Die USA und führende europäische Staaten wollen den Druck auf Russland weiter erhöhen und eine Lösung für den Ukraine-Krieg erzwingen. Beim G7-Gipfel im französischen Évian stimmten nach Angaben aus der deutschen Delegation die Staats- und Regierungschefs – inklusive US-Präsident Donald Trump – überein, dass sich die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld deutlich verbessert habe.
«Sie waren sich einig, dass die Unterstützung der Ukraine erhöht werden muss und der Druck auf Russland erhöht werden muss», hieß es. Neben Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nahmen an den Beratungen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie die EU-Spitzen und die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan teil.
«Die Dynamik hat sich geändert, die Ukraine ist in einer Situation der Stärke. Russland kann den Krieg nicht gewinnen, und Russland steht unter Druck», hieß es weiter. «Insofern haben wir eine Änderung in der Tonalität festgestellt.»
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der britische Premier Keir Starmer zeigten sich nach den Beratungen optimistisch, dass in die Bemühungen um ein Ende des Krieges neue Bewegung kommt. «Das Blatt wendet sich für die Ukraine», erklärte von der Leyen. Während die Ukraine mutig die Front halte, zeige sich Russlands Erschöpfung offen. Die Lage im Jahr 2026 unterscheide sich stark von der im Jahr 2025.
«Es gab einen wirklichen Konsens im Raum bei den G7 darüber, dass die Sanktionen echt Wirkung zeigen angesichts der Tatsache, dass die Ukraine Erfolge hat und Gebiete zurückerobert», sagte Starmer.
Großbritannien und Kanada kündigten unter anderem Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte und Rüstungsindustrie an. Kanadas Premier Mark Carney zufolge sollen 162 Personen, Unternehmen und Schiffe neu auf die Sanktionsliste kommen. Großbritannien verhängt 70 neue Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte, Lieferketten im Rüstungsbereich und illegale Finanznetzwerke zur Umgehung bisheriger Sanktionen. Dabei soll die Beschaffung westlicher Technologie für das russische Militär unterbunden werden.
Die USA sind bisher alleiniger Vermittler zwischen der Ukraine und Russland. Die Bemühungen Trumps und seiner Regierung um ein Ende des Krieges brachten bislang allerdings keine greifbaren Ergebnisse und waren während des Krieges gegen den Iran nahezu zum Erliegen gekommen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen sie nun wieder in Gang bringen. Im Fall neuer Verhandlungen wollen die Europäer mit am Tisch sitzen.
Erwogen wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, Russlands Präsident Wladimir Putin ein neues Gesprächsangebot zu machen. Theoretisch könnten etwa am Rande der nächsten UN-Generalversammlung Verhandlungen organisiert werden, hieß es von G7-Teilnehmern.
Trump kündigte am Mittag bereits an, sich nach der größeren Runde noch ein weiteres Mal mit Selenskyj auf dem Gipfel treffen zu wollen. Ob es sich um ein Zweiergespräch handelt oder weitere Teilnehmer dabei sein werden, ließ er zunächst offen.
Selenskyj dankte bei einem Treffen mit Merz für die deutsche und europäische Unterstützung bei der Verteidigung des Landes. Vor allem sei es bei dem guten Treffen um die weitere Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr gegangen. Details nannte Selenskyj nicht.
Nach Informationen der dpa berieten die G7-Teilnehmer auch über eine gemeinsame Erklärung zum Ukraine-Krieg.
Unterdessen setzte die Ukraine ihre Gegenangriffe auf Russland fort. In der Hauptstadt Moskau schoss Russlands Flugabwehr nach Darstellung von Bürgermeister Sergej Sobjanin etwa 60 ukrainische Drohnen ab. Eine Drohne habe ein Objekt auf dem Gelände einer Moskauer Ölraffinerie getroffen, teilte er mit.
Selenskyj lobte Kiews Geheimdienste für «ihre effektive Arbeit»; die Raffinerie auf Moskauer Stadtgebiet liege 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. «Russland muss gezwungen werden, den Krieg gegen unser Volk zu beenden», sagte er.
Auch die Lage im Nahen Osten beschäftigte die Gipfelrunde. Damit das Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges der USA gegen den Iran nicht in Gefahr gerate, forderte Trump, dass Israel beim Krieg gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon verantwortungsvoller handeln müsse. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu «muss mehr Verantwortung zeigen mit Blick auf den Libanon», sagte Trump bei einem Treffen mit Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani am Rande des Gipfels. «Ich bin nicht glücklich damit, wie Israel sich mit dem Libanon und der Hisbollah verhalten hat.»
Quelle: dpa