Nato-Ostflanke

Kampfflugzeuge schießen Drohne über Litauen ab

15. September 2026 , 06:57 Uhr

In den Luftraum der baltischen Staaten sind wiederholt Drohnen eingedrungen. In Litauen wurde nun eine abgeschossen - von Kampfjets eines Nato-Partnerstaats.

Kampfflugzeuge der Nato haben über Litauen nach Regierungsangaben eine Drohne abgeschossen. Das unbemannte Flugobjekt sei kurz nach Mitternacht von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Die Behörden hatte die Bevölkerung mehrerer Regionen des baltischen EU- und Nato-Landes zuvor über eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zur Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.

«Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion», schrieb Präsident Gitanas Nauseda auf der Plattform X. «Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren Nato-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen.» Es war Berichten zufolge das erste Mal, dass eine Drohne über Litauen abgeschossen wurde.

Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten Stadt Kaunas liegt. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich vom Gebiet von Belarus nach Litauen ein, wie er im litauischen Rundfunk sagte. Informationen über Opfer oder Schäden gebe es bislang nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden worden, die nun untersucht werden. 

Exponierte Lage an Nato-Ostflanke

Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.

Die Bundeswehr baut derzeit eine deutsche Panzerbrigade in Litauen auf. Der gefechtsbereite und eigenständig handlungsfähige Kampfverband mit 4.800 Soldaten soll bis 2027 einsatzfähig sein. 

Nato überwacht baltischen Luftraum

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Litauen und den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. In Litauen waren in der Vergangenheit auch Drohnen russischen Fabrikats aus Belarus eingeflogen. 

Größere Nato-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. Sie hatten zuletzt bereits im August eine aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingeflogene Drohne abgeschossen. Auch in Estland wurde schon eine Drohne von Nato-Kampfjets vom Himmel geholt.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

07.09.2026 EU-Außenbeauftragte: Russland nicht an Frieden interessiert Die US-Unterhändler unternehmen einen neuen Anlauf in Vermittlungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Kaja Kallas erwartet angesichts Moskaus Haltung wenig, sieht aber zumindest einen positiven Aspekt. 27.08.2026 CIA-Chef in Moskau: Kreml spricht von «Schauergeschichten» CIA-Chef Ratcliffe soll Russland vor einem Angriff auf Nato-Staaten gewarnt haben. Die Zurückweisung des Kremls kam prompt - und die benachbarten baltischen Staaten sehen die Lage entspannter. 15.09.2026 Trotz Trump-Ansage: Ukraine greift russische Anlage an Trump verkündet, Russland und die Ukraine würden ihre gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen einstellen. Kurz danach beschädigen Drohnen nach Angaben aus Moskau eine russische Industrieanlage. 14.09.2026 Trump: Moskau und Kiew wollen Angriffe auf Energie stoppen Erst am Sonntag warf der US-Präsident der Ukraine vor, für die hohen Dieselpreise verantwortlich zu sein. Nun soll es Trump zufolge Zugeständnisse geben.