Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) und Sebastian Niedermaier (SPD) stehen in der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in Bamberg am kommenden Sonntag. Am Samstagabend haben sich die beiden bei der Radio Bamberg Podiumsdiskussion zusammen mit der IHK und dem Wirtschaftsclub vielen Fragen gestellt. Die Themenbereiche waren: Wirtschaft, Verkehr und Umwelt, Wohnen und Leben, Kultur und Aktuelles. Wir haben die wichtigsten Aussagen der beiden Kandidaten zusammengefasst:
Wirtschaft:
Sowohl Jonas Glüsenkamp als auch Sebastian Niedermaier sprechen sich gegen eine Erhöhung des Gewerbesteuersatzes in Bamberg aus. Als wichtigstes Thema benannte Jonas Glüsenkamp die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Unternehmen. Zudem sieht er Handlungsbedarf bei den Themen der Gewerbeflächen in der Stadt und der Aufstellung der städtischen Verwaltung:
„Und darüber hinaus ist es sicherlich, und das ist kein neues Thema, die Platzfrage in der Stadt Bamberg. Wir sind eine sehr enge Stadt, die neungrößte Stadt in Bayern von der Fläche her, aber irgendwo an Platz 312. Das bedeutet, hier ist alles eng. Und das ist für die Unternehmen hier eine Herausforderung. Und wir müssen sehr gut schauen, dass wir die Flächen, die wir noch haben zur Entwicklung in den nächsten Jahren, gut auch nutzen. Und darüber hinaus ist natürlich das, was ein Oberbürgermeister machen kann, die Verwaltung so aufzustellen, dass sie Unternehmer- und Unternehmerinnenfreundlich ist. Da gibt es viele Möglichkeiten. Mir ist dabei ganz, ganz wichtig, dass auf der einen Seite natürlich, das ist heute auch schon angesprochen worden von dir, Herbert Grimmer, der Oberbürgermeister ein offenes Ohr hat. Ich finde aber, es ist die Aufgabe eines Oberbürgermeisters, die Verwaltung so aufzustellen, dass alle in der Verwaltung ein offenes Ohr haben, pragmatisch nach Lösungen suchen und die Verwaltung so aufgestellt ist, dass das gelingt.“
Sebastian Niedermaier identifizierte den Transformationsprozess vieler regionaler Unternehmen und ebenfalls das Thema Gewerbeflächen als wichtigste Themen im Bereich der Wirtschaft:
„Es ist der Transformationsprozess bei uns in der Region. Also wir haben 20.000 Beschäftigte in der Region Bamberg in der Automobilzuliefererindustrie. Und da müssen wir wirklich rangehen und da müssen wir die Unternehmen unterstützen. Und es ist das Thema Gewerbeflächen in der Stadt Bamberg. Deswegen bin ich auch direkt mit Boris Pistorius, als er hier war, in den Dialog gegangen, dass wir die Muna bekommen mit 20 Hektar Gewerbefläche. Wir brauchen diese Flächen, damit sich Unternehmen in der Stadt Bamberg entwickeln. Und du hast es angesprochen, Wirtschaft zur Chefsache machen. Doch dafür muss der Oberbürgermeister da sein. Weil das Thema Wirtschaft ist das wichtigste, Wirtschaft in Zukunft. Die Einkommenssteuer hat in der Stadt Bamberg die Gewerbesteuer schon überholt. Und wir brauchen Gelder aus den Gewerbesteuern, um unsere Stadt überhaupt in Zukunft gestalten zu können. Und deswegen muss der Oberbürgermeister dafür da sein. Und nicht einfach nur in seinem Amtsessel in der Stube, sondern er muss rausgehen. Er muss raus zu den Unternehmen gehen und die Gespräche mit den Unternehmerinnen und Unternehmern führen, wo denn die Probleme sind und wo es hakt.“
