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und ein Unternehmen in Bayern.

Quelle: dpa

 

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