Die geplante Kita-Reform in Bayern soll die Finanzierung von Kindertagesstätten vereinfachen und die Einrichtungen stärken. Doch in Bamberg gibt es deutliche Zweifel, ob die vorgesehenen Mittel langfristig ausreichen und welche Folgen das für Familien haben könnte.
Bambergs zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp sieht vor allem strukturelle Probleme nicht gelöst:
„Die Reform, wie sie der Freistaat jetzt vorsieht, hilft dabei gerade aus Sicht der Kommunen nicht gegen steigende Kosten. Sie reduziert eigentlich lediglich das bestehende Defizit und bringt eine zeitlich begrenzte Entlastung. Immerhin, aber sie löst nicht die strukturellen Themen, die wir in der Finanzierung von Kitas haben.“
Auch die Frage möglicher Mehrkosten für Eltern sorgt für Unsicherheit. Glüsenkamp erklärt:
„Das ist so pauschal nicht zu beantworten, weil die Beiträge ja jeweils von den einzelnen Trägern der Einrichtungen – das sind in Bamberg beispielsweise die Kirchen, die Wohlfahrtsverbände und private Träger – jeweils für einzelne Einrichtungen spezifisch festgelegt werden. Einige Einrichtungen haben jetzt aber für das neue Kita-Jahr ab September auch Gebührensteigerungen bereits angekündigt. Das ist sehr unterschiedlich von Einrichtung zu Einrichtung.“
Grundsätzlich warnt die Stadt vor zusätzlichen Belastungen für Familien:
„Jede Gebührenerhöhung im System Kita belastet natürlich immer insgesamt das Familienbudget, das ja auch schon geprägt ist durch beispielsweise hohe Mieten und Kostensteigerungen an anderer Stelle. Und wenn man sich die Preissteigerungen in vielen Lebensbereichen aktuell anschaut, kann das zu einer Überlastung der Finanzsituation in einzelnen Familien führen,“ so Glüsenkamp.
Für Familien, die sich die Beiträge nicht leisten können, verweist Glüsenkamp auf Unterstützungsmöglichkeiten:
„Ich motiviere immer dazu, wenn jemand den Eindruck hat: nein, wir bei uns in der Familie in der aktuellen Konstellation und Situation, wir können uns die Kita nicht leisten, dann wirklich diese Einkommensprüfung einmal machen zu lassen, weil es nicht sein kann, dass Kinder aufgrund der finanziellen Situation der Familie nicht in die Einrichtung gehen können.“
Nach Angaben der Stadt Bamberg haben sich die Ausgaben für die Übernahme von Kita-Beiträgen in den vergangenen Jahren auf über eine Million Euro jährlich verdreifacht.
Auch der Landeselternbeirat sieht Risiken durch die Reform. Die Vorsitzende Monika Golling sagt:
„Ein ganz prägnanter Teil dabei ist die Entkopplung des 100-Euro-Zuschusses, der momentan an die Elternbeiträge gebunden ist. Das sieht der neue Gesetzentwurf nicht mehr so vor, sondern dort ist geplant, dass diese 100 Euro direkt in den Qualitätsbonus fließen sollen. Dadurch fürchten einfach viele Eltern und wir auch, dass die Kita-Beiträge enorm steigen werden.“
Und weiter warnt sie vor möglichen Folgen für Familien:
„Die Gefahr, die wir jetzt sehen, ist: sollten die Kita-Gebühren tatsächlich so stark steigen wie befürchtet, dann haben die Eltern auch meistens nur die Möglichkeit, die Buchungszeiten zu reduzieren oder ihre Kinder ganz zu Hause zu lassen und zu Hause zu betreuen.“
Die Staatsregierung plant, dass die Mittel künftig direkt den Kitas zugutekommen. Ob Eltern am Ende tatsächlich mehr zahlen müssen, hängt jedoch von den jeweiligen Trägern ab. Das neue Gesetz soll zum 1. Januar in Kraft treten.