Mit Musik reich und weltberühmt werden – davon träumen viele.Der Musikfilm «Song Sung Blue» gibt denen eine Bühne, die es nicht schaffen. Hugh Jackman und Kate Hudson singen und spielen hier, inspiriert von wahren Begebenheiten, ein Musikerpaar, das als Coverband mit Neil-Diamond-Songs in den späten 80ern und 90ern in den USA lokale Berühmtheit erlangte. Aber für den ganz großen Durchbruch reichte es nicht.
Regisseur Craig Brewer (54) rückt mit seinem Film den oft übersehenen Alltag von Hobbymusikern ins Rampenlicht.
«Ich lebe in Memphis, Tennessee, und Musik ist dort ein ganz wesentlicher Teil unserer Kultur. Viele meiner Freunde spielen jeden Abend in Rockclubs, und sie sind großartig auf der Bühne», erzählt Brewer im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Und am nächsten Morgen servieren sie mir Kaffee im Diner um die Ecke.»
Genau hier setzt der erste von drei Lebenstipps an, die «Song Sung Blue» bereithält.
Für Mike und Claire Sardina, die realen Vorbilder der Filmhandlung, scheint der Zug zur Musikkarriere längst abgefahren: Er ist Vietnam-Veteran, trockener Alkoholiker und jobbt als Mechaniker, sie schlägt sich als Friseurin und alleinerziehende Mutter durch und singt höchstens auf kleinen Bühnen.
Doch zwischen beiden funkt es – musikalisch und privat. Aus gemeinsamer Musikleidenschaft und trotzigem Optimismus entsteht die Neil-Diamond-Tribute-Band Lightning & Thunder.
Kate Hudson sieht darin weder Naivität noch finanziellen Leichtsinn, sondern den wahren Weg zum Glück: «Selbst wenn du Musik machst, während du anderswo noch Geld verdienst – dann folgst du deinem Traum.»
In gewisser Weise passend für eine Schauspielerin, die mit «Almost Famous – Fast berühmt» bekannt wurde, misst Hudson Erfolg nicht an Weltruhm oder Charthits. «Ich glaube, dass mehr Menschen verstehen müssen: Es ist okay, ein Musiker zu sein, der nicht den Erfolg eines Mick Jagger hat», findet die 46-Jährige, die inzwischen auch als Sängerin auftritt. «Es ist genauso bedeutend, weil es dir etwas bedeutet. Denn es bedeutet, dass du dein Leben so lebst, wie du es leben möchtest.»
Leidenschaft vor Geld – dieses Gefühl kennt auch Hudsons Filmpartner Hugh Jackman – aus seiner Zeit an der Schauspielschule: «Ich liebte es einfach. Ich dachte: Selbst wenn ich nie einen Tag in meinem Leben arbeiten werde, waren das die besten drei Jahre meines Lebens», erinnert sich der 57-Jährige im dpa-Interview.
Lebenstipp Nummer eins also für Menschen mit einer Leidenschaft aber ohne sichere Erfolgsaussichten – in Hugh Jackmans Worten: «Mach es einfach. Das sage ich immer. Und dann weißt Du nie, wohin es dich führt.»
Vielleicht ja sogar zum Broadway: Inzwischen tanzt und singt Jackman neben seiner Schauspielkarriere («Deadpool & Wolverine», «The Greatest Showman») regelmäßig in Broadway-Shows.
Der zweite Lebenstipp, den man aus «Song Sung Blue» mitnehmen kann, dreht sich um den Mut zum späten Neuanfang. Mike und Claire finden einander und die Berufung als Neil-Diamond-Tribute-Musiker erst in ihrer Lebensmitte.
Für Regisseur Craig Brewer ein wiederkehrendes Thema: «Das ist etwas, das ich schon in mehreren meiner Filme untersucht habe. „Hustle & Flow“ war einer davon, „Dolemite Is My Name“ mit Eddie Murphy ein anderer. Ich interessiere mich sehr für Menschen in ihren 40ern, 50ern und manchmal 60ern, die sich fragen: Ist mein Leben vorbei?»
Für Brewer (54) gibt es genau eine richtige Zeit für einen Neustart – Lebenstipp Nummer zwei eben: «Der richtige Moment neu anzufangen, ist der, in dem du es am leidenschaftlichsten fühlst. Dann musst du dir erlauben, voranzugehen.»
Zweifel oder äußere Umstände gelten für Brewer dabei nicht als Ausrede:
«Oft sind wir selbst ja die Einzigen, die uns zurückhalten.»
Der dritte und letzte Lebenstipp entfaltet seine Kraft in den dunkelsten Momenten von «Song Sung Blue». Urplötzlich brechen sie über Mike und Claire herein. Sie sind zu diesem Zeitpunkt längst verheiratet. Wie zahllose andere Ehepaare haben sie sich versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein – ohne zu ahnen, wie hart eine Bewährungsprobe wirklich sein kann.
Der Film übertreibt hier nicht, auch dieser Teil der Geschichte ist tatsächlich passiert. Hugh Jackman: «Jeder erlebt mal Höhen und Tiefen – aber dieses Paar wahrscheinlich mehr als die meisten von uns. Der Film handelt sehr davon, wie diese beiden einander retten, füreinander da sind.»
Dass Kate Hudson, anders als Hugh Jackman, für ihre Rolle mit einer Golden-Globe-Nominierung bedacht wurde, dürfte vor allem diesem düsteren Abschnitt geschuldet sein.
Im ersten Teil tragen Jackman und Hudson die Geschichte durch ihr Charisma und ihre mitreißende Chemie auf der Bühne. Jackman wirft sich dabei mit Haut und Haaren und ohne Scham in seine Rolle – inklusive Gesangseinlage zu Hause in Unterwäsche. Aber wie Hudson die vorher so strahlende Claire in den Abgrund führt, ist ergreifend.
«Das ist eines der Dinge, die ich an diesem Film so liebe und von denen ich glaube, dass die Leute sie wirklich erfrischend finden werden», glaubt Hudson.
In einer Zeit, in der Beziehungen oft schnell beendet würden, erzähle «Song Sung Blue» hier von einer tieferen Art der Romantik.
«Ich denke, heutzutage ist es sehr einfach, jemanden zu verlassen», sagt Hudson. «Aber die Stärke, mit jemandem gemeinsam durch etwas hindurchzugehen – diese Art von Liebe ist doch das, wonach wir alle suchen.»
Lebenstipp Nummer drei also – mit den Worten von Hugh Jackman:
«Hier geht es wirklich um Familie. Sich gegenseitig beistehen – durch die wirklich, wirklich schweren Zeiten – das ist wunderschön.»
So gesehen bleibt «Song Sung Blue» doch bis zum Schluss ein Wohlfühlfilm – wenn auch einer, der zwischendurch schmerzlich unter die Haut geht.
Quelle: dpa