Bayer oder Bergamo – einen Wunschgegner hat Borussia Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl für die Playoffs der Champions League nicht. «Ehrlich gesagt ist es mir egal», sagte der 45-Jährige. Nach einem zähen und fußballerisch erneut sehr biederen Auftritt beim 0:2 gegen Inter Mailand ist klar: Will der BVB ins Achtelfinale, muss er sich deutlich steigern. Und zwar unabhängig davon, ob es gegen die Leverkusener oder die Italiener geht. Der Trend in der Champions League ist alarmierend.
Aus den letzten drei Partien der Ligaphase holten die Westfalen einen Punkt – beim enttäuschenden 2:2 gegen Bodö/Glimt. Dortmund gab eine gute Ausgangsposition für die Auslosung an diesem Freitag um 12.00 Uhr in Nyon relativ leichtfertig aus der Hand. Der BVB muss nun im Playoff-Rückspiel auswärts ran.
«Wenn du ins Achtelfinale willst, musst du egal wo und egal gegen wen gewinnen», sagte Niko Kovac in erwartbarer Trainer-Manier. Gegen den FC Brügge oder Karabach Agdam und mit dem Rückspiel vor mehr als 80.000 Fans im eigenen Stadion wäre es aber beispielsweise wohl leichter. Kommt die Borussia weiter, geht es im Achtelfinale gegen den FC Bayern München oder den englischen Tabellenführer FC Arsenal.
Beim Blick auf die aktuelle Spielweise des BVB ist schwer vorstellbar, wie da das Viertelfinale möglich sein soll. Die neue Herangehensweise mit dem Fokus auf defensive Stabilität genügt in der Bundesliga für eine richtig starke Bilanz. Dortmund hat nach 19 Spielen 42 Punkte und wird wohl souverän erneut in die Königsklasse einziehen. Gegen internationale Größen reicht es aber offenbar nicht.
Seine Siege feierte die Borussia gegen Bilbao, Kopenhagen und Villarreal. Das sind der 29., 31. und 35. der Abschlusstabelle der Champions League mit 36 Teams. Gegen Manchester City und Tottenham Hotspur war der BVB chancenlos, gegen Inter erspielte man sich eine einzige Großchance, die Mittelstürmer Serhou Guirassy kläglich vergab.
Dem Revierclub fehlen derzeit Spieler, die international den Unterschied machen, eine Partie alleine entscheiden können. Guirassy kann so einer sein, steckt aber seit Wochen in der Formkrise. «Ich glaube, in dieser Situation hat man wirklich gesehen, dass er nachdenkt», sagte Kehl zur Mega-Chance des 29-Jährigen. «Im letzten Jahr hätte er den Ball einfach angenommen und eiskalt reingemacht.»
Auch Karim Adeyemi und Julian Brandt waren schon mal besser drauf. Zu oft fehlen in dieser Saison Kreativität und Überraschungsmomente.
Hinzu kommen Personalprobleme. Gegen Inter hatte Kovac nur vier fitte Feldspieler als Einwechseloptionen zur Verfügung. Sorgen mit Blick auf die Kadergröße hat Kehl aber nicht. «Der Kader wird am Wochenende wieder deutlich größer aussehen», sagte der frühere Nationalspieler vor der Partie gegen den 1. FC Heidenheim (Sonntag, 17.30 Uhr/DAZN) und ergänzte mit Blick auf die laufende Transferphase: «Wir haben im Moment keinen absoluten Bedarf, noch etwas machen zu müssen.»
Quelle: dpa