IHK für Oberfranken Bayreuth: Keine Aufteilung Deutschlands in Strompreiszonen

30. April 2025 , 15:28 Uhr

Hintergrund ist ein aktueller Bericht der Übertragungsnetzbetreiber, der im Auftrag der EU-Kommission erstellt wurde. Darin wird geprüft, ob Deutschland künftig in mehrere unterschiedliche Strompreiszonen eingeteilt werden könnte – mit der Konsequenz, dass Strom im Süden Deutschlands für Unternehmen teurer würde.

Grund für diese Überlegungen sind Engpässe im Stromnetz. Der Süden Deutschlands kann seinen Strombedarf nicht mehr aus eigener Kraft decken, während die Küstenregionen an Nord- und Ostsee dank gewaltiger Windparks auf hoher See weit mehr Strom produzieren, als sie selbst benötigen. In der Folge findet ein gigantischer Stromtransfer von Nord nach Süd statt, was regelmäßig zur Überlastung der Leitungen führt. In Konsequenz werden Windparks im Norden abgeschaltet und teure Gaskraftwerke im Süden hochgefahren.

Es bestehe kein Zweifel daran, dass Maßnahmen zur Vermeidung von Netzengpässen dringend erforderlich sind. Eine Aufteilung Deutschlands in bis zu fünf Strompreiszonen sei aber der falsche Weg. „Gerade Oberfranken mit seiner weit überdurchschnittlichen Industriedichte und vielen energieintensiven Unternehmen wäre von höheren Strompreisen besonders betroffen“, so Dr. Waasner. „Die neue Bundesregierung muss – wie im Koalitionsvertrag verankert – an einer einheitlichen Strompreiszone festhalten und einen zielgerichteten Aktionsplan zur Weiterentwicklung des Strommarktes vorlegen.“

Johannes Neupert, bei der IHK für Oberfranken Bayreuth Ansprechpartner für Energie und Dekarbonisierung, ergänzt: „Eine solche Neuordnung würde rund fünf Jahre in Anspruch nehmen und enorme Kosten verursachen. Positive Effekte wären frühestens Mitte bis Ende der 2030er Jahre zu erwarten, wenn überhaupt.“

Die IHK warnt zudem vor weiteren Nachteilen einer Aufteilung: „Mehrere Strompreiszonen würden den Markt schwächen, regionale Monopole fördern und den Handel erschweren. Das bedeutet höhere Strompreise, zusätzliche Bürokratie und Planungsunsicherheit für Unternehmen“, so Dr. Waasner. „Investitionen in neue Anlagen und Speicher würden dadurch gebremst. Genau das können wir uns absolut nicht leisten.“

Eine Verlagerung von Unternehmen innerhalb Deutschlands aufgrund unterschiedlicher Strompreise hält die IHK für unwahrscheinlich. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen ins Ausland abwandern, schließlich bezahlen Industrieunternehmen pro Megawattstunde in Deutschland rund doppelt so viel wie die chinesische und sogar dreimal so viel wie die US-amerikanische Konkurrenz. „Im Ausland sind nicht nur die Strompreise, sondern oft auch Arbeitskosten, Steuern und Bürokratie niedriger“, warnt Dr. Waasner. Das sei keine hypothetische Gefahr, schließlich hätten oberfränkische Unternehmen Zukunftsinvestitionen in den vergangenen Jahren vor allem im Ausland getätigt, wie die letzten IHK-Konjunkturbefragungen zeigen.

Die Bundesregierung müsse sich deshalb auf EU-Ebene auch weiter dringend für die einheitliche Strompreiszone einsetzen. „Statt zusätzlicher Risiken und Unsicherheiten braucht die Wirtschaft jetzt stabile Rahmenbedingungen“, macht der Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth deutlich. „Wir benötigen keine neuen Strompreiszonen, sondern einen starken europäischen Strommarkt und einen schnellen Ausbau der europäischen Energie-Infrastruktur.“

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