Beim Thema möglicher Bundeswehrstandort auf dem ehemaligen Muna-Gelände in Bamberg hatten die beiden Kandidaten unterschiedliche Auffassungen. Sebastian Niedermaier betonte, dass man einen möglichen Bundeswehrstandort nicht gänzlich verhindern könne, da das Gelände im Besitz des Bundes sei. Er wolle aber im Zusammenspiel mit Berlin das Bestmögliche für Bamberg herausholen:
„Ja, also es ist ja ganz klar, die Bundeswehr hat Bedarf angemeldet, das Grundstück gehört uns nicht, das gehört dem Bund und erst mal müssen wir das so hinnehmen. Die Frage ist nur, die Bundeswehr hat den Bedarf auf die Muna angelegt und deswegen habe ich gesagt, nein, wir haben die Bundespolizei schon in Bamberg, die haben Schießanlagen, die haben Mensa und wenn die Bundeswehr sich hier ansiedelt, deswegen bin ich auch im direkten Kontakt mit Miketuik, das ist der Leiter der Bundespolizei, dass wir hier Synergieeffekte erzeugen. Und dass wir, wenn die Bundeswehr kommt, bitte auf das Gelände östlich der Autobahn, also da, wo die Schieß- oder die Panzerwaschanlage ist, dass sie die Flächen nutzen, damit wir für uns die Muna bekommen. Das habe ich mit dem Boris Pistorius besprochen, ich habe ihm auch einen klaren Auftrag und einen Brief dazu mitgegeben und als er mir für die Einzug in die Stichwahl gratuliert hat, letzte Woche, hat er mich auch nochmal angerufen und hat gesagt, er bleibt an dem Thema dran, weil wir brauchen diese Gewerbeflächen. Wir bleiben aber dem Bundeswehrstandort, wenn er kommen will, nicht verhindern können. So ehrlich muss man auch sein.“
Jonas Glüsenkamp machte deutlich, dass auch er die Gewerbeansiedlung auf dem Muna-Gelände befürwortet und gleichzeitig gemeinsam versuchen wolle, einen Bundeswehrstandort in Bamberg generell abzuwenden:
„Bei der MUNA wiederhole ich nochmal, ist ein guter Kompromiss zwischen Ökologie und Ökonomie gelungen und es gilt eben in einer Stadt mit vielen verschiedenen Interessen Kompromisse zu schnüren. Das auf der MUNA ist ein gelungener Kompromiss. Ich bleibe aber dabei und du hast auch deine Kontakte zu Boris Pistorius ja gerade genannt. Ich möchte in Zukunft auch mit Melanie Hummel, die einen tollen und fairen Wahlkampf gemacht hat, da sind wir uns glaube ich einig, ihre Kontakte nutzen und dann gilt es sich in den ICE zu setzen, nach München zu fahren, nach Berlin zu fahren und die Position der Stadt Bamberg deutlich zu machen und deutlich zu machen, welche Aufgaben wir in den letzten Jahren schon übernommen haben. Und ich glaube, wenn wir das zusammen tun, mit Melanie Huml, mit der Region, mit der IHK, dann sollten wir nicht schon vorher die weiße Flagge hissen, sondern diesen Weg gemeinsam gehen.“
Verkehr und Umwelt:
Im Themenbereich Verkehr hatten die beiden Stichwahlkandidaten Jonas Glüsenkamp und Sebastian Niedermaier in vielen Punkten gleiche oder ähnliche Ansätze, etwa bei der Stärkung des ÖPNV, dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für Autos, Radfahrer und Fußgänger und der Notwendigkeit der Verbesserung eines Parkleitsystems in Bamberg. Die Entstehung von zusätzlichen Parkflächen sehen beide kritisch, vielmehr wollen beide das Park-and-Ride Angebot wieder kostenlos machen. Immer wieder ein Thema ist die Verkehrsberuhigung von Teilen der Innenstadt, beispielweise der Langen Straße.
Dazu sagte Sebastian Niedermaier:
„Ja, also da muss man sich schon auch so ein bisschen ehrlich machen, wenn wir die lange Straße wirklich autofrei machen, würde das die lange Straße aufwerten. Kein Thema. Aber sie schneiden Gaustadt vom Verkehr ab. Und das ist doch die Frage, wollen wir einen Stadtteil gegen anderen ausspielen? Und wenn wir aber die lange Straße einfach ebenerdig ausbauen, das ist ein shared space, machen so wie auf der Kettenbrücke, dann reduzieren wir den Verkehr. Das ist ja auf der Kettenbrücke wunderbar passiert, ohne die Anordnung zu machen autofrei. Wir hatten es gestern bei der Podiumsdiskussion vom Verkehrsklub, autofreies Welterbe. Das Welterbe erstreckt sich in Bamberg vom Greifenklau bis zum Heilig Grabkloster. Jetzt muss man sich mal überlegen, was das bedeutet, was für eine große Fläche das wäre, das autofrei zu machen. Das ist größer wie diese berühmte Stadt in Spanien, Pontevedra, die immer das große Vorbild ist für autofreie Innenstädte. Fast doppelt so groß. Also ich finde, da sollte man sich keiner Illusion hingeben. Was man gerne mal ausprobieren kann, ist ein autofreies Wochenende im Welterbe. Da wäre ich gerne mit dabei, das mal auszuprobieren, aber auf Dauer keinen Stadtteil gegen den anderen ausspielen. Das muss gemeinsam gehen, auch im Berggebiet, nicht den einen gegen den anderen ausspielen. Man muss das zusammen machen, Verkehrslösungen gemeinsam denken. Da haben wir den Verkehrsentwicklungsplan. Der hat schon richtig gute Maßnahmen. An die müssen wir uns jetzt einfach nur halten.“
Jonas Glüsenkamp geht dabei mit und lenkt den Blick gleichzeitig vorsichtig in die Zukunft:
„Es ist gut, dass das Thema angesprochen wird. Mir begegnet manchmal die Verschwörungstheorie in der Stadt, der Glüsenkamp will die Autos raus aus der Langen Straße. Vielleicht um sozusagen der eigenen Partei da ein bisschen Auftrieb zu geben, das ist nicht der Fall. Wir haben da die gleiche Position, ein ebenengleicher Ausbau der Langen Straße mit Sitzgelegenheiten, mit Bäumen, durch die Autos aber weiter fahren können, wo man dann die Ampeln rausnimmt, das heißt Fußgängerinnen und Fußgänger können überall kreuzen, wäre das erste Ziel. Und trotzdem, einige von Ihnen haben es vielleicht noch erlebt, einige kennen die Bilder, wo die Autos durch das Brückenrathaus fahren, durch die Obere Brücke. Und wenn wir uns das heute anschauen, denken wir, waren die damals eigentlich verrückt. Und ich will nicht ausschließen, dass unsere Kinder in 40, 50 Jahren, wenn sie sehen, dass man auf dem Domplatz parkt, dass man durch den Torschuster fährt, wie viel Verkehr wir haben in der historischen Altstadt, vielleicht mal das Gleiche sagen. Das bedeutet, was kann man denn tun? Und da kommen wir nachher zu meiner Idee, auch mit der Seilbahn. Wir müssen trotzdem weiter das Ziel verfolgen, dass diese Stadt über 1000 Jahre mit diesem wunderschönen Welterbe, mit dieser wunderschönen historischen Altstadt, wir weiter den Weg gehen, dass wir Stück für Stück es schaffen, uns die Räume zurückzuerobern. Nicht mit Gewalt, nicht mit Druck, nicht mit überbordenden Konflikten, aber es sollte unsere Utopie und unser Ziel sein, dass wir tatsächlich Verkehr reduzieren im Welterbe.“
In Punkto Umweltschutz wollten wir von den beiden Kandidaten wissen, in welchen Bereichen man am schnellsten ins Rollen kommt, welche Maßnahmen als Erstes umgesetzt werden können. Sebastian Niedermaier sagte dazu:
„Wo können wir am schnellsten ins Rollen? Baumpflege, Baumbestand erhalten. Also neue Bäume pflanzen. Wir haben das Thema in der Stadt Bamberg. Wir haben ganz viele Bäume gepflanzt. Ihr kennt das Projekt 1000 Bäume. Und wir haben es auch geschafft, dass ganz viele Bäume davon wieder kaputt gegangen sind. Warum gehen die kaputt? Weil sie nicht ordentlich gepflegt werden. Warum schafft man das nicht? Weil die Mitarbeiter einfach überfordert sind. Gibt es eine ganz kleine einfache Technik. Das nennt sich Bodensonde. Das heißt, wir pflanzen ein paar Bäume weniger und das Geld, das wir in den Bäumen sparen, investieren wir in solche Bodensonden. Die pflanze ich mit ein und dann wird der Mitarbeiter, der mit dem Gießfass, das seht ihr ja auch im Sommer, durch die Stadt fährt, sieht dann, okay, der Baum braucht es. Der braucht jetzt Wasser und der Baum braucht es auch nicht, damit er Wurzelwerk entwickeln kann. Und wenn ich solche Techniken anwende, spare ich Zeit, spare ich Energie bei den Mitarbeitern, spare ich Diesel bei den Traktoren und ich erhalte meinen Baumbestand. Das ist ganz wichtig. Ich kann entsiegeln, um unseren alten Baumentstand zu schützen. Kennt jeder, wenn er am Markusplatz entlanggeht, überall ist der Boden aufgebrochen. Die großen Bäume, so ein großer Baum, 90 Jahre, hat ungefähr die Umweltkompensation von 4000 jung gepflanzten Bäumen. So einen Baum einfach mehr Platz geben, mehr Raum geben und die alten Bäume halten. Das geht ganz schnell. Erster Schritt.“
Einen anderen Ansatz brachte Jonas Glüsenkamp ins Spiel:
„Bäume sind sehr wichtig, da wird hier Einigkeit sein. Am schnellsten voran kommen wir beim Thema Energie. Wir haben große Herausforderungen vor uns im Hinblick auf die Wärmewende, aber auch die Stromerzeugung. Da will ich die Stadtwerke Bamberg stärken und zwar mit einer Kapitalausstattung durch die Stadt. Die müssen ein Akteur werden, die dieses Thema noch besser, noch offensiver hinbekommen. Wir werden das Thema Wärme und daran hängen in Zukunft Mietpreise und Betriebskosten in Gebäuden nur hinbekommen über das Thema Fernwärme. Das werden wir nicht in den nächsten 15 Jahren abschließen. Das ist eine Mammutaufgabe für die Stadt Bamberg, gerade im Welterbe. Das Welterbe zukunftstauglich aufzustellen bei diesem Thema, das wird bei mir Chefsache.“
Wohnen und Leben:
Das Thema Wohnraum und vor allem bezahlbarer Wohnraum wird in Bamberg viel und häufig diskutiert, eine passende Wohnung zu finden ist oftmals sehr schwierig. Was sind also die Ansätze der beiden Kandidaten, neuen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sebastian Niedermaier unterschied dabei zwischen neuem Wohnraum und bezahlbarem Wohnraum. Diesen schaffe man so gut wie nur im Bestand. Seine Idee dazu beruht auf einem Blick in die Vergangenheit:
„Da hatten wir in Bamberg ein ganz erfolgreiches Modell im Denkmalschutz. Wir hatten in den 50er Jahren das Bamberger Modell. Das hat sich auf ganz Deutschland ausgeweitet und es gibt es immer noch. Wir müssen es nur wieder ein bisschen, lasst uns mal Bamberger Modell 2.0 nennen, dass man hier eine Unterstützung macht, dass die Gelder, die da sind in der Weltkulturerbe Stiftung, eben nicht mehr nur noch in die Stiftungen laufen, wie es aktuell passiert, sondern wirklich wieder da sind, für die Hauseigentümer Anreize zu schaffen. Und dann können wir wirklich Wohnraum entstehen lassen. In der Stadt Bamberg.“
Jonas Glüsenkamp sagte zum Thema neuer Wohnraum und bezahlbarer Wohnraum:
„Die Frage war ja, wo kann es konkret entstehen? Deswegen will ich es kurz und knapp machen. Erstens, das Thema Sparkasse hast du schon genannt, da kann Wohnraum jetzt entstehen. Zweitens, auf dem Gelände der Bundespolizei werden wir keinen Bundeswehrstandort nach Bamberg bekommen. Drittens, auf dem Gelände des Schlachthofes, da gibt es ja auch einen Dissens. Ich sehe da ein gemischtes Quartier, auch mit Wohnen. Wohnen ist die zentrale sozialpolitische Frage dieser Stadt. Jede und jeder von Ihnen kennt jemanden, der im letzten Jahr oder jetzt vielleicht im nächsten Jahr eine Wohnung sucht. Deswegen müssen wir diesem Thema unsere Flächen auch unterordnen. Das sind meine drei konkreten Punkte, wo ich Wohnen angehen will.“
Beiden Kandidaten wollen als Oberbürgermeister das Thema Zweckentfremdungssatzung erneut angehen, um die Zunahme von Ferienwohnungen zu regulieren.
Kultur:
Im Themenbereich Kultur streben beide Kandidaten Veränderungen an. Jonas Glüsenkamp spricht in seinem Wahlprogramm von einer 180-Grad-Wende, was die Zwischennutzung für kulturelle Projekte in der Stadt betrifft. Auf dem Podium erläuterte er seinen Ansatz und wurde dabei auch allgemeiner:
„Ich habe mit Andreas Starke die letzten sechs Jahre gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Bei dem Thema Kultur waren wir uns nicht immer einig. Kulturpolitik ist für mich eine Haltungsfrage im Umgang mit den Kulturschaffenden in dieser Stadt. Kulturschaffende tragen wahnsinnig etwas bei zu dieser Stadt, nicht nur für unser Zusammenleben, sondern insbesondere auch, wie man die Stadt Bamberg von außen wahrnimmt. Die 180-Grad-Wende heißt, dass städtische Gebäude und stiftische Gebäude, die leer sind, erst mal grundsätzlich zur Verfügung stehen für Zwischennutzung. Die 180-Grad-Wende bedeutet, dass wir das Kontaktfestival nicht auf einmal mit einer riesigen Mieterhöhung ohne Kommunikation konfrontieren. Ich war heute zum Aufbau da. Es wird dieses Jahr wieder stattfinden. Im Mai ist wahnsinnig wichtig für die Stadt. Und es ist eine Haltungsfrage. Und ich möchte eine andere Haltung an den Tag legen gegenüber den Kulturschaffenden. Das beginnt damit, dass sich im Herbst dieses Jahres ein großes Kulturforum in der Konzert- und Kongresshalle machen will mit den Kulturschaffenden, weil Kultur hängt zugegebenermaßen auch immer von Mitteln und von Geld ab. Die sind beschränkt. Und um das zu vermitteln, muss man aber sagen, was geht und was geht nicht und sich darauf committen, was sind auch die zentralen Ziele? Und da möchte ich die Kulturschaffenden einladen. Wertschätzend. Das ist eine Haltungsfrage und daraus ergibt sich alles weitere.“
Sebastian Niedermaier hatte im Wahlkampf im Zusammenhang mit dem Thema Kultur betont, dass man diese „anders denken müsse“. Wie das zu verstehen ist, erklärte er auf dem Podium:
„Ja, also wir haben es ja bei der Reithalle oder beim Kesselhaus genauso gemacht, dass wir Machbarkeitsstudien gemacht haben, Pläne gemacht haben, die Millionen verschlingen, um diese Gebäude zu öffnen, um Kultur darzustellen und genau hier müssen wir es anders angehen. Das heißt, in die Reithalle einfach mal eine Toilette reinmachen und damit den Platz der Menschenrechte öffnen und für Kultur öffnen, dass Kultur stattfinden kann. Bei dem Kesselhaus auch einfach das Kesselhaus öffnen. Wir brauchen da auch zu dem Fluss ein bisschen mehr öffnen, das Kesselhaus öffnen, da mal ein Kiosk hinmachen, dass wirklich das eine Verbindung ist zwischen Erba und Klein-Venedig. Aber wir haben auch die Benzstraße. Die Benzstraße ist ein Ort, wo das Juz jetzt ausgezogen ist oder ausgelagert ist. Das ist ein städtisches Gebäude, das wird aktuell von der Jugendkultur genutzt, von ISO e.V. und irgendwann werden wir zurück in das neue Juz einziehen. Aber diesen Raum trotzdem weiterhin für Kultur nutzen. Wir brauchen Proberäume für Bands, wir brauchen Auftrittsräume, wo Bands einfach mal mit 50 bis 100 Zuschauern spielen können und genau das haben wir dort in der Benzstraße. Dort haben wir auch die Möglichkeit, wir haben keine Anwohner, die das stört. Das heißt hier Benzstraße weiter behalten, die Lagarde, Reithalle öffnen, mit einem Kiosk reingehen beim Kesselhaus, einfach ein bisschen anders, niederschwellig öffnen.“
Aktuelles:
Ob auf der Arbeit, im Verein oder in der Nachbarschaft: Die meistdiskutierte Frage in Bamberg ist wohl momentan, wer am kommenden Wochenende neuer Oberbürgermeister wird. Sebastian Niedermaier war in den vergangenen Jahren als Bio-Gärtner selbstständiger Unternehmer mit Verantwortung für seine Angestellten. Sollte er neuer Rathauschef werden, wäre er mit einem Schlag für sehr viel mehr Personal verantwortlich. Flößt diese Perspektive Respekt vor dem Amt ein? Seine Antwort:
„Ich glaube, wie man seine Sachen im Kleinen handelt, handelt man es auch im Großen. Und gerade der Umgang mit Mitarbeitern, seit letztem Sommer tatsächlich, bin ich eigentlich seit letztem Jahr ziemlich raus aus dem Betrieb, also als ich mich vor drei Jahren entschieden habe, das Amt des Oberbürgermeisters dafür zu kandidieren, habe ich sofort, erstmal habe ich mir die Zeit mit der Familie genommen, mir einen Plan zurechtzulegen und habe sofort drei Mitarbeiter eingestellt, die ich auch sauber auf den Betrieb einarbeiten kann. Weil niemand kann von heute auf morgen am Betrieb übernehmen und braucht so ein bisschen die Einführungszeit dabei und deswegen habe ich das bei meinen Mitarbeitern gemacht, habe ihnen das gezeigt, habe gezeigt, wie das geht über jetzt die letzten zwei Jahre und deswegen kann ich mir sicher sein, dass der Betrieb weitergeht. Und Oberbürgermeister, na ja, ich bin jetzt seit zwölf Jahren im Bamberger Stadtrat, also ich kenne die Verwaltung, ich kenne die Prozesse, ich kenne die Arbeit mit Andrea Starke, mit Wolfgang Metzner, sehr gut über die letzten zwölf Jahre im Bamberger Rathaus und deswegen habe ich natürlich Respekt vor dieser Aufgabe, weil es einfach darum geht, Ihnen allen den Alltag zu gestalten. Die Kommunalpolitik, und das ist das Schöne, ist der Unterschied zur Bundespolitik, ist bei Ihnen im Alltag. Ob ich die Schlaglöcher bei Ihnen saniert bekomme, ob ich den Schulweg sicher gestaltet bekomme, ob ich Krippenplätze in der Gereuth wirklich erzeugen kann für die Kinder, um sie früh rauszuholen und in die Kindergärten reinzubringen, ich bin für Kommunalpolitik im Alltag und deswegen ist es so wunderschön, deswegen habe ich Respekt vor dem Amt, aber deswegen möchte ich das unbedingt machen.“
Jonas Glüsenkamp kennt das Rathaus, die Abläufe und die Personalverantwortung in der Verwaltung als Zweiter Bürgermeister seit sechs Jahren. Über Respekt und Erfahrung im Amt sagte er:
„Ich habe auch einen großen Respekt vor dem Amt, aber insbesondere vor den Aufgaben, die damit verbunden sind, weil es kommen große Aufgaben auf Bamberg zu, die auch ein Oberbürgermeister niemals allein lösen kann, sondern mit den Bürgerinnen und Bürgern und mit dem Stadtrat. Ich war heute in der Gartenstadt unterwegs. Das ist ein Gebiet, das Melanie Huml gewonnen hat im ersten Wahlgang. Und in den Gesprächen ist mir sehr deutlich geworden, dass die Menschen ihre Wahlentscheidungen an ganz verschiedenen Dingen abhängig machen. Aber ein maßgeblicher Faktor ist tatsächlich, dass sie sich die Frage stellen, wer ist besser in der Lage, dieses Amt auch auszuführen, welche Voraussetzungen liegen vor. Und da ist das Thema Erfahrung, sechs Jahre als zweiter Bürgermeister, die Entscheidungen gemeinsam mit Andrea Starke getroffen, schon eine Frage, die bei vielen Menschen eine Rolle spielt, über die ich heute auch viel gesprochen habe. Und insofern bin ich optimistisch, dass ich diesen Vorsprung, den ich jetzt für die Stichwahl habe, auch durchs Ziel bringe.“
Jonas Glüsenkamp hat im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister die meisten Stimmen gesammelt, knapp hinter ihm kam Sebastian Niedermaier ins Ziel. Die beiden verstehen sich offensichtlich gut, haben thematisch viele Schnittstellen. Beide könnten sich eine Zusammenarbeit im Rathaus gut vorstellen, auch wenn jeder natürlich die Stichwahl gewinnen und neuer OB werden möchte. Bei der Stadtratswahl ist die CSU knapp als stärkste Fraktion hervorgegangen. Somit haben auch die Christsozialen nach der OB-Wahl Gewicht, auch wenn es um das Amt des Zweiten Bürgermeisters geht. Dazu sagte Jonas Glüsenkamp auf dem Podium:
„Es ist in der Tat eine Herausforderung, dass es aktuell keine Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner gibt und dass sich die Fraktion auch selbst sortieren muss. Da sage ich aber auch ganz offen, diese Stadt Bamberg braucht eigentlich eine starke CSU, die auch geschlossen ist und die auch miteinander arbeiten kann. Wir haben den Druck nach rechts. Wir haben ein erschreckendes Ergebnis für die AfD, auch wenn es im Langkreis noch mal deutlich schlimmer ist, aber wir haben das auch in der Stadt Bamberg und um dem etwas in Zukunft entgegenzusetzen, braucht es eine funktionierende CSU und deswegen geht es auch darum, die einzubinden im neuen Stadtrat.“
Sebastian Niedermaier bezog ebenfalls Stellung zu den Mehrheitsverhältnissen und der CSU:
„Man muss ja ganz ehrlich sagen, der zweite Bürgermeister wird jetzt nicht über die Stichwahl entschieden, sondern einfach über die Mehrheit, die sich im Stadtrat bildet. Das hat also nichts damit zu tun, wie wir das beide miteinander ausmachen, sondern es geht um die Mehrheiten im Bamberger Stadtrat und bei der Bamberger CSU aktuell macht es einfach keinen Sinn, bis jetzt Gespräche zu führen, weil wir dann überhaupt nicht wissen, wie die Stichwahl ausgeht.“
Fazit:
Beide Kandidaten zeigten sich bei der Podiumsdiskussion von Radio Bamberg, der IHK und dem Wirtschaftsclub Bamberg gut vorbereitet, schlagfertig und sachlich. Es war eine faire Debatte, in der sowohl Jonas Glüsenkamp als auch Sebastian Niedermaier ihr Stärken zeigen und neben vielen Schnittmengen auch Unterschiede sichtbar machen konnten. Wer am Ende neuer Bamberger Oberbürgermeister wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler in Bamberg am kommenden Sonntag.