Nachdem der Streit um die Zukunft des Bamberger Ankerzentrums vergangene Woche zuletzt seinen Höhepunkt erreichte, sorgt Bambergs Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp nun für Verwunderung bei so manchem Bamberger. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hat der Grünen-Politiker – bisheriger Verfechter der Schließung – nun überraschend eine Verlängerung des Betriebs vorgeschlagen. Der Grund: Pragmatismus! Der Freistaat habe es versäumt, Alternativen zu schaffen, so Glüsenkamp. Und setze auf Verhandlungen mit dem Freistaat – vielleicht sogar mit einem „Entschädigungsfonds“ für Anwohner und weniger Fläche für das Ankerzentrum.
Gegenüber Radio Bamberg äußert sich Jonas Glüsenkamp wie folgt: „Der Freistaat hat mitgeteilt, dass er das Ankerzentrum weiterbetreiben wird. Jetzt können wir diese Mitteilung wochen- und monatelang negieren oder wir können uns verpflichtet fühlen, jetzt das Beste für den Bamberger Osten herauszuholen und mit dem Freistaat an den Verhandlungstisch zu gehen, um Verbesserungen für den Bamberger Osten zu erzielen. Ich rate allen Akteuren im Bamberger Stadtrat, sich jetzt nicht noch höher auf die eigene Palme zu begeben, was politisches Fingerzeigen angeht, sondern die Realität anzuerkennen und jetzt gemeinsam im Schulterschluss aufzutreten gegenüber dem Freistaat Bayern, um das Beste zu erreichen.“
Unterstützung bekommt Glüsenkamp aus seiner eigenen Partei. So erklärt Christian Hader, Vorsitzender der Stadtratsfraktion Grünes Bamberg:
„An der Grünen-Position zum Ankerzentrum hat sich insofern nichts geändert, als dass wir diese Form der Unterbringung für die denkbar Schlechteste halten. Nur: Die Bayerische Staatsregierung hat sich festgelegt, sie möchte ihre Zusage von 2015 nicht einhalten. Diese schmerzhafte Realität gilt es anzuerkennen und jetzt gemeinsam in Bamberg nahe Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger zu suchen.“
Der Bamberger CSU Kreisvorsitzender Gerhard Seitz findet den Vorstoß gut, sagt aber im Radio Bamberg Interview auch:
„Ich verstehe nicht, warum er das Ganze zugelassen hat. Diese 26 Potentialflächen, die haben eigentlich nur dazu geführt, dass die Stadt gespalten wird. Es war für mich unsäglich sowas als Vorschlag und als echte Möglichkeit für eine Lösung einzubringen.“
Bub Stadträtin Karin Einwag hingegen ist mehr als erstaunt:
„Erst präsentiert die Rot – Grüne Stadtspitze die chaotische Container – Lösung, dann droht die SPD mit Klage, um eine Schließung der Ankereinrichtung zu erreichen – während der Grüne Bürgermeister seine Grundsätze über Bord wirft und jetzt für das Weiterbestehen der Massenunterkunft in Bamberg Ost eintritt. Das ist eine Politik ohne klare Linie, ohne Konzept, ohne Verlässlichkeit.“
Innenminister Joachim Herrman hat am Rande eines Treffens auf Kloster Banz unterdessen erklärt, er wundere sich darüber, dass auf sein Schreiben an OB Starke noch keine Antwort inklusive Konzept gekommen sei. Er werde sich demnächst mit dem Vorstand des Bürgervereins Bamberg-Ost treffen